Maschinenring Shop

  • Foren-Übersicht
  • Galerie
  • Chat
    Erweiterte Suche
  • Ändere Schriftgröße
  • FAQ •
  • Datenschutzerklärung •
  • Nutzungsbedingungen • Registrieren • Login
Auto-Login

Aktuelle Zeit: Do Feb 12, 2026 1:16

Mehrgefahrenversicherung - was haltet Ihr davon?

Hier kann man über aktuelle Themen aus den Medien und Allgemeines der Landwirtschaft diskutieren.
Antwort erstellen
6 Beiträge • Seite 1 von 1
  • Mit Zitat antworten

Mehrgefahrenversicherung - was haltet Ihr davon?

Beitragvon Harald » Mo Nov 26, 2012 22:31

Nach der Zustimmung des Bundesrats wird ab 2013 der Steuersatz von Ernte-Mehrgefahrenversicherungen auf 0,3 Promille der Versicherungssumme festgesetzt. Das soll einem Steuersatz von 3 bis 4 % des Versicherungsbeitrages entsprechen.
Gilt laut Gesetzänderungsentwurf für Hagelschlag, Sturm, Starkfrost, Starkregen oder Überschwemmungen.

Was haltet Ihr von einer solchen Mehrgefahrenversicherung? Zieht Ihr die in Betracht, oder versichert Ihr bereits?

Ich bin da recht skeptisch:

1. Versicherungskonstrukte funktionieren nur bei kleinflächigen Schadensereignisse (z.B. Hagel). Wenn ein Schadensereignis ganze Landstriche betrifft, zahlen die Versicherungsnehmer im Endeffekt doch wieder die Zeche über Nachforderungen oder zukünftig höhere Beiträge.

2. Bei den oben genannten Schadensereignissen sind zu viele Risiken aussen vor.
Hier mal meine nennenswerten Schadensereignisse aus vier aufeinanderfolgenden enttäuschenden Ernten:
  • 2009: Gelbverzwergungsvirus trotz später Saat :arrow: ~30% Minderertrag in Gerste
  • 2010: Ernte verzögert bis unmöglich wegen Unbefahrbarkeit der Flächen durch dauernden Regen in der Erntezeit :arrow: ~20% Minderertrag in Weizen und Triticale, Qualitätsverlust, Auswuchs
  • 2011: Verschlämmung nach der Rapssaat (war aber eher kein Starkregen), Frühjahrstrockenheit, Raps wächst durch :arrow: ~90% Minderertrag in Raps, ~25% Minderertrag in Gerste
  • 2012: Schlechter Auflauf im Herbst, Auswinterung, Frühjahrstrockenheit, Raps wächst schon wieder durch :arrow: ~40% Minderertrag in Gerste, "nur" ~10% Minderertrag in Raps, Weizen
Wenn ich also gegen die oben genannten Schadensereignisse versichert hätte, wäre ich wohl trotzdem weitgehend leer ausgegangen :regen:
Ich fordere den sofortigen Rücktritt der Bauernverbandspräsidenten Joachim Ruckwied (DBV) und Walter Heidl (BBV).
Beide sind unfähig, die Bauern ihres Verbandes in der Öffentlichkeit zu vertreten.
Benutzeravatar
Harald
 
Beiträge: 1540
Registriert: Di Aug 14, 2007 9:48
Wohnort: Oberfranken-West
Nach oben

  • Mit Zitat antworten

Re: Mehrgefahrenversicherung - was haltet Ihr davon?

Beitragvon Nordhesse » Mo Nov 26, 2012 23:03

Info: In der Tierseuchenkasse werden vom Geld der Bauern keine Leguane entsorgt. Und es werden auch keine Beiträge zwischen den tierarten verschoben.

Zu Mehrgefahren mein ich: Ich versichere nur Risiken, die ich selber nicht tragen kann. In meinem Fall auch Hagel, da ein Totalausfall den Betrieb doch arg strapazieren würde. Man muss sich von dem Gedanken lösen, dass man mit Versicherungen Geld verdienen kann- jedenfalls nicht als Versicherungsnehmer.

BSP: Eine Sturmschadenversicherung würde für meinen Betrieb ca. 1500 € / Jahr kosten. Wenn mir dann 1 * in 20 Jahren ein Dach wegfleigt, dann kann ich dass fast aus den Gesparten Beiträgen bezahlen.
Nordhesse
 
Beiträge: 4030
Registriert: So Mai 22, 2011 7:03
Nach oben

  • Mit Zitat antworten

Re: Mehrgefahrenversicherung - was haltet Ihr davon?

Beitragvon Harald » Di Nov 27, 2012 9:33

Jupp1303 hat geschrieben:Wenn Du das in Bezug auf den Pflanzenaufwuchs meinst, so ist da jedes Risiko versicherbar. Versicherbar ist es dann wenn es kalkulierbar ist.
Klar ist grundsätzlich jedes Risiko versicherbar. In der Praxis werden sich die Versicherungen aber wohl an dem orientieren, was jetzt im Versicherungsteuergesetz mit dem 0,3-Promille-Steuersatz niedergeschrieben ist. Und da sind z.B. Trockenheitsschäden außen vor.
Mehrgefahren sind aber oft regionale Probleme, was heisst einige Gegenden haben geringe Sturm -, Dürre- oder Überschwemmungsschäden, andere Gegenden hingegen gehäuft. M.E. sollte eine Versicherung dann zur Pflichtversicherung werden, was sie indirekt werden kann, wenn es die kreditgebende Bank verlangt, nur dann sollten die Selbstbehalte so hoch sein, dass nicht jeder Pippifazz als Schaden gemeldet wird, da die Schadensregulierungskosten bei Kleinschäden, oftmals den Schaden um den Faktor 2 - 3 übersteigen.
Sehe ich auch so. Aber nur wenn der Selbstbehalt im Rahmen bleibt.
Google findet auf die Schnelle nur eine Versicherung gegen Trockenheitsschäden: Hagel-Maxi bei MMA. Die hat einen Selbstbehalt von 30% der Versicherungssumme. Das ist heftig, aber sonst wäre so eine Versicherung wohl nicht bezahlbar.

Im Tierbereich haben wir sie als Tierseuchenkasse und wenn da auch streckenweise die Entsorgung der Pferde -, Katzen-, Leguan- und Hundekadaver mitfinanziert werden, so scheint die dort zu funktionieren.
TSK ist ein schöner Vergleich. Zahlt im Seuchenfall, aber nicht bei anderen Schadensfällen. Haben im Dioxin-Skandal etliche Betriebe leidvoll erleben müssen. Also z.B. als Kreditabsicherung genauso wenig ausreichend, wie eine Ernteausfallversicherung nach den nun vorgegebenen Rahmenbedingungen.
Ich fordere den sofortigen Rücktritt der Bauernverbandspräsidenten Joachim Ruckwied (DBV) und Walter Heidl (BBV).
Beide sind unfähig, die Bauern ihres Verbandes in der Öffentlichkeit zu vertreten.
Benutzeravatar
Harald
 
Beiträge: 1540
Registriert: Di Aug 14, 2007 9:48
Wohnort: Oberfranken-West
Nach oben

  • Mit Zitat antworten

Re: Mehrgefahrenversicherung - was haltet Ihr davon?

Beitragvon Harald » Di Nov 27, 2012 12:28

Hier mal ein Blick über den großen Teich bezüglich Ernteausfallversicherungen (Google-Recherche ohne Gewähr):

In den USA gibt es speziell für diesen Zweck die staatliche Versicherungsgesellschaft FCIC. Sowohl die Aktivitäten der FCIC als auch die Versicherungsverträge sind übrigens steuerbefreit (Federal Crop Insurance Act, Sec. 511).

Die Versicherungsbedingungen kann man hier nachlesen. Versichert werden demnach "natural causes such as drought, excessive moisture, hail, wind, frost, insects, and disease", also neben Wetterextremen auch Einbußen durch Schädlinge und Pflanzenkrankheiten.
Dabei können allerdings nur bis zu 75% (z.T. 85%) der Durchschnittserträge versichert werden.

Laut Wikipedia haben 3/4 der Schadenssumme die Ursache in Dürre, übermäßiger Nässe und Hagel, der Rest verteilt sich auf 27 (!) andere Ursachen wie Frost und Tornados.

Versichert sind in den USA 80% der landwirtschaftlichen Flächen, also ~105 Mio ha. Die mittlere Versicherungssumme variiert je nach Marktpreisen, z.B. 2006: ~500 /ha; 2008: ~850 $/ha; 2012: ~750 $/ha; 2012: 1000 $/ha.

Der durchschnittliche Versicherungsbeitrag liegt nach den Zahlen der FCIC bei ~10 % der Versicherungssumme.
Bemerkenswert ist, daß die Versicherungsbeiträge bei resistenten/robusten "Biotech"-Pflanzen reduziert werden können.

Vom Versicherungsbeitrag bezahlt der Farmer rund ~40 %. Die restlichen ~60 % werden subventioniert.
Offensichtlich gibt es auch noch weitere staatliche Hilfen in nennenswerter Höhe, z.B. zur Finanzierung des Verwaltungsapparats.

Fazit: Auch wenn unsere Interessenvertreter den reduzierten Steuersatz auf Mehrgefahrenversicherungen als Erfolg sehen, bleibt noch viel zu tun, um auf Augenhöhe mit der "Konkurrenz" aus USA zu kommen.
Ich fordere den sofortigen Rücktritt der Bauernverbandspräsidenten Joachim Ruckwied (DBV) und Walter Heidl (BBV).
Beide sind unfähig, die Bauern ihres Verbandes in der Öffentlichkeit zu vertreten.
Benutzeravatar
Harald
 
Beiträge: 1540
Registriert: Di Aug 14, 2007 9:48
Wohnort: Oberfranken-West
Nach oben

  • Mit Zitat antworten

Re: Mehrgefahrenversicherung - was haltet Ihr davon?

Beitragvon Harald » Fr Aug 03, 2018 8:09

Aus aktuellem Anlass:

https://www.topagrar.com/news/Home-top- ... 37356.html

Ein Vergleich macht es deutlich: Bei der Vereinigten Hagel sind insgesamt etwa fünf Millionen Hektar, also rund die Hälfte der gesamten Ackerfläche Deutschlands, gegen gängige Wetterextreme versichert. Darunter zählt Hagel, Sturm, Starkregen oder Frost. Gegen die Dürre sind dagegen nur etwa 500 Hektar versichert, so Deutschlandfunk weiter.

Die Versicherungsangebote, die für Schäden durch Dürre angeboten werden, sind laut dem Sender jedoch extrem teuer. Die Versicherungsprämie soll zwischen 25 und 30 Prozent des Versicherungswertes liegen, heißt es.
Ich fordere den sofortigen Rücktritt der Bauernverbandspräsidenten Joachim Ruckwied (DBV) und Walter Heidl (BBV).
Beide sind unfähig, die Bauern ihres Verbandes in der Öffentlichkeit zu vertreten.
Benutzeravatar
Harald
 
Beiträge: 1540
Registriert: Di Aug 14, 2007 9:48
Wohnort: Oberfranken-West
Nach oben

  • Mit Zitat antworten

Re: Mehrgefahrenversicherung - was haltet Ihr davon?

Beitragvon DWEWT » Fr Aug 18, 2023 6:41

Aus der Traum von der Förderung einer Mehrgefahrenversicherung durch den Bund. Dieser verweist die Zuständigkeit an die Länder. Darüber hinaus rät das BMEL, die Landwirte sollten sich durch angepasste produktionstechnische Maßnahmen auf den Klimawandel einstellen. Die Landwirtschaft bleibt also im Regen, respektive in der Sonne stehen. Trotz voll mundiger Andeutungen aus der vergangenen Zeit, hat hier wohl der Rotstift die Entscheidung vorgegeben. Man kann die Kohle auch nur einmal ausgeben, entweder für die Landwirtschaft oder für die Verwaltung.
btw: Was unter produktiontechnische Maßnahmen, die klimaneutralisierend wirken sollen, genau zu verstehen ist wurde nicht berichtet.
DWEWT
 
Beiträge: 10032
Registriert: So Aug 08, 2010 11:24
Wohnort: Vierländereck/ST/Nds/Bbg/MV
Nach oben


Antwort erstellen
6 Beiträge • Seite 1 von 1

Zurück zu Aktuelles und Allgemeines

Wer ist online?

Mitglieder: Bing [Bot], Google [Bot], MikeW

  • Foren-Übersicht
  • Das Team • Impressum • Alle Cookies des Boards löschen • Alle Zeiten sind UTC + 1 Stunde
Powered by phpBB® Forum Software © phpBB Forum Group • Deutsche Übersetzung durch phpBB.de
phpBB SEO Design created by stylerbb.net & kodeki