Much - Was für die Siegburger das ECE-Zentrum ist, könnte für die Mucher ein Kuhstall werden. Wird in der Kreisstadt eine massive Ansiedlung von Geschäften befürchtet mit Verdrängung des alteingesessenen Einzelhandels, so haben die Mucher Angst vor einem ungewöhnlich großen Kuhstall, der die Landschaft optisch erschlägt und den alteingesessenen Höfen Nachteile bringt.
Der neue Stall des Landwirts Georg Höller unterhalb des Heckbergs wird mit 140 Metern Länge und 42 Metern Breite etwa so groß wie ein Fußballfeld. Der Bauherr nennt zwei Gründe für seine Planung: Die Tiere haben viel Platz unterm Dach, so wie es auch für „Bioland“-Rinder vorgeschrieben ist, und der Strukturwandel in der Landwirtschaft bedinge eine solche Größe. „Wenn Lebensmittel immer billiger werden, muss ein Betrieb sich zur Erhaltung der Arbeitsökonomie vergrößern“, erklärt Höller. Daher sieht er in Zukunft noch mehr solcher Stallungen entstehen; die Hersteller richteten sich bereits darauf ein.
Der geplante Mutterkuhstall steht am Donnerstag erneut auf der Tagesordnung des Planungsausschusses; entschieden wird wohl nichts. Die Verwaltung jedenfalls rät zu warten, bis ein konkreter Bauantrag vorliegt. Zurückhaltung übt auch der Kreis: Der Bauherr „hat in Vorgesprächen seine Pläne vorgelegt, ein Antrag liegt noch nicht vor“, heißt es dort. Zu diskutieren seien unter anderem mehrere Standorte und die Größe. Dass Höller als Landwirt „privilegiert“ ist und im Außenbereich bauen darf, das betont Muchs Beigeordneter Norbert Büscher bereits heute. Die Kommune könne sich nicht danach richten, ob ein Objekt erwünscht sei oder nicht, es gehe viel mehr um „Recht und Gesetz“.
Höller hält auf seinem mehrere Jahre alten Hof rund 80 Mutterkühe; er produziert ausschließlich für den Fleischmarkt. Die Kälber gehen als Absetzer im Alter von acht Monaten in die Mastbetriebe der Umgebung. Der neue Stall soll ihm ermöglichen, den Bestand auf 200 Mutterkühe aufzustocken. Dass es sich um einen „Riesenstall handelt, ist nicht wegzudiskutieren“, stellt Höller fest. Auch der von ihm beauftragte Gutachter verhehlt die „massiv ins Landschaftsbild eingreifende Baumaßnahme“ nicht. Der Ratschlag der Experten: Man sollte die Bevölkerung über die „Sinnhaftigkeit eines solchen Stallbaus“ informieren.
Doch die Anwohner sind aufgebracht. Sie sprechen bereits vom „Höllodorm“ und einer „Veralberung der Heckhauser Bürger“ durch die Behörden in Much und Siegburg. Die Planung sei nicht nur ein massiver Eingriff in ihre Lebensqualität, sondern auch als „Angriff auf die rechtssaatliche Ordnung“. Es wird vermutet, dass „Klüngel“ im Spiel ist. Beim Bau des Hofs vor acht Jahren sei die Stallhöhe von 10,30 Metern bereits als bedenklich eingestuft worden und habe auf Anforderung der Behörde um fast einen Meter gesenkt werden müssen. Nun seien 16 Meter geplant: eine „rüde Entgleisung in der Behandlung von Natur und Umwelt“ und ein Widerspruch zu den touristischen Zielen der Gemeinde. Die Bürger fordern von der Politik einen Stopp des Bauvorhabens.
Auch in der Bauernschaft rumort es. „Der Seiteneinstieger Höller beansprucht Flächen, die anderen verloren gehen“, so ein Landwirt aus Much. Es wird vermutet, dass die Preise, die Höller zahlen könne, die kleineren, alteingesessenen Betriebe benachteilige, da sie beim Preispoker nicht mithalten könnten. „Da sind Existenzen gefährdet“, drückt der Landwirt die allgemeine Stimmung aus. Georg Höller erklärt dazu, dass er nur an hofnahen Flächen interessiert sei, und er habe durchaus nicht alle Flächen bekommen, an denen er Interesse gezeigt habe. Der Landwirt will den Betrieb von rund 130 auf bis zu 200 Hektar vergröß; die braucht er auch, wenn er mehr Tiere halten will.
