Wenn die rheinland-pfälzische Landwirtschaftsministerin Ulrike Höfken im Hinblick auf den Fund von Schimmelpilzgift im Futtermais sagt: „Eine Gefahr für die Verbraucher bestehe nicht, gleichwohl seien Kontaminierungen und Täuschungen von Verbrauchern nicht hinnehmbar.“ und „die Skandale seien Folge der Industrialisierung der Landwirtschaft und des Kostendrucks bei Milchviehbetrieben“, so ist das die übliche Unkenntnis von denen, die bequemes dogmatisches Denken der Faktensuche vorziehen, siehe: http://www.allgemeine-zeitung.de/nachri ... 883819.htm
Vor der Industriealisierung der Landwirtschaft hat es demnach kein schimmeliges Getreide gegeben? Das Gegenteil ist richtig. Noch zu keiner Zeit in der Geschichte gab es so wenig pilzbelastetes Getreide wie heute, mit der hohen Schlagkraft der Mähdrescher und den großen Trocknungsmöglichkeiten. Ein Getreide ohne Schimmelpilzgifte gibt es nicht. Das könnte man im keimfreien Gewächshaus ziehen, aber nicht unter freiem Himmel. Der Schimmel ist überall und wartet auf günstige Bedingungen. Das ist normal. Es kommt immer auf die Befallshöhe an. Daraus jetzt etwas ministeriell „nicht „Hinnehmbares“ zu machen ist so lächerlich, wie es ein Gesetzt wäre, das den Schimmelpilzen verbietet, sich auf Nahrungsmitteln anzusiedeln.
Der Präsident des BfR (Bundesinstitut für Risikobewertung), Andreas Hensel, wird überhört wenn er zum aktuellen Geschehen um Milch und Futtermittel mehr als deutlich sagt: „Das, was wir derzeit erleben, ist kein Skandal. Noch nicht einmal ein Krisenfall, sondern ein Routinefall. Schimmelgifte auf Getreide sind normal. Das liegt an Lagerungs- oder klimatischen Bedingungen. Der Bürger sollte sich zudem klarmachen, dass die Welt voll ist von Mikroorganismen. Es gibt keine keimfreie Nahrung. Entscheidend ist, in welcher Konzentration die Gifte auftreten.“, siehe: http://www.wz-newsline.de/home/politik/ ... -1.1254035 und weiters in einem anderen Interview: „Es gibt keine Futtermittel ohne Schimmelpilze und deren Gifte. Diese Pilze wachsen überall. Im Heu, auf Getreide, auf Nüssen. Auch im heimischen Kühlschrank gedeihen sie. Entscheidend ist, wie sehr die Futtermittel mit dem Gift Aflatoxin belastet sind.“ Siehe: http://www.maerkischeallgemeine.de/cms/ ... -fuer.html
Wenn die „Warnwerte“ („Grenzwerte“) für Aflatoxin irgendwas mit Gesundheitsgefahren zu tun hätten, dürften wir keine Nüsse essen, denn da sind viel höhere Werte erlaubt, sonst gäbe es keine Nüsse. Der Höchstgehalt für Aflatoxin B1 - die bei weitem giftigste Verbindung - beträgt für Mandeln, Pistazien und Aprikosenkerne 8,0 µg/kg sowie für Haselnüsse und Paranüsse 5,0 µg/kg. Der maximal zulässige Gesamtaflatoxingehalt ist für Mandeln, Pistazien, Aprikosenkerne, Haselnüsse und Paranüsse auf 10,0 µg/kg festgesetzt. Für Erdnüsse und andere Schalenfrüchte bzw. andere Ölsaaten liegen die Höchstgehalte bei 2,0 µg/kg für Aflatoxin B1 und 4,0 µg/kg für die Summe der Aflatoxine. Bei Getreide liegt der Grenzwert bei 2 µg/kg und bei Milch bei 0,05 µg/kg , alle Grenzwerte siehe Anhang an: http://eur-lex.europa.eu/LexUriServ/Lex ... 012:DE:PDF . Es ist bisher nur eine Milchprobe gefunden wurden, die über den Grenzwert, was als „technischer Warnwert“ zu verstehen ist, nicht als Gesundheitsgefahr, liegt (0,052 µg/kg ) – eben die, die den ganzen Wirbel ausgelöst hat, alle anderen getesteten 800 Proben sind einwandfrei, siehe http://www.op-marburg.de/Nachrichten/Pa ... er-Skandal .
Mais wird gerne schimmlig, weil er sehr spät reif wird und manchmal lange unreif im nassen Herbst rumsteht, rumstehen muß, schließlich kann man nicht bei jedem Wetter auf ein Feld. Darum ist dem Mais sogar ein etwas höherer Grenzwert gegönnt. Darum vermutet man in Cornflakes (werden aus Mais – Körnermais- gemacht) eher höhere Schimmelpilzgiftkonzentrationen als in anderen Müslis, siehe z.B. http://www.cvua-sigmaringen.de/Labor/My ... zgifte.htm . Da der Mais für die Cornflakes aber fast immer Importmais aus heißeren Regionen ist, ist er kaum höher als anderes Müsli belastet.
Es hat in den letzten Jahren immer wieder Grenzwertüberschreitung bei Schimmelpilzgiften gegeben, z.B. bei Bio-Buchweizen und Bio-Nudeln – und die werden gegessen – und es ist kaum was passiert, siehe: http://www.ages.at/ages/ernaehrungssich ... a-neuform/ und http://www.test.de/presse/pressemitteil ... 4219097-0/ und http://www.schrotundkorn.de/2001/sk0109l3.htm und http://ooe.gruene.at/konsumentinnenschu ... sen/74587/
Nun wird auch wieder so getan, als ob da der Staat was aufgedeckt hätte. Das war eine Eigenkontrolle einer Molkerei, die dann über die Rückverfolgung der Futtermittel zu der Einzelkomponente führte. Klappt doch! Wenn man so was untersucht, so wird man in alle Ewigkeit auch immer wieder was finden, da kann Landwirtschaftminister sein wer will. Es ist eine völlig normaler Vorgang der da abläuft, hat keinerlei Gesundheitsgefährdung. Wenn man das nicht will, dass so was aufkommt, muß man das wie früher machen: nicht untersuchen. Dafür sind ja die Untersuchungen da, dafür gibt es ja die extrem niedrigen „Warnwerte“, dafür gibt es die teuren Labore, dass etwas, was sein kann, frühzeitig gestoppt wird, bevor es evtl. einen Schaden macht. Das ist Verbraucherschutz in der Praxis und eben kein Skandal. Wer hier noch mehr will, führt was anderes im Schild.
Es wird ja fast eine Pogromstimmung herbeigeschrieben, eine Panik bei den Kunden erzeugt, die mit diesen Werten nicht umgehen können. Den Gipfel der Hysterie erklimmt wieder mal das ZDF, das am 1.3. und der Nachrichtensendung „heute“ folgende Falschmeldung ansagt: „Die Proben der Milch – teils erschreckend! Der zulässige Grenzwert wurde in Rohmilch in einem Fall um das 30-fache überschritten.“ - http://www.heute.de/Futtermittel-die-Sc ... 58660.html . Der Skandal ist der Skandal - wie schamlos er benutzt wird - welche inkompetente Leute heute vor die Presse gehen – es kommt anscheinend nur noch auf die große Klappe und die Medienwirksamkeit bei den Stellenbesetzungen an - und wie unkritisch die Medien jeden Unsinn glauben. Es gibt Leute, die wollen niedrige Grenzwerte nur deswegen, weil es dann öfter für sie nützliche Skandale zu erzeugen gibt. Nur gut, dass wir in einem Land leben, wo man auch andere Meinung sagen kann und die Sache etwas anderes beleuchten darf.

