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Frage an die Obstbau-Profis

Hier ist Platz für alles was auf den Bäumen wächst.
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Frage an die Obstbau-Profis

Beitragvon Jochens Bruder » Sa Sep 29, 2012 8:07

Tach zusammen,

mich würde einmal interessieren mit welchen Methoden ihr den Platz zwischen den Obstbäumen unkrautfrei haltet und/oder nutzt? Wie wird das heute gemacht und wie war das früher?

Zum Hintergrund der Frage: Ich bin kein Landwirt sondern Kaufmann, der die meiste Zeit des Jahres auf den Philippinen lebt. 2008 haben wir damit begonnen ein familieneigenes, verwildertes 15 ha Grundstück in eine Farm zu verwandeln. Mein Part dabei ist die Finanzierung und Recherche. Es ist sozusagen eher ein Hobby für mich.

Vor 4 Jahren hatten wir auf ca. 3,5 ha etwa 2.200 Zitronenbaum-Setzlinge gepflanzt. Seitdem wachsen die Bäume sehr gut, aber die Kosten für die Pflege sind völlig aus dem Ruder gelaufen. Hauptproblem ist das Unkraut. Das wächst hier 365 Tage im Jahr in Rekordtempo. Die ersten Jahre haben wir versucht die Sache mit Motor-Rasenmähern in den Griff zu bekommen, ca. 10-12 Schnitte pro Jahr! Tja, und das ist trotz der niedrigen Lohnkosten eine teure Angelegenheit. In dem letzten Farm-Video von vor 2 Jahren kann man das ab Minute 0:50 ganz gut sehen:

http://www.youtube.com/watch?v=-ie5wJe16dc

Vor ca. 6 Monaten haben wir damit begonnen, zwischen den Bäumen ca. 15 Kühe und Ziegen grasen zu lassen. Das funktioniert soweit ganz gut, löst das Problem aber nur teilweise. Die Viecher kommen mit dem Fressen nicht hinterher mit dem Unkrautwuchs...

Inzwischen haben wir aus unserer eigenen kleinen Baumschule reichlich neue Setzlinge die ab Ende Oktober gepflanzt werden sollen, ca. 1.200 Stück auf knapp 2 Hektar. Bei dieser neuen Pflanzung haben wir die Gelegenheit aus Fehlern zu lernen und die Sache anders anzugehen. Geplant ist derzeit, die Fläche zunächst mit einem geliehenen Schlepper zu pflügen und grubbern, dann nach 2 Wochen Herbizid spritzen um die frischen Unkraut-Sprößlinge abzutöten. Danach dann Pflanzlöcher mit unserer Terra Preta Mischung anlegen. Zwischen den Setzlingen sollen gleichzeitig Kürbis und eine spezielle Grassorte gepflanzt werden. Diese wächst nicht sehr hoch, lässt sich leicht mähen und ist erstklassiges Viehfutter

http://www.stuartxchange.org/Laua-laua.html

Wie gesagt, das ist der aktuelle Stand der Planung. Wir haben noch ca. 4 Wochen Zeit um das Konzept zu ändern. Deshalb würde ich mich über konstruktive Anregungen und Ideen sehr freuen.

Beste Grüße von der Tropenfarm, Jochen
Jochens Bruder
 
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Re: Frage an die Obstbau-Profis

Beitragvon Jochens Bruder » Sa Sep 29, 2012 8:49

Wir hatten den Grasschnitt immer zusammengeharkt und damit den Bereich um den Baumstamm gemulcht, ca. 40 cm hoch und 1 Meter Durchmesser. Das geht, löst aber das Problem nur teilweise da eben nur in diesem Radius das Unkraut unterdrückt wird. Die Düngung efolgt aber in einem etwas größeren Abstand zum Stamm, also mußten da dann immer die Jungs mit dem Rasenmäher ran. Hinzu kommt das die erste Plantage nicht mit Schleppern oder anderem Großgerät erreichbar ist. Bei der neuen Plantage wird dies aber möglich sein.

Wir gehen noch mit einer ganz anderen Idee schwanger: Die Kokos-Behörde hat eine neue Pflanzmethode für Palmen entwickelt. Normalerweise sind die Abstände 8 x 8 Meter. Jetzt werden 3 Setzlinge in einem gleichschenkligen Dreieck mit 1 Meter Distanz als 3-er Cluster gepflanzt, mit 8 Metern zwischen den Clustern. Dadurch verdreifacht sich die Zahl der Bäume pro Hektar und die Düngung erfolgt nur innerhalb des Dreiecks. Dieses Prinzip wollen wir mit einigen Zitronenbäumen antesten, indem die Setzlinge an eine schräg in den Boden gesetzte Rankhilfe gebunden werden. Darüber gibt es aber noch keine Erfahrungen, jedenfalls konnte ich nichts finden. Es ist gut möglich dass es noch niemand ausprobiert hat. Versuch macht kluch...
Jochens Bruder
 
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Re: Frage an die Obstbau-Profis

Beitragvon Jochens Bruder » Sa Sep 29, 2012 16:26

Wir werden vor der Pflanzung der Baum-, Kürbis- und Gras-Setzlinge auf jeden Fall Glyphosat spritzen. Wenn die Zitronenbäume erst einmal angewachsen sind kann man grundsätzlich keinerlei Herbizide mehr einsetzen da dies die Bäume beschädgt bzw. die Ernteerträge reduziert. Das ist vermutlich eine Besonderheit bei Zitrusbäumen.

Es ist auch nicht möglich zwischen den Bäumen zu pflügen oder grubbern weil ein Teil der Baumwurzeln flach zur Seite wachsen und sich nur wenige cm unter der Oberfläche befinden. Hinzu kommen die Abstände von 3,3 x 3 Meter, da wird der Einsatz größerer Maschinen problematisch.

Eine weitere Besonderheit ist dass wenn man die Bäume einfach ungepflegt wachsen lässt sich ganzjährig vereinzelte Blüten bilden die dann Früchte hervorbringen. Die müssen wenn sie reif sind von Hand gepflückt werden damit sich neue Fruchtansätze bilden können. Das ist, da die Limetten nur 2-3 cm Durchmesser haben, ein mühsames Geschäft bei dem man oftmals nicht einmal die Pflückkosten hereinbekommt.

Deshalb wird auf gutgepflegten Plantagen die Fruchtbildung künstlich forciert. Das ist eine Kombination von Düngung und eines bestimmten PSM. Dadurch hat man nur eine Ernte im Jahr, aber dafür reichlich und man kann den Termin bestimmen. Also wenn erfahrungsgemäß die Preise hoch sind. Dazu ist es aber zwingend erforderlich dass das Unkraut unter Kontrolle ist. Damit steht und fällt alles.

Ein ausgewachsener Baum bringt ca. 11 kg pro Ernte. Die Preise schwanken saisonal extrem stark, zwischen 0,12 und 1,40 €/kg. Die Pflückkosten liegen bei ca. 0,15 €/kg. Unter optimalen Bedingungen sind das über 10.000 €/ha Nettoverdienst. Da muß hier ne alte Oma lange für stricken und deshalb lohnt es sich meistens einen gewissen Aufwand zu treiben.
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Re: Frage an die Obstbau-Profis

Beitragvon Jochens Bruder » Sa Sep 29, 2012 16:55

Mit der Mechanisierung in Entwicklungsländern ist das so eine Sache die man nicht mit Deutschland vergleichen kann. Das Hauptproblem sind die fehlenden Zufahrtswege. Deshalb sind ca. 80-90% aller Schläge nicht mit Schleppern usw. erreichbar. Dann sind die Schläge extrem klein, wer hier mehr als 5 Hektar hat ist schon eine Art Großbauer. Das kommt vor allem durch die Vererberei bei den vielköpfigen Familien. Anders als in Deutschland werden die Flächen dann unter den Erben aufgeteilt und separat bewirtschaftet, jeder gegen jeden. Unabhängig davon ob Fachkenntnisse vorhanden sind oder nicht.

Dazu gesellt sich dann ein chronischer Kapitalmangel, dadurch wird zuwenig gedüngt und gepflegt. All das zusammen führt dann zu den niedrigen Erträgen und Einkommen. Andererseits bedeuten diese Verhältnisse aber auch Chancen für Leute mit Kapital und Fachwissen. Deshalb werden die meisten der wirtschaftlich erfolgreichen Farmern von Quereinsteigern betrieben.

Für diese generellen Verhältnisse kann ich nix, wir versuchen nur, das Beste daraus zu machen.
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Re: Frage an die Obstbau-Profis

Beitragvon Zaller » Sa Sep 29, 2012 17:33

Vielleicht bringt Mulchfolie oder -papier etwas.

http://www.hartmann-brockhaus.de/mulchfolie.html

http://www.papierschnur.com/mulchpapier.htm

Wo kein Licht hinkommt, wächst auch kein Unkraut.

Gruß Zaller
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Re: Frage an die Obstbau-Profis

Beitragvon Jochens Bruder » Sa Sep 29, 2012 18:52

Danke für den Tip. Das mit der Mulchfolie hatte ich völlig aus dem Auge verloren. Wir hatten das vor 2 Jahren in einigen Gemüsebeeten ausprobiert. Dabei hat sich herausgestellt dass einzelne Unkrautarten trotzdem von unten durchwachsen und damit die Folie beschädigen. Das kann evtl. aber auch an der schlechten Folienqualität gelegen haben, jedenfalls kam mir damals der Kaufpreis ziemlich niedrig vor.

Die Bäume werden wie gesagt in 3,50 x 3 Meter Abstand gepflanzt. Dazwischen dann in 30 cm Abstand Büschel mit dem Spezialgras. Das ist dominant und die Cluster breiten sich innerhalb von ca. 2 Monaten zu einer geschlossenen Narbe aus. Da wächst nie wieder Unkraut. Pro 3 qm kommt dann eine vorgezogene Kürbispflanze, deren Blätter großflächig den Boden beschatten. Das hatten wir bereits erfogreich getestet. Einziges Problem dabei: Die Triebe der Kürbispflanzen können an den jungen Zitronenbäumen hochranken und sozusagen erdrosseln. Deshalb läuft alle paar Tage ein Arbeiter durch die Pflanzung und entfernt die Triebe von den Baumsetzlingen.

Diese Arbeit würde wesentlich erleichtert wenn wir die Folie in 1,20 x 1,20 Meter Quadrate schneiden (Die Folie ist 1,20 breit), in die Mitte ein Loch stanzen und die Ränder mit Steinen oder Ästen beschweren. Auf diese Weise kann der Mitarbeiter schon von weiten sehen wo sich Kürbistriebe den Bäumen näheren und diesen Trieben dann von Hand eine andere Wuchsrichtung zuweisen, und zwar bevor sie Nebenwurzeln entwickeln. Dadurch würden sich nebenbei auch noch die Kürbiserträge deutlich erhöhen da keine Nebenwurzeln mehr herausgezogen werden müssen.

Der Clou ist jedoch dass die Folie nur max. 3 Monate halten braucht. Bis dahin ist nämlich das Gras bis auf 60 cm an die Baumstämme herangewachsen. Dann wird die Folie weggenommen und evtl. durchgewachsene Unkräuter per Hacke entfernt. Einige Wochen später ist das Gras dann an den Baumstämmen angelangt und wir haben die nächsten 20-25 Jahre keinen Streß mehr. Wahrscheinlich wird sich sogar noch für die Folie eine Zweitverwendung finden.
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Re: Frage an die Obstbau-Profis

Beitragvon Jochens Bruder » Sa Sep 29, 2012 19:19

@ Majes95: Wenn das Gras bis an die Stämme gewachsen ist brauchen wir die Folie nicht mehr. Das Gras hat, im Gegensatz zu den zig Unkrautarten die gleichzeitig wuchern, eine einheitliche Farbe, Wuchshöhe und Blattstruktur. Deshalb kann man die Kürbistriebe leicht erkennen.

Der Hauptgrund weshalb wir die Kürbisse pflanzen ist ja nicht die Bodenbeschattung. Es hat etwas mit der Finanzierung zu tun. Bei den Zitronen gibt es die ersten größeren Ernteerträge erst nach ca. 4 Jahren. Die Kürbisse haben, wenn sie in Pflanzbeutel vorgezogen werden, nur 3 Monate bis zur Ernte. D.h. bei günstigen Wetterverhältnissen 3-4 Ernten pro Jahr. Dabei gibt es auch keine Bodenauslaugung. Es wird einfach ein kleiner Hügel aus unserer Erdmischung von ca. 40x20 cm und 15 cm Höhe auf das Gras geschüttet. Dort werden dann 2 Kürbis-Setzlinge gepflanzt und sobald sich Triebe bilden von Hand in gegensätzliche Richtungen verlegt. Bei der Folgepflanzung werden dann neue Hügel in den Zwischenräumen der alten Hügel angelegt. Bei der 3. Pflanzung werden wieder die alten Hügel benutzt, die bekommen dann etwas NPK und gut ist.

Das funktioniert solange bis die Bäume zu groß geworden sind und deshalb zuviel Schatten werfen. Das ist dann die Zeit wo man von Kürbis auf Chili umstellt (selbe Pflanzhügel), die wachsen auch im Halbschatten. Danach sind die Bäume dann groß genug um Kühe, Ziegen, Truthähne usw. grasen zu lassen.

Soweit jedenfalls unser Plan A. Da gibt es sicherlich noch diverse Optimierungsmöglichkeiten.
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Re: Frage an die Obstbau-Profis

Beitragvon Jochens Bruder » Mi Dez 12, 2012 10:40

Aktuelles zum Stand des Gesamtprojektes gibt es auch in meinem Blog:

http://philippinen-projekte.de/blog/?p=95

Über Kommentare und Anregungen würde ich mich freuen.
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