Lieber Bauer Willi,
Heute habe ich dermaßen die Schnauze voll. Habe heute Morgen die Tageszeitung gelesen:
Pestizid-Spuren in Muttermilch gefunden, so die Überschrift.
„Danach wurde in einer Stichprobe von stillenden Frauen das Pflanzschutzmittel Glyphosat gefunden-eine höhere Konzentration als in Trinkwasser zulässig. Dieses Mittel kommt seit 1974 vor allem bei der Unkrautbekämpfung zum Einsatz und wird bei der Reifung von Getreide und Raps verwendet. Ob Glyphosat krebserregend ist, ist bisher nicht geklärt, obwohl die Welthandelsorganisation WHO im März dieses Jahres das besagte Mittel bereits als „wahrscheinlich krebserregend“ einstufte.“ Alles nachzulesen in der Braunschweiger Zeitung vom Heutigen 27.06.15 auf Seite 5. Und verwendest Du Glyphosat? Du hast geschrieben, dass Du Kinder hast. Hättest Du gewollt, dass Glyphosat durch das Blut Deiner Frau und Deines Ungeborenen fließt?
Mit der Lebensmittel verarbeitenden Industrie seid Ihr es, ja, genau IHR, die dafür verantwortlich sind, dass wir uns täglich immer mehr vergiften: Lebensmittelallergien, und -unverträglichkeiten, Antibiotikaresistenzen, Pestizide in unserer Muttermilch und weitere durch Eure Nahrungsmittel verursachten Schäden an unserer Körpern und in unseren Nervensystemen.
Lieber Bauer Willi,
In Deinem Artikel vom 19.01.15 beschwerst Du Dich darüber, dass wir uns über die chemische Düngung auf Deinen Feldern beschweren. Deutschland hat in Europa die höchste Nitratbelastung in den Böden und im Grundwasser vorzuweisen. Hauptverantwortlich dafür seid Ihr Landwirte. Und warum? Richtig: wegen ÜBERdüngung! Aber Ihr seid da ja beratungsresistent und wehrt Euch gegen strengere Regeln. Na wenigstens habt Ihr ne starke Lobby. Anders ist es auch nicht zu erklären, dass es nach wie vor einen regelmäßigen Überfluss von Butter und Milch gibt, wovon letztes dann mal gerne in Hunderttausenden von Litern einfach so weggeschüttet wird, um einen konstanten Preis im Supermarkt zu halten.
Macht schon Sinn …Da Du, lieber Bauer Willi als Unternehmer mit „Gewinnen“, „Erträgen“ und „Erlösen“ hantierst, probier’s an dieser Stelle doch einfach mal mit „Überangebot“ bzw. einen ausgewiesenen „Mangel an Nachfrage“ …
Lieber Bauer Willi,
IHR, ja, immer noch IHR, seid es, die frisch geschlüpfte Küken schreddern (in Deutschland jährlich mehr als 50 Millionen), weil sie ein für Euch unbrauchbares Geschlecht haben.
Während dieser Zeit pumpt ihr die Tiere mit Mastfutter zu, bis sie allein von der Stange fallen oder sich kaum noch bewegen können. Ist praktisch: Denn ob im Dunklen, in ihren Fäkalien, ob blutend, halb totgetreten oder bereits verendet. In Euren Ställen ist kein Platz für eine natürliche Lebensumgebung.
Auch die Zudröhnung mit Antibiotika darf nicht fehlen. Genau mit diesem Antibiotika, dass wir beim späteren Verzehr ahnungslos zu uns nehmen, da dies merkwürdigerweise nicht hinten auf der Packung steht. Aber macht ja auch nix. Die ein oder andere Antibiotikaresistenz verträgt man schon …bis irgendwann nicht mehr…
Lieber Bauer Willi,
Du beschwerst Dich über uns ahnungslose Kunden, die nur billig wollen und keine Qualität.
Du solltest froh sein. Sehr froh sogar über Deine jetzige Situation.
Wenn es nach mir ginge, dürftest Du Deine lebensverachtende Massentierhaltung nämlich einstampfen. Und zwar lieber heute als morgen. Auch müsstest Du den Tieren eine angemessene Lebensdauer zugutekommen lassen, bevor Du sie schlachten darfst.
Und parallel dazu, lieber Bauer Willi, würde ich Dir Kontrollen zur Überprüfung der Einhaltung auferlegen, sodass Dir in regelmäßigen Abständen mal jemand auf die Finger klopft. Das muss sein, weil ich kein Vertrauen mehr in Dich haben.
Auch müsstest Du auf jeder Packung Fleisch schreiben, wie Dein Tier gezüchtet und mit welchen Medikamenten vollgepumpt wurde. Dasselbe gilt für Dein Obst und Gemüse im Hinblick auf Deine Pestizid-Kanone.
Letztendlich solltest Du froh sein, dass Dir die noch so „klugen Politiker“ bzw. „schlauen Journalisten“ oder irgendein „ahnungsloser Verwaltungsfuzzi“ nicht die Daumenschrauben anziehen. Denn darauf kannst Du Dich verlassen: Ich würde es. Sofort.
Von mir aus darf jeder Landwirt werden. Aber nicht jeder Landwirt bleiben. Für mich hast Du bei wiederholtem Verstoß, ob fahrlässig oder gar vorsätzlich gegen das Leben von Mensch und Tier Deinen Hof zu räumen. Weil Du mit Deiner Arbeit eine Gefahr für die Gesellschaft bist. Darauf darfst Du diesmal Gift nehmen!
Also, lieber Bauer Willi, sei froh über die Politiker, Journalisten, Verwaltungsfuzzis, sei froh, dass Dein Berufsstand einer starken Lobby angehört, und sei froh, dass der Verbraucherschutz in Deutschland kleingeschrieben wird!
Das musste jetzt einfach mal gesagt werden.
Euer Verbraucher Christian



