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Strategie gegen Drahtwurm?

Hier ist Platz für alles was auf dem Acker wächst ;-).
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Strategie gegen Drahtwurm?

Beitragvon Bernhard B. » Mo Apr 29, 2024 11:21

Hallo,

ich habe auf einem Feld seit paar Jahren immer wieder massive Drahtwurmprobleme. Dieses Jahr wieder sehr stark.

Das erste Mal 2020 in Mais aufgetreten. Im Folgejahr Sommergerste wieder starker Befall. Da konnte ich noch mit Kalkstickstoff Schadensbegrenzung betreiben. 2022 war dann Roggen als GPS, kein Befall (Wintergetreide soll ja bisschen resistenter gegen Drahtwurm sein). Letztes Jahr Sommergerste und Hafer, da war stellenweise Ausfall durch Drahtwurm. Dieses Jahr steht Wintergerste und seit gut zwei Wochen nehmen die Schadstellen massiv zu. Aktuell ist die halbe Fläche "Schrott".

Bodenart ist sandiger Lehm. Fläche befindet sich in der Schutzzone II im Wasserschutzgebiet. Massive Trockenheit in den vergangenen Jahren. Kein Wiesenumbruch, Fläche wird schon immer als Acker genutzt.

Ich arbeite pfluglos. Stroh wird in der Regel abgefahren. Aufgrund pfluglos und Wasserschutzgebiet ganzjährige Begrünung, dh Bedeckung durch Zwischenfruchtanbau oder Winterkultur.

Die offizielle Empfehlung von LKP lautet ja, den Boden zu tote bearbeiten. Klar dann hält sich auch kein Drahtwurm mehr. Kalkstickstoff ist offiziell als "Herbizid" nicht mehr zugelassen. Welche Bekämpfungsstrategie könnt ihr mir empfehlen?

Welche Maßnahme oder Folgekultur würdet ihr für dieses Jahr auf der Fläche mit Wintergerste empfehlen? Die Gerste hab ich schon aufgegeben. Überlege Hafer in den Bestand zu säen, und die Mischkultur als GPS zu ernten.
Für jedes Problem gibt´s auch die passende Lösung - man muß sie nur finden!
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Bernhard B.
 
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Re: Strategie gegen Drahtwurm?

Beitragvon langholzbauer » Mo Apr 29, 2024 11:55

Zu erst würde ich Kalkstickstoff "als Dünger" nicht unter 200kg/ha einsetzen, solange das noch legal möglich ist.
Wenn man die insektizide und herbizide Wirkung bei gut terminiertem Einsatz mit einrechnet, ist das gar nicht mehr so teuer, wie oft geunkt wird.
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Re: Strategie gegen Drahtwurm?

Beitragvon JulianL » Mo Apr 29, 2024 12:39

Gegen den Drahtwurm hilft vieles irgendwie, aber nichts richtig.

Ich hatte noch nie so starken Befall, dass ich im Getreide Probleme hatte, nur in den Kartoffeln schon des öfteren.

Bei mir wird in den Kartoffeln häufiger geeggt, grundsätzlich vorher gefräst, 500kg/ha Kalkstickstoff gestreut und inzwischen baue ich auch noch Tagetes/Ringelblumen im Gemisch als Zwischenfrucht an. Deren Wurzeln sollen nämlich giftig sein für den Drahtwurm.
Die letzten Jahre hatte ich eher weniger Probleme. Aber die Drahtwurmpopulationen treten eh irgendwie immer in Wellen auf.

Vor der Getreidesaat egge ich nach dem Pflug oft auch noch mehr als einmal. Genauso im Frühjahr je nach Kultur. Die Fräse will ich dem Acker nicht öfter wie alle 4 Jahre zumuten, die Kultiegge ist bei mir meist das Werkzeug. Es geht auch nicht darum den Boden "zu zerstören" sondern darum immer viel Luft in den Boden zu bekommen und diesen öfter mal zu durchmischen, das mag der Schnellkäfer nicht bei der Eiablage. Verdichtete und möglichst unberührte Böden mag er dagegen.
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Re: Strategie gegen Drahtwurm?

Beitragvon Bernhard B. » Di Apr 30, 2024 7:48

JulianL hat geschrieben:
Bei mir wird in den Kartoffeln häufiger geeggt, grundsätzlich vorher gefräst, 500kg/ha Kalkstickstoff gestreut und inzwischen baue ich auch noch Tagetes/Ringelblumen im Gemisch als Zwischenfrucht an. Deren Wurzeln sollen nämlich giftig sein für den Drahtwurm.


Das mit der Zwischenfrucht klingt interessant. Gibt es diese Mischung fertig zu kaufen? Wie teuer ist das Saatgut pro Hektar? Saatstärke?
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Re: Strategie gegen Drahtwurm?

Beitragvon Bernhard B. » Di Apr 30, 2024 7:51

Aktuell wurde mir folgende Zwischenfruchtstrategie empfohlen:

Als Zwischenfrucht Senf säen und diesen tief einpflügen, wenn er blüht. Im Boden entwickelt sich wohl dann Senfgas, und das mag der Drahtwurm auch nicht.

Für Maisanbau gibt es wohl die Möglichkeit, dass Saatgut mit Eukalyptus Konzentrat zu "beizen". Soll auch ziemlich erfolgreich sein.

Ansonsten sollte man bei der Mineraldüngung oder Kalkung auf Selen achten.
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Re: Strategie gegen Drahtwurm?

Beitragvon mf13597 » Di Apr 30, 2024 14:31

Ich habe sehr gute Erfahrungen mit Senf oder Ölrettich als Zwischenfrucht. Die scharfen Senföle mag der Drahtwurm wohl nicht, und zusätzlich hast du eine tiefe Bodenlockerung. Auch der Kostenfaktor ist pro ha bei den beiden gering.
Ich hatte Bedenken, aber konnte im zweiten und dritten Jahr nach Grünlandumbruch problemlos Kartoffeln bauen

Wenn du allerdings Raps oder andere Kreuzblütler in der Fruchtfolge hast, würde ich davon Abstand nehmen - Stichwort Kohlhernie
Ehre die Scholle die dich ernährt!
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Re: Strategie gegen Drahtwurm?

Beitragvon JulianL » Di Apr 30, 2024 16:07

Das Saatgut für Ringelblumen und insbesondere Tagetes ist nicht so leicht zu bekommen. Bzw. ich habe niemanden gefunden der mir das in Reinsaat verkaufen konnte, deshalb bestelle ich beides Online. Wer da was weiß wo man das gut bekommt, ich bin für Tipps dankbar. Ich glaube das ist nicht unbedingt die Landwirtschaftliche Kultur, eher ein Gärtnertipp wenn man so will.

Für die Ringelblumen habe ich dieses Jahr die Seite Fairsaat aus Österreich entdeckt. Da gibt es das in 10kg Säcken relativ günstig. Für die Tagetes weiß ich die Seite grad nicht, aber größere Gebinde als 1kg habe ich da nirgends gefunden. Es gibt dort 2 verschiedene Sorten bzw. Mischungen und ich mache das so dass ich von diesen je einen Beutel, also 2kg mit den 10kg Ringelblumen Mische.

Für Tagetes in Reinsaat muss man wissen, dass diese wohl das übelste zum säen sind was es gibt. :lol:
Das ist schlimmer als Gras, weil es in der Sämaschine nicht nachrutscht. Hat ein extrem niedriges TKG und rieselt überhaupt nicht. Kann man sich vorstellen wie wenn man Feuchtkalk mit dem normalen Düngerstreuer streuen will.
Daher Mische ich großzügig mit Ringelblumen um die Brückenbildung im Saatkasten zu verringern. Mit dieser 2kg/10kg Mischung habe ich keine Probleme gehabt.

Wie alle Feinsämereien gilt natürlich flach säen und es ist ein bisschen Glück dabei. Wärme ist auf jeden Fall nötig. Beides braucht nämlich wirklich sommerliche Temperaturen und 2-3 Wochen bis überhaupt was wächst, was natürlich auch einen gewissen Unkrautdruck wieder mit sich bringt.

Letztes Jahr dachte ich zuerst da kommt nichts mehr. Aber nach fast nem Monat kam dann doch noch was und das hat sich noch zu nem ordentlichen Bestand und einem waren Blüten/Duft und Bienenparadies entwickelt.

Man braucht also ausreichend Vegetationsdauer für so eine Mischung. Dann können die Tagetes auch richtig Masse bilden und unterdrücken dann auch tatsächlich das Unkraut. Ich habe letztes Jahr im Mai gesät und erst im Oktober gemulcht. Die Blütezeit geht über etliche Wochen, ist wirklich ein schöner Anblick. Nach z. B. Wintergerste geht's vielleicht auch noch. Aber als Herbst Zwischenfrucht taugen die Blumen glaub eher weniger.

Ich säe 10kg/ha. Ist für Ringelblumen und Tagetes auch so empfohlen. Mit Tagetes landet man da bei teuren 300-400€/ha, Ringelblumen irgendwo bei über 100€/ha.
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Re: Strategie gegen Drahtwurm?

Beitragvon Lorch » Di Apr 30, 2024 19:02

Hallo JulianL,
dass Drahtwurm verdichtete Böden mag, ist mir neu. Wenn ich einen vom Drahtwurm geschädigten W.Weizen habe, dann steht er auf dem Vorgewende meist am schönsten, weil da der Boden dicht ist. Deshalb walze ich auf so einer Fläche mit halb gefüllter Wiesenwalze. Im verdichteten Boden kann er sich nicht so Fortbewegen, ist eine Erklärung.

Gruß
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Re: Strategie gegen Drahtwurm?

Beitragvon JulianL » Di Apr 30, 2024 19:50

Das kann man eigentlich überall nachlesen. Für die Eiablage und Entwicklung braucht der Käfer feuchten Boden. Bei Trockenheit vertrocknen die Eier. Das ist auch das was man mit der Bodenbearbeitung erreichen will. Eier an die Oberfläche holen und den Oberboden austrocknen.
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Re: Strategie gegen Drahtwurm?

Beitragvon Lorch » Mi Mai 01, 2024 6:31

Für die Drahtwurmeier mag das richtig sein, aber Schaden macht der schon geschlüpfte Drahtwurm.
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Re: Strategie gegen Drahtwurm?

Beitragvon JulianL » Mi Mai 01, 2024 7:22

Ja nur schlüpft der Wurm nunmal aus dem Ei. Man muss die Bedingungen für den Schädling einfach in möglichst vielerlei Hinsicht schlecht machen um ihn auf lange Zeit zu vertreiben. Ein akut schnell wirkendes Mittel gegen den Drahtwurm gibt es sowieso nicht. Man kann nur möglichst viel probieren um so die Population mittelfristig einzudämmen.
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Re: Strategie gegen Drahtwurm?

Beitragvon AEgro » Mi Mai 01, 2024 21:44

Wen`s interessiert.
Seit letztem Jahr gibts wieder ein Insektizid gegen Drahtwurm - in Mais und Kartoffeln.
Karate 0.4 GR muss als Granulat mit speziellen Geräten in die Saatfurche dosiert werden.

https://www.syngenta.de/produkte/karate-04-gr
Gruß AEgro
Es gibt Tage, da komm ich einfach mit dem Kopfschütteln nicht hinterher !
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