Hallo
in den Medien hört sich das so einfach an. Frau Schawan hat nicht richtig zitiert, hat fremde Gedanken nicht als fremde Gedanken angegeben und deshalb wird ihre Promotion ihr nachträglich aberkannt.
Nun gibt es durchaus Qualitätsunterschiede bei Promotionsarbeiten: Summa cum laude, cum laude, rite
Eine rite-Arbeit ist so bewertet worden, dass man einige, teilweise gravierende Fehler, Ungenauigkeiten oder eine eher schwache Bearbeitung des Themas festgestellt hat, aber man doch im Promotionsausschuß und in den Gutachten (eines durch den Betreuer und eines durch einen zweiten habilitierten Hochschullehrer) zu Ergebnis kam, dass die Arbeit ausreichend ist. Und in jeder Arbeit schleichen sich falsch zugeordnete Zitate ein oder es wird die eine oder andere Formulierung aus einer schon publizierten Arbeit übernommen, ohne dass diese als Zitat gekennzeichnet ist. Bei einer Arbeit von über 200 oder 300 Seiten mit bis zu 20 Zitaten pro Seite ist das nicht verwunderlich. In den meisten Promotionsarbeiten finden sich Literaturlisten mit mehreren hundert Angaben.
Andererseits gibt es gerade im medizinischen Bereich Promotionsarbeiten, wo man sich fragt, wie das mit der Promotion zugegangen ist: "Heilungsverlauf von Oberarmbrüchen. Fallstudie bezüglich des Jahres 19xx am Kreiskrankenhaus XYZ". 50 Seiten. 5 Seiten Einleitung, 5 Seiten Material und Methoden, 10 Seiten Ergebnisse mit statistischer Auswertung ohne Signifikanzberechnung, 20 Seiten Diskussion, 1 Seite Zusammenfassung, 9 Seiten Literaturangaben.
Dies nur zur qualitativen Streubreite von Promotionsarbeiten.
Leider wird in der Diskussion ausschließlich auf die Formalien, wie korrektes Zitieren, Plagiate abgehoben. Dies ist zwar ein wesentlicher Bestandteil einer Promotionsarbeit, aber viel wichtiger ist der Inhalt der Arbeit. Und diese Bewertung ist extrem willkürlich, bzw. subjektiv.
Und dann gibt es die Promotionen von Leuten, besonders im naturwissenschaftliche Bereich, wo die Promotion für 5 oder mehr Jahre Sklavenarbeit beim Prof vergeben wird. Slavenarbeit mit einer drittel DFG-Stelle (knapp über Harz IV), 14 Stunden Arbeitstag, kein Wochenende, Seminare für den Prof. abhalten, während der sich im Lichte wissenschaftlichen Elite während Vorträgen auf Kongressen, oder als Moderator eines wissenschaftliche Workshops sonnt, ein Lehrbuch in seinem Domizil an der Cote d´Azur schreibt und bei allen Publikationen aus seinem Lehrstuhl an erster Stelle genannt wird. Der Assi darf als Belohnung vielleicht zur deutschen Jahrestagung der deutschen Gesellschaft für xy in Bad Münstereifel auf eigene Kosten mitfahren und in der Posterausstellung die aktuellen Ergebnisse präsentieren. (auf dem Poster steht natürlich als Erstautor wieder der Lehrstuhlinhaber und derjenige, der die experimentelle Arbeit als wissenschaftliche Hilfskraft gemacht hat, ist als Neger ganz klein erwähnt). Wenn im Lehrbuch dann noch eine Danksagung an Frau Zett steht, ist klar, dass diese das Buch ausgearbeitet hat.
Und für all die Sklavendienste winkt am Ende die Promotion, mit der die Fähigkeit zur wissenschaftlichen Arbeit dokumentiert wird.
Warum tut Mann/Frau sich das an?
Weil z.B. ein Master of Biological Sciences oder ein Arzt ohne Doktor niemals Karriere machen kann. Der Arzt wird nie Oberarzt, geschweige denn Chefarzt (da wird jetzt schon für das Kreiskrankenhaus Hintertupfing der Prof. erwartet), und nach der Niederlassung fragen die Patienten: "Sind sie denn ein richtiger Doktor?)
Darüber hinaus gibt es bei uns eine Inflationierung der Abschlüsse: Jemand mit NUR mittlerer Reife wird offenbar als knapp über grenzdebil angesehen (warum wird für Lehrberufe oft schon Abitur verlangt? Für die Ausbildung zum Alten- oder Krankenpfleger soll das Abitur Pflichtvoraussetzung werden) Der Bacchelor-Abschluß gilt in Geisteswissenschaften gar nichts! So jemand wird mit einem abgebrochenen Studenten von früher gleichgesetzt.
Das ist AUCH ein Grund für das Streben nach einem anerkannten Abschluß mit Promotion!
Zurück zu Frau Schawan: Ich bin mir sicher, dass sie selbst überzeugt ist, eine sehr gute Arbeit geschrieben zu haben, in der sich, wie bei fast allen, eben ein paar Fehler eingeschlichen haben. So gesehen, kann man auch dem Betreuer und dem Zweitgutachter einen Vorwurf machen. Es wurde entweder der "Liebling des Profs" mal so promoviert, das Thema kann zu schwammig gewesen sein (Niemand sucht sich selbst ein Thema! Das vergibt der habilitierte Betreuer je nach seinem Forschungsinteresse, um die Arbeit für eigene Publikationen auszuschlachten), oder die Promotionsstandards waren an der Uni damals eben niedriger. So sehen immer noch die Uni-Profs. auf die FH-Profs. und die dort vergebenen Promotionen herabschätzend nieder. Und es gibt Lehrstühle, wo man eben leicht promovieren kann und solche, wo die Standards so sind, dass man mit einer Promotion von dort, die Chance für eine wissenschaftliche Karriere hat.
Gruß
MwM

