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Meint der BDM das wirklich ernst?

Hier hat alles Platz was mit Agrarpolitik und drumherum zu tun hat.
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18 Beiträge • Seite 1 von 2 • 1, 2
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Meint der BDM das wirklich ernst?

Beitragvon Cairon » Do Jan 15, 2009 13:06

Ich habe heute Morgen im Wirtschaftsteil unserer Tageszeitung gelesen, dass der BDM wieder aktiv wird. Der Präsident des BDM Romuald Schaber fordert von der Politik ein Programm zur Stützung des Milchpreises, der teilweise auf 20 ct abgesunken sein soll. Dafür soll ein Programm her das finanzielle Anreize schaffen soll weniger zu melken. Die Kosten für dieses Programm sollen sich auf bis zu 500 Mio € belaufen.
Sollte die Politik nicht reagieren sollen die Milchbauern wieder streiken, auch wenn die Kartellämter ihre Drohung wahr machen und bei einem erneuten flächendeckend Streiks sofort einschreiten.
Ist das wirklich der Ernst des BDM? Reicht eine blutige Nase aus dem ersten Milchstreik nicht? Ist der Streik nur eine leere Drohung? Oder wie seht ihr das?
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Re: Meint der BDM das wirklich ernst?

Beitragvon automatix » Do Jan 15, 2009 13:41

Cairon hat geschrieben:Ich habe heute Morgen im Wirtschaftsteil unserer Tageszeitung gelesen, dass der BDM wieder aktiv wird. Der Präsident des BDM Romuald Schaber fordert von der Politik ein Programm zur Stützung des Milchpreises, der teilweise auf 20 ct abgesunken sein soll. Dafür soll ein Programm her das finanzielle Anreize schaffen soll weniger zu melken. Die Kosten für dieses Programm sollen sich auf bis zu 500 Mio € belaufen.
Sollte die Politik nicht reagieren sollen die Milchbauern wieder streiken, auch wenn die Kartellämter ihre Drohung wahr machen und bei einem erneuten flächendeckend Streiks sofort einschreiten.
Ist das wirklich der Ernst des BDM? Reicht eine blutige Nase aus dem ersten Milchstreik nicht? Ist der Streik nur eine leere Drohung? Oder wie seht ihr das?


ich kann den bdm einerseits verstehen, daß er von der politik auch mal was für die milchbauern erwartet und nicht ständig von denen in den rücken gestochen werden will (wie z.b. jüngst mit der quotenerhöhung für italien), aber im grundprinzip sind die forderungen blödsinn und die leute lachen den nur aus.
Wenn die Milchbauern selber nicht kapieren, daß sie den Rohstoff verknappen müssen, dann kann da auch der Staat nicht viel machen.

Und ich denk nicht, daß da nochmal ein Streik zusammengeht, denn mittlerweile fehlt einfach auch die solidarität und das verständniss für die milchbauern und deren ständiges gejammere
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Re: Meint der BDM das wirklich ernst?

Beitragvon H.B. » Do Jan 15, 2009 13:54

Cairon hat geschrieben:Ist das wirklich der Ernst des BDM? Reicht eine blutige Nase aus dem ersten Milchstreik nicht? Ist der Streik nur eine leere Drohung?


Ja, Nein, Nein - Die sind so blöd, wie sie aussehen.... :roll:

automatix, überzeug mal den Inder, den Neuseeländer, den Ami und den Chinesen, er solle gefälligst seine Menge anpassen. Vielmehr warten die, bis sich in Europa endlich die schon lange erwartete Lücke auftut. Der BDM würde sie denen mit Freude vorbereiten, ließe man ihm freie Hand. Gottseidank ist es der Politik noch gelungen, sie rechtzeitig zu durchschauen. Bis auf den Seehofer haben das alle kapiert, aber der muß ja auch keine besonderen Anforderungen erfüllen....
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Beitragvon JueLue » Do Jan 15, 2009 14:33

Als nicht - Milchviehhalter habe ich natürlich leicht reden, aber ich wundere mich schon, dass das Wort Lieferstreik wirklich wieder in den Mund genommen wird.

Ich dachte alle wären heil froh gewesen, dass sieh beim letzten Streik ohne großen Gesichtsverlust aus der Sache herausgekommen sind. Hätten die Einkäufer des Einzelhandels nicht (wenn auch nur für kurze Zeit) eingelenkt, wäre der Streik doch wenige Tage später in sich zusammengebrochen, da viele nicht mehr in der Lage oder Willens gewesen wären, weiter durchzuhalten. Das wäre dann wohl die größtmögliche Blamage für den BDM gewesen.

Ich denke inzwischen, der Markt wird sich auf jeden Fall durchsetzen, und genauso wie im Schweinebereich gibt es Betriebe, die zu den gezahlten Preisen produzieren können. Ein einheitlich hoher Milchpreis würde doch wohl dazu führen, dass die großen, effektiv wirtschaftenden Betriebe binnen kurzem zu Millionären würden. Wenn man nur die Betriebe ohne Mitarbeiter betrachtet, so gibt es doch Strukturen von 30-Kuh-Betrieben bis 150-Kuh-Betrieben. Wie soll man die alle über einen einheitlichen Preis "gerecht" bezahlen, was ist da gerecht?

So schmerzhaft es für viele ist: Die überlebende Milchviehhaltung wird sich in zwei Gruppen aufteilen. Die einen können zu den Marktpreisen produzieren und lernen mit Preisschwankungen zu leben, wie alle Schweine- und Ackerbauern auch, und die anderen müssen Geld aus anderen Töpfen bekommen, wenn die Gesellschaft und Politik der Meinung ist, Rindviehhaltung in kleinen Strukturen sollte in Grünlandregionen wie Saurerland und Teilen von Bayern usw. erhalten bleiben (ürbrigens meine Meinung).

Ich bin auch immer ein Verfechter der Strategie gewesen, das Einkommen über den Marktpreis zu erzielen, es stimmt auch, dass es dem Verbraucher nicht alzu weh tun würde, etwas mehr zu zahlen, es ist auch pervers, dass Mineralwasser z.T. teurer ist als Milch, aber alles nützt nicht, man kann bei moderner Technik eben Milch zu Preisen produzieren, bei denen ein 30-Kuh Betrieb keine Zukunft hat. Und wir leben in einer Markwirtschaft und also wir der 30-Kuh-Betrieb wenn er sein Einkommen auf dem freien Markt erwirtschaften will keine Zukunft haben, sondern nur dann, wenn er Geld für "Nebenleistungen" wie Landschaftserhalt aus anderen Töpfen bekommt.

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Beitragvon Cairon » Do Jan 15, 2009 19:39

Ich bin ja auch kein Milchviehhalter, aber wenn ich auf der letzten Versammlung unserer Buchstelle gesehen haben, was die Milchbauern hier im letzten Wirtschaftjahr verdient haben, da bin ich als Schweine und Ackerbauer bei weitem nicht heran gekommen. In den Zeiten als die Milch 43 ct je Liter gekostet hat haben die Milchbauern hier richtig Geld gescheffelt und investiert auf Teufel komm raus. Auf der Versammlung wurde auch gesagt, dass viele Milchviehhalter bei der ganzen Investiererei leider vergessen haben, dass sie auf Grund der hohen Gewinne auch hohe Steuervorauszahlungen leisten müssen und erst einmal Geld von der Bank brauchten um das Finanzamt zufrieden stellen zu können. Nicht weit von hier geht gerade ein Betrieb mit einem neuen Stall für 800 Kühe in Produktion und viele andere haben auch mächtig aufgestockt, da ist es doch auch kein Wunder wenn der Preis fällt.

@JueLue

Ich war gerade auf einer Schweinefachtatung in der Nähe von Zeven, da habe ich einen Referenten von Tönjes aus Reder Wiedenbrück gehört. Im letzten Wirtschaftsjahr lag der durchschnittliche Schlachterlös je Kilo Schlachtgewicht in deutschland bei 1,55 €. Die durchschnittlichen Produktionskosten je Kilo Schlachtgewicht lagen aber bei 1,67 €. Wenn überhaupt werden es nur extrem Schweinehalter geschafft haben unter den Bedingungen noch Gewinne zu erzielen. Und wenn man es richtig extrem möchte, dann frage mal nach den Gewinnen bei den Sauenhaltern.
Aber in der Schweinbranche muss man auch mal ein Jahr ohne Gewinn klar kommen, sonst ist man in der falschen Branche und daran werden sich die Milchbauern auch gewöhnen müssen. Wie es den Schweine-Zyklus gibt wird es auch einen Milch-Zyklus geben. Und wenn die Quoten erst einmal gefallen sind, dann werden 20 ct pro Liter sicher nicht die Talsohle sein.
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Re: Meint der BDM das wirklich ernst?

Beitragvon schakschirak » Sa Jan 17, 2009 23:30

automatix hat geschrieben:[Wenn die Milchbauern selber nicht kapieren, daß sie den Rohstoff verknappen müssen, dann kann da auch der Staat nicht viel machen.


Und das nicht nur in D., richtig

Cairon hat folgendes geschrieben
Nicht weit von hier geht gerade ein Betrieb mit einem neuen Stall für 800 Kühe in Produktion und viele andere haben auch mächtig aufgestockt, da ist es doch auch kein Wunder wenn der Preis fällt
.
Wart ab der hat in wenigen Jahren statt 800, weit über 1000, falls ers bis dahin überlebt hat.
Ist schon interessant, daß Schweine.-Ackerbauern und auch Privatpersonen den Sachverhalt verstehen, manch ein Milchviehhalter hat jedoch sein Gehirn auf Wachstum gestellt, benutzt es nicht oder hat alles andere ausgeblendet. Oder wollen sie nur größer als der Nachbar sein ? Man weiss es nicht. Anstatt sich über eine vernünftige Lösung oder Vorschläge zumindest an einen Tisch zu setzen um mal zu diskutieren, wird abgeblockt. Wie ihr richtig erkannt habt, was sollen Regierungen ändern oder zumindest drüber nachdenken, wenns einige Milchviehhalter nicht können oder wollen :?:

H.B. hat folgendes geschrieben :
Vielmehr warten die endlich, bis sich in Europa endlich die schon lange erwartete Lücke auf


Bei den falschen Forderungen und Umsetzungen, ja


JueLue hat folgendes geschrieben
es ist auch pervers, dass Mineralwasser z.T. teurer ist als Milch,

Und wenn die Quoten erst einmal gefallen sind, dann werden 20 ct pro Liter sicher nicht die Talsohle sein.


Meine Worte, jetzt sei nicht überrascht, es gibt Milchviehhalter :shock: die halten das für in Ordnung und Antworten mit dem Zauberwort : wachsen :roll: und rennen zur nächsten Baufirma.
Zuletzt geändert von schakschirak am Sa Jan 17, 2009 23:46, insgesamt 1-mal geändert.
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Beitragvon Cairon » Sa Jan 17, 2009 23:46

Wachsen ist ja auch in Ordnung, aber die Geschichte vom "Unbegrenzten Wachstum" halte ich für ein Märchen.

Wenn er es wirklich schafft die nächsten Jahre zu überleben, wird er sich weiter wachsen, das sehe ich auch so. Allerdings denke ich wird das größte Problem die Beschaffung guter, zuverlässiger Arbeitskräfte sein. Und schau doch mal in den Osten, die großen Sauenanlagen rentieren sich meist er beim 3 oder 4 Besitzer. Und glaube mir Größe ist nicht alles. Ich habe auf recht großen Betrieben gelernt und als Chef kann man nicht mehr überall sein. Wenn man dann keine gute Leute hat, und die sind knapp, geht viel unter die Räder. Wir werden sehen was aus dem 8000 Stall wird. Ich habe in den USA auch schon Betriebe mit weit über 3000 Kühen gesehen, aber das passte es in die Gegend und die Baukosten war sehr geringe, eigentlich nur einen Melkstand, einen Fangstand und ein paar Abzeunungen.
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Beitragvon Cairon » So Jan 18, 2009 10:49

Hallo Reini,

natürlich ist der Strukturwandeln noch nicht abgeschlossen und wird wohl auch nie abgeschlossen werden, was nicht heißt, dass sich der Strukturwandel auf Grund von politischen oder natürlichen Katastrophen nicht auch wieder ins Gegenteil drehen kann und die Betriebe wieder kleiner werden.
Es geht ja auch nicht darum den anderen scheitern zu sehen, sondern darum die Motivation hinter einem solche Projekt zu verstehen. Und eines ist doch wohl klar, das Wachstum des einen geht zu Lasten des Nachbarn. So wie es in Teilen der USA läuft kann es doch auch nichts sein, das Farmer systematisch an die Wand gedrückt werden, große Konzerne die Farmen aufkaufen, dann alles plan schieben und die Farmer später auf dem Land das ihnen mal gehört hat als Angestellte arbeiten dürfen. Ich spreche hier von Betrieben mit 80.000 Sauen im geschlossenen System oder Rindermästern mit 125000 Kopf Vieh. Ich weiß auch nicht wo und wie man eine Grenze ziehen soll, aber wo soll das Wachstum denn aufhören? Wenn es nur noch 20 Agrakonzerne in ganz Deutschland gibt, in Europa, auf der Welt? Unbegrenztes Wachstum ist eine Utopie, wann der Scheitelpunkt erreicht ist kann ich Dir leider nicht sagen. Momentan ist es aber doch so das wir nicht wachsen um mehr Geld zu haben, sondern wir wachsen um zu überleben und die Gewinne machen andere, das kann es doch nicht wirklich sein und wenn es wirklich auf Dauer so weiter geht, das der Mittelstand systematisch kaputt gemacht wird, dann wird auch irgendwann der soziale Frieden bröckeln.
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Beitragvon Panic » So Jan 18, 2009 16:33

schimmel hat geschrieben:Wer investiert, und das auch noch als sog. "Unternehmer" tut, der muss für sein Handeln die Verantwortung übernehmen. Wer scheitert sollte eigentlich nicht noch Schadenfreude erhalten sondern Unterstützung.
Reini



Darauf hab ich schon gewartet. Erst wird dem Markt gehuldigt als selbstreinigendes Instrument und sobald dieser seine Kraft diesbezüglich entwickelt wird nach Unterstützung gerufen. Es ist doch bloß eine Frage der Zeit, bis sich der Bauernverband hinstellt und nach Hilfen für die "zukunftsfähigen " Betriebe ruft ( der BDM tut´s schon). Die gearschtén sind dann die Betriebe, die solide aufgebaut sind, die schlechten Zeiten auch so durchstehen und danach gut verdienen könnten.
Aber die sind nicht gewollt, weil unabhängig.
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Beitragvon Cairon » So Jan 18, 2009 16:55

Markt ist schon in Ordnung, solange er auf Funktioniert. Solange die Angebots- und die Abnahmeseite einigermaßen gleich stark sind, funktioniert der Markt ja auch. Es läuft aber doch aus dem Ruder. 4 Große Konzerne gegen x-tausend Bauern. Und wenn sich die Bauern auch nur mal ansatzweise organisieren, kommt das Kartellamt. Ich halte unseren Hof eigentlich auch für ganz gut geführt, aber so langsam geht mir die langfristige Perspektive verloren. Wenn freies Kapital Märkte manipuliert, sei es nun Sprit, Dünger oder Schweinehälften kann das doch auch nicht mehr ganz gesund sein. Wenn Medienkampanien ohne jede Grundlage Märkte zusammenbrechen lassen können wie soll es dann auf die Dauer klappen? Wo hört das Höfe sterben auf? Heute sterben die die schlecht aufgestellt sind, morgen die die heute gut aufgestellt waren. Was soll das langfristig werden, ein Marathonlauf ohne Ziel, bis es nur noch einen gibt? Ich habe ja nichts gegen Arbeit und unternehmerisch bin ich auch nicht ganz zurück geblieben aber langsam macht mir die ganze Sache wirklich keinen Spaß mehr. Unser Hof ist keine kleine Klitsche, aber wer kann den Heute noch von seinem Betrieb sagen, das er eine ordentliche Kapitalverzinsung abwirft. Es muss immer mehr erzeugt werden, mit immer weniger Leuten, damit immer weniger Unternehmer davon leben können. Wo führt das langfristig hin? Zu einer Diktatur des Kapitals oder gleich in den Bürgerkrieg? Die Schere zwischen Armen und reichen geht immer weiter auf und wie lange meinst Du geht das noch gut? Die Durststrecken werden immer länger und die Zeit in denen es brummt immer kürzer. das Hamsterrad dreht sich immer schneller und ich glaube nicht das man das durch permanentes Wachstum wir auf Dauer kompensieren kann, bleiben dabei nicht einfach zu viele auf der Strecke, das es langfristig wirklich zu einem halbwegs friedlichen Miteinander reicht?
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Beitragvon Cairon » So Jan 18, 2009 17:41

@Reini

genau dass ist das Problem. Ich könnte mit dem was der Hof wert ist noch locker bis an mein Lebensende kommen, wenn ich nicht anfange zu zocken. Aber ich wollte den Betrieb eigentlich erhalten. Momentan fehlt mir einfach das große Gesamtbild in welche Richtung es gehen soll. Egal in welchen Bereich man schaut, Schweine, Milch, Kartoffeln, Getreide usw. alles ziemlich mies und außerhalb der Landwirtschaft sieht es auch nicht wirklich besser aus. Und einfach Geld aufnehmen und noch einen Stall bauen und auf bessere Zeiten hoffen kann es doch auch nicht sein. Es geht mir einfach gegen den Strich wenn ich kein klares ziel vor Augen habe und ein neues Ziel ist momentan leider nicht leicht zu finden.
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Beitragvon JueLue » So Jan 18, 2009 17:42

Also, ich denke einfach, was jetzt in relativ kurzer Zeit auf die Milchviehhalter zukommt, ist für die Schweinehalter normal. Da gabs immer Jahre mit 0 Deckungsbeitrag für den Durchschnittsbetrieb.

Vor 20 Jahren waren Sauenbetriebe mit 150 Sauen die großen, über 20 abgesetzte Ferkel waren was besonderes. Heute haben Familienbetriebe (2 Personen ohne Fremdarbeitskräfte, die sich auf die Sauenhaltung konzentrieren) 300 bis 400 Sauen und verkaufen 25 Ferkel.

Die Sache ist doch ganz einfach: man muß nicht 1000 Kühe haben, sondern der Betrieb muss so groß sein, das man aktuelle Technik sinnvoll einsetzten kann - also je Arbeitskraft eine hohe Milchmenge günstig erzeugt.

Die Grenze, wieviele Kühe eine AK betreuen kann verschiebt sich durch moderne Technik eben immer weiter nach oben, und man kann nicht erwarten, dass man dauerhaft ein vernünftiges Einkommen erwirtschaften kann, wenn man je Liter erzeugte Milch doppelt soviel Arbeitszeit benötigt wie andere.

Dann ergibt es sich fast von selber, dass man je Arbeitskraft bzw. je Person, die von der Milchviehhaltung lebt, ein vernünftiges Einkommen erzielt. Echte Großbetriebe erzielen vielleicht im Futterkauf oder im Milchverkauf noch leichte Vorteile, haben aber durch viele Fremdarbeitskräfe auch Reibungsverluste.

Ein anderes Problem sind natürlich die teilweise kleinstrukturierten, bergigen klassischen Grünlandstandorte. Wenn die Politik verhindern will, dass dort die Milchviehhaltung verschwindet, muß sie eingreifen, aber ich glaube nicht, dass das über den Milchpreis geschehen kann.

Dass Milchbauern grenzübergreifend weniger liefern, um den Preis zu stützen, halte ich für so unwahrscheinlicht, dass ich darüber garnicht diskutieren würde.

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Beitragvon H.B. » So Jan 18, 2009 20:41

JueLue hat geschrieben:
Ein anderes Problem sind natürlich die teilweise kleinstrukturierten, bergigen klassischen Grünlandstandorte. Wenn die Politik verhindern will, dass dort die Milchviehhaltung verschwindet, muß sie eingreifen, aber ich glaube nicht, dass das über den Milchpreis geschehen kann.

Bewirtschaftet wird das immer, nur die dort üblichen Pachten aufgrund der akuten Flächenknappheit der dortigen Betriebe könnten nicht mehr gezahlt werden. Da quetschen sich tw. 10 (Vollerwerbs)Bauern in eine Ortschaft, die locker von einem bewirtschftet werden könnte.

Dass Milchbauern grenzübergreifend weniger liefern, um den Preis zu stützen, halte ich für so unwahrscheinlicht, dass ich darüber garnicht diskutieren würde.

Das ist nicht durchführbar, darüber muß man sich wirklich nicht unterhalten - ist aber trotzdem "Hauptthema" beim BDM. Diese Dummheit lässt sich nicht mal mehr ironische Worte fassen. Solche "Massenselbstmordphänomene" sind im Normalfall nur bei Sekten anzutreffen, aber nicht in dieser Anzahl.
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Beitragvon Hoschscheck » Di Jan 20, 2009 10:12

Cairon hat geschrieben: .... Das Hamsterrad dreht sich immer schneller und ich glaube nicht das man das durch permanentes Wachstum wir auf Dauer kompensieren kann, bleiben dabei nicht einfach zu viele auf der Strecke, das es langfristig wirklich zu einem halbwegs friedlichen Miteinander reicht?


Hallo Cairon,

ich denke die Zeit in der ein Hof (als "gute" Produktionseinheit; Betriebsleiter, Gebäude, Flächenausstattung, etc.) bisher sicherstellen konnte wie es mit ihm selbst weitergeht, diese Zeit geht dem Ende entgegen.

Schimmel hat geschrieben:Ich glaube nicht, dass es in naher Zukunft einen Wandel gibt. Sieh dir die Geflügelwirtschaft an, du hast sie doch vor der Tür. Wer von den Haltern ist nicht mit Wessjohann/Lohmann unlösbar verbunden?
Hattest du nicht auch mit dem Gedanken gespielt - Vorsicht Abhängigkeit-?


Die Gackelhalter sind schon Jahre vertikal integriert (".... gegen die Stimmen der Mäster hat der Vorstand folgende Preise beschlossen: ...")
Hier stellen die Landwirte nur die Produktionsfaktoren Boden und Arbeit Wessjohann/Lohman als Basis ihrer Entlohnung zu Verfügung.

Futtermittelhersteller und Stalleinrichter sitzen schon bei so manchem Sauenhalter ähnlich fest im Sattel (Megagruppe).
(Ach so, das heißt nicht es müsse ihnen Finanziell schlecht gehen)

Hauspreise bei den Schlachtstätten für Schweinemäster, mit ausgegliederten Gutschriften (z.B. Anlieferungsbonus) damit kein Landwirt mehr weiß was hab ich jetzt eigentlich gekriegt für meine Schweine und was mein Nachbar -nach dem Prinzip: Teile und Herrsche.

Und dann kommt da ein Verband daher und haucht den Milchviehaltern neues Selbstvertrauen ein, ja so ein Scheiss.
Unsere Produktionstechnik wird auch im Rinderbereich zunehmend standarisierter sein (Genetik, Futtermischwagen, etc.; Huhn und Schwein sind es schon). Und unsere Handelspartner kennen hier unsere Margen schon lange ganz genau.
Der Verkauf, der Marktpreis wird immer wichtiger für unseren Betriebswirtschaftlichen Erfolg werden. Nur als einzelner Betrieb wird es hier kaum eine Möglichkeit der Einflussnahme geben können.
Z.B. Regionen oder Milcherzeuger innerhalb einer Molkerei zu poolen um Stärke/n in der Vermarktung aufzubauen, so was anzuschieben wäre doch eine Aufgabe und Herausforderung für eine Berufsvertretung.

Auch Wessjohann/Lohman betreibt über die Produktionsmenge Marktpflege. Hier kriegt der Mäster nur soviel Küken zugeteilt wie hinterher vermarktet werden können.
Das ist über die wesentlich kürzen Reproduktionsraten sicherlich leichter und billiger zu steuern als beim Rindvieh, aber nur laut und oft genug zu rufen "wir müssen uns den Märkten stellen" ist auch keine sehr intelligente Lösung.

Zum Thema, ich halte die Drohung des BDM nur für eine rhetorische Floskel auf die schon vorher durchgesickerte Info der Exporterstattung für Milcherzeugnisse (Käse, Butter Pulver).

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