ich habe mir im Frühjahr ein Spurführungssystem Teejet Matrix PRO 570 (also das kleine mit 5,7 " Display und ohne Zusatztasten) gekauft. Da ich vor kurzem an meiner Spritze auch eine neue elektrische Armatur (ARAG Bravo 180) nachgerüstet habe, bestellte ich bei Teejet gleich die automatische Teilbreitenschaltung mit dem entsprechenden Adapter dazu.
Zur Führungsgenauigkeit kann ich bislang noch nicht allzu viel sagen, da ich das Gerät bisher nur in vorhandenen Fahrgassen eingesetzt hatte. Die Abweichungen scheinen aber auch mit der einfachsten Antenne sehr gering zu sein. Jedenfalls arbeitet das System deutlich genauer als wir bisher bei 5 Säbreiten pro Fahrgasse gesät hatten. Außerdem sind die Zeiten längst vorbei, in denen ein DGPS-System mehrere Minuten gebraucht hat, um nach einer kurzzeitigen Unterbrechung des EGNOS-Signals (beispielsweise beim Durchfahren einer Unterführung) wieder zuverlässige Daten zu liefern. Innerhalb weniger Sekunden ist das System wieder auf dem aktuellen Stand. Ein Upgrade der Antenne bzw. mit einem externen Korrektursignal oder Empfänger ist jederzeit möglich. Wer also höhere Ansprüche stellt, braucht nur die entsprechenden Komponenten tauschen, kann aber das Grundgerät behalten.
Das MATRIX wird mit den Fingern über einen Touchscreen bedient, der eine ausgenordete Ansicht aus der Vogelperspektive oder auch eine perspektivische Ansicht analog der 3D-Anzeige eines PKW-Navis hat. Dabei kann man diese Perpektive auch stufenlos bis zur in Fahrtrichtung ausgerichteten Vogelperspektive verändern. Die gefahrenen Spuren und Feldgrenzen werden nicht nur angezeigt, man kann sie auch auf einem USB-Stick speichern. Zur Dokumentation kann man die Fahrspuren als Shapefile speichern oder danach am PC Arbeitslisten mit den erfassten Bearbeitungs-Daten ausdrucken oder innerhalb Google-Earth sogar über das dortige Luftbild legen. Seit der Firmware-Version 2.0 (kostenloses Upgrade vom einfachen "Matrix" auf "Matrix PRO") lassen sich auch mehrere sogenannte Aufträge speichern, auf den PC übertragen, dort bearbeiten und die festgelegten Schlaggrenzen als Grundlage für folgende Arbeitsgänge wieder zurückübertragen.
Als Zubehör kann man auch bis zu 8 Überwachungskameras am Gerät anschließen und deren Bild (-er) als Hintergrund verwenden. Allerdings halte ich von dieser Überlagerung wenig. Lieber setze für die Überwachung von Geräten oder des Bereichs hinter dem Fahrzeug einen separaten Monitor ein. So ein komplettes Rückfahrsystem kostet auch nicht viel mehr als eine einzelne Kamera aus dem Teejet-System.
Eine Erweiterungsmöglichkeit zur vollautomatischen Lenkung gibt es auch. Diese greift direkt über die Lenkhydraulik ein. Hierbei sollte man aber wohl auch bereit sein, noch einiges an Geld in ein besseres Korrektursignal sowie in die Neigungskorrektur zu investieren.
Als Spurführungsmodi gibt es:
- 1. parallele Geraden zu einer A-B-Grundlinie
2. parallele Kurven zu einer Kurve durch zwei festzulegende Punkte A und B
3. letzte Spur
4. Kreis / Kreissegment
- 5. Vorgewendemanagement
6. Azimuth
während die letzte Methode dazu dient, Keile zu vermeiden, wenn mehrere Maschinen parallel auf einem Riesen-Schlag unterwegs sind, und die konzentrische Bearbeitung von Kreissegmenten auf große Kreisregner beispielsweise in Kalifornien ausgerichtet ist, sind die Varianten 1, 2, 3 und 5 auch unter unseren Verhältnissen sinnvoll einsetzbar.
Hierbei zeigen die Varianten 1. und 2. mehrere parallele Führungslinien zu der mit zwei Punkten festgelegten Basisliinie zur Auswahl, während die Variante letzte Spur stets nur eine Parallele zur nächstgelegenen tatsächlich bearbeiteten Spur anzeigt, egal wo diese liegt, also auch Vorgewende oder querbeet. Hierzu ist es nötig, dass dem System entweder durch manuelle Betätigung eines Schalters, durch eine Verbindung zur Bedieneinheit oder durch einen Sensor am Gerät mitgeteilt wird, wann dieses in Arbeitsstellung ist und wann nicht.
Der Clou des MATRIX (PRO) und in meinen Augen auch der größte Mehrwert gegenüber den meisten Systemen anderer Anbieter ist aber die Teibreitenautomatik. Sie erleichtert die Arbeit mit der Pflanzenschutzspritze oder mit Einzelkornsägeräten mit Teilbreitenabschaltung erheblich. Im Gegensatz zu einigen Mitbewerbern, die nur eine "virtuelle" Teilbreitenschaltung anbieten, registriert das System die tatsächlichen Schaltzustände der Armatur und schaltet diese am Vorgewende oder bei Keilen wesentlich zuverlässiger als ich das selbst könnte. Wenn ich einen Schlag ganzflächig behandeln will, fahre ich eine Behandlung entlang der Außengrenzen des Schlages, und definiere dabei mit zwei Tastendrücken die Behandlungsgrenzen. Lediglich beim Rangieren schalte ich während dieser ersten Runde den Hauptschalter der Armatur ab. Danach brauche im mich um das Ein- und Ausschalten der Armatur bzw. der einzelnen Teilbreiten überhaupt nicht mehr kümmern. Sobald eine behandelter Bereich erreicht wird, schalten die entsprechenden Teilbreiten automatisch ab. (Je nach Einstellung erfolgt dies bei beginnender, bei 50-%-iger oder bei vollständiger Überlappung, wobei die Reaktionszeit der Ventile und der Versatz des Gestänges zur Antenne natürlich berücksichtigt werden.) Beim Verlassen des Schlages bleibt die Spritze natürlich aus, wenn bei der ersten Umrundung Schlaggrenzen definiert wurden, oder diese von früheren Behandlungen vom USB-Stick gelesen werden konnten. Desgleichen kann man in der neuen Version auch mehrere "No-Spray-Zones" durch einfaches Umrunden definieren.
Mit den Armaturen-spezischen Adaptern ist dies auch mit einigen Armaturen von Fremdfabrikaten (hier: ARAG Bravo 180) möglich. Diese berechnet die Ausbringmengen und behandelten Flächen so, als ob die Teilbreiten an der Armatur von Hand ein- und ausgeschaltet würden, obwohl bei aktivierter Automatik alle Teilbreitenschalter auf 0 bleiben und nur der Hauptschalter eingeschaltet zu lassen ist.
Wo Licht ist, ist leider auch Schatten.
- 1. Einige der genannten Entwicklungen wurden erst vor Kurzem veröffentlicht, sodass ausführliche schriftliche Unterlagen in deutscher Sprache bislang noch nicht erhältlich sind. Dieses Manko wird aber sicherlich in Kürze behoben werden, nachdem die englische Dokumentation mittlerweile auf der Webseite zu finden ist.
- 2. Bei eingeschalteter Teilbreitenautomatik sind die Teilbreiten an der Armatur ausgeschaltet zu lassen. Wenn man diese zusätzlich manuell einschaltet, werden sie von der Automatik auch bei einer Überlappung oder außerhalb der Schlaggrenzen nicht abgeschaltet. Während mir im praktischen Einsatz noch keine Situation aufgefallen ist, in der mir eine bewusste Doppelbehandlung sinnvoll erschien, gibt es immer wieder Situationen, in denen man einzelne Teilbreiten abschalten muss. Sei es bei der nesterweisen Behandlung Spätverunkrautung oder Zwiewuchs, oder aber auch, weil in der Nähe einer Hecke, auf einer vernässten Teilfläche oder an einem im Grundstück liegenden Wasserschacht gar keine Behandlung möglich bzw. zulässig ist. Um einzelne Teilbreiten abschalten zu können, muss aber die gesamte Automatik abgeschaltet werden. Dann zeichnet das System die Behandlung zwar noch auf. Eine Abschaltung bei Überlappungen oder außerhalb der im System gespeicherten Behandlungsgrenzen erfolgt dann aber nicht mehr.
Nach meiner Auffassung wäre es wesentlich sinnvoller, die Automatik könnte die manuell vorgewählten Teilbreiten steuern, manuell abgeschaltete Teilbreiten sollten aber unter allen Umständen ausgeschaltet bleiben.
- 3. Der Spurführungsmodus "letzte Spur" funktioniert nur einwandfrei, solange man näher an der aktuellen Referenzspur ist als an allen anderen bereits gefahrenen Spuren. Bei Restflächen, die schmäler als eine volle Arbeitsbreite sind, oder in der Nähe der Vorgewende wird immer die nähste, und damit regelmäßig die falsche Spur als Referenz herangezogen. Folglich kann man sich hier nur an der verhältnismäßig kleinen Darstellung des Arbeitsgerätes und der bereits behandelten Flächen im Display orientieren.
- 4. Ein "Auftrag" kann zwar mehrere "No-Spray-Zones", also Grenzen von Teilflächen ohne Behandlung enthalten. Generell kann aber immer nur die Außengrenze eines einzelnen Schlages in einem Auftrag gespeichert werden. Dies mag in den neuen Bundesländern, Brasilien oder den USA sinnvoll sein, wo man für einen Schlag regelmäßig mehrere Spritzenfüllungen benötigt. Bei Schlaggrößen von durchschnittlich weniger als 2 ha, mit Einzelschlägen bis herunter zu 12 Ar ginge die Übersicht aber sehr schnell verloren, wollte man für jeden Schlag einen eigenen Auftrag zu definieren.
Generell kann man zwar die Behandlung mehrerer Schläge gemeinsam im selben Auftrag aufzeichnen lassen. Die vorher aufgezeichneten Schlaggrenzen müssen dann aber vor dem Beginn eines jeden neuen Schlages wieder gelöscht werden, da sonst die Teilbreitenautomatik die Spritze ausgeschaltet ließe. Für eine Weiterverarbeitung am PC oder eine Verwendung bei künftigen Behandlungen stehen diese gelöschten Grenzen der vorangegangenen Schläge desselben Auftrags also dann nicht mehr zur Verfügung
- 5. Das System kann nicht zwischen Vor- und Rückwärtsfahrt unterscheiden. Während des Rückwärtsrangierens wird das Arbeitsgerät folglich am falschen Ende des Schleppers vermutet.
Wenn die genannten Probleme im Rahmen der Weiterentwicklung der Firmware noch abgestellt würden, könnte ich das System vollstens empfehlen. Da dies vom Hersteller bisher aber nicht zugesagt wurde, kann ich nur hoffen, dass möglichst viele Interessenten vor dem Kauf über diese Problempunkte mit dem Vertrieb diskutieren, und dass dieser es vor allem auch dem Hersteller mitteilt, wenn die Wahl wegen solcher leicht behebbarer Mängel auf Geräte anderer Anbieter fallen sollte.
Herzliche Grüße,
Wein-Franke
