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Twin-N

Hier ist Platz für alles was auf dem Acker wächst ;-).
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26 Beiträge • Seite 1 von 2 • 1, 2
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Twin-N

Beitragvon Mad » Mi Aug 20, 2008 21:37

Ich hab eben im Profi-Forum einen Beitrag gelesen, der mich ein wenig neugierig gemacht hat.

http://www.twin-n.info/


Diese Bakterien sollen angeblich Stickstoff aus der Luft binden und den Pflanzen zur Verfügung stellen.

Der Preis pro Hektar beträgt 60 Euronen + Märchensteuer und wird in 5ha und 10ha gebinden ausgeliefert.


Meine Frage: Hat jemand schon Erfahrungen damit?

Wenn das Zeug wirklich wirkt, dann wäre es ja eine Alternative bei weiter steigenden Düngerpreisen.


Naja. Vielleicht muss man sich die Wirksamkeit auch nur stark genug einbilden.

Klärt mich mal darüber auf.

MFG
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Beitragvon Panic » Do Aug 21, 2008 7:09

Es is wie immer: einem hilft´s!
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Beitragvon Cairon » Do Aug 21, 2008 8:43

N aus der Luft zu holen kenne ich eigentlich nur von Lupinen, da läuft es ja über die Knöllchenbakterien an den Wurzel. Ob die jetzt wirklich einen Weg gefunden haben diese bakterien nachträglich an die Pflanze zu bringen wage ich zu bezweifeln. Ich würde mich einfach mal ans Pflanzenschutzamt oder die örtlichen Berater wenden, wenn die nichts darüber wissen wäre ich schon mal sehr Misstrauisch und wenn es wirklich funktioniert wird man sicher bald darüber mehr in der Fachpresse lesen.
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Beitragvon burgenlaender » Fr Aug 22, 2008 14:00

Ich habe Twin N selbst auch noch nicht getestet.

Wenn du mehr wissen willst must du hier schauen, dort ist ein Bericht bzw. Antworten von dem Vertreiber von Twin N drin.

http://www.agrowissen.de/de/forum/index.php?board=27.0

Vielleicht hilft dir es ja weiter?
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Beitragvon StephanB » Di Aug 26, 2008 8:57

Da ich hier das Thema Twinn entdeckt habe und da ich letztes Jahr auf einem Pflanzenölfahrertreffen einen Vortrag zum Thema Bakteriendünger gehalten habe, wollte ich hier eine Antwort dazu schreiben, die ich auch schon in einem anderen Forum geschrieben hatte.
Eigentlich bin ich noch dabei an der Klimatisierung von Kuhställen mit Hilfe eines Erdkollektors zu tüfteln, aber das wird auch noch eine Weile dauern, deswegen schiebe ich das mit den Bakterien einfach doch zwischen rein.

Es ist ein ziemlich langer Text (deshalb zwei Teile), der aber auch viele Informationen enhält, um zu zeigen, dass diese Bakterien nicht nur irgendeine Modeerscheinung sind.


Es geht um die biologische Stickstoffixierung (Biological Nitrogen Fixation = BNF), d.h. die Wirkungsweise der Knöllchenbakterien von Leguminosen wie Bohne oder Erbse, die von dem deutschen Agrikulturchemiker Hermann Hellriegel ( http://de.wikipedia.org/wiki/Hermann_Hellriegel ) 1886 entdeckt wurde.
Seit Jahren schon findet übrigens jährlich (oder zweijährlich?) ein Kongreß zum Thema BNF statt!

Der niederländischen Forscher Martinus Willem Beijerinck entdeckte 1925 das frei lebende Bakterium Spirillum lipoferum (leider nur auf Englisch: http://www.biw.kuleuven.be/dtp/cmpg/ai.htm ), das es auch anderen Pflanzen außer den Leguminosen ermöglichen kann den Stickstoff aus der Luft aufzunehmen im Austausch gegen Stärke oder Zucker.



Diese sensationelle Entdeckung (Einsparung von Kunstdünger!) ging aber wohl mehr oder weniger im Lauf der Geschichte unter.

Erst die brasilianische Agrar-Wissenschaftlerin Johanna Döbereiner ("Bakterien auf dem Vormarsch - Brasiliens Grüne Revolution und ihre stille Anstifterin"
http://www.topicos.net/fileadmin/pdf/20 ... marsch.pdf ) stieß wieder auf dieses Wissen als sie Anfang der 70er Jahre eine Wiese mit unglaublich intensivem Grün entdeckte. Bei der Analyse entdeckte sie, dass Bakterien, diazotrophe (d.h. stickstoffliefernde) Bakterien, dafür verantwortlich waren:

"Der Ernährer der Welt

...
Tatsächlich wurde die Wissenschaftlerin bald fündig: Bradyrhizobium japonicum nennt sich ein Bakterium, das sie durch Hornbrille und Mikroskop hindurch in einem der leuchtend grünen Blätter entdeckte. Ein Bakterium, mit dem sich das Blattgrün gierig den Stickstoff aus der Luft holt. Und wächst und wächst und wächst.

Die Forscherin brachte die Bakterien mit Sojasamen zusammen und konnte so dieselben Erträge wie bisher erzielen - ohne ein Gramm Dünger zu benutzen."
http://www.zeit.de/2006/19/Brasilien-Ernhrer?page=2


Und das Beste kommt jetzt: Das geht auch bei allen möglichen anderen Nutzpflanzen!!!

Ganz wichtig und wohl gerade aktuell:
Die Kombination von Raps und einem bestimmten Bakterium (Azorhizobium caulinodans). Dies wurde in der folgenden Studie erfolgreich in einem Laborversuch untersucht:

"Effects of Glucosinolates and Flavonoids on Colonization of the Roots of Brassica napus by Azorhizobium caulinodans ORS571"
http://aem.asm.org/cgi/content/full/66/5/2185

Diese Studie untersucht die Auswirkungen der Impfung von Rapspflanzen mit dem diazotrophen Bakterium Azorhizobium caulinodans sowie der Zugabe von Naringenin (ein Pflanzenfarbstoff, mit einem besonders großen Anteil in Tomaten; auch in Tomatenmark oder Tomatenpüree!!!) auf die Aufnahmebereitschaft der Nebenwurzeln (durch kleine Spaltöffnungen an den Wurzeln) für dieses Bakterium. Gleichzeitig wird untersucht wie sich die Konzentration von Glucosinolaten (GS), auch Senfölglykoside genannt, in den Wurzeln auf die Aufnahmebereitschaft auswirkt.
Isothiocyanate, zu deutsch Senföle, sind die am stärksten bioaktiv wirkenden Abbauprodukte der Glucosinolate in den Wurzeln von Raps, die das Wachstum und das Überleben von Bakterien negativ beeinflussen. In der Studie wurde gezeigt, dass das Flavonoid Naringenin die Wirkung dieser Glucosinolate vermindern kann.

Irgendwo habe ich gelesen (ich reiche das vielleicht noch nach), dass Naringenin von den Pflanzen selber ausgeschieden wird, um solche diazotrophen Bakterien anzulocken. D.h. dieser Pflanzenfarbstoff unterstützt quasi die Eigenbemühungen der Rapspflanzen noch.
Auch beim Weizen hat dieses Bakterium positive Auswirkungen. Es wurde in anderen Studien festgestellt, dass es nicht nur die Produktion von Stickstoff ist, die das Pflanzenwachstum bzw. das Wurzelwachstum fördert, sondern auch die Stoffe, die die Bakterien sonst noch produzieren, d.h. sonstige wachstumsfördernde Stoffe und auch chemische Stoffe zur Bekämpfung pathogener Mikroorganismen.

Leider habe ich noch keine Firma gefunden, bei der man das Bakterium Azorhizobium caulinodans einfach bestellen kann. Eventuell muß man sich hierfür an die "Deutsche Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen (DSMZ)" in Braunschweig wenden ( http://www.dsmz.de/ ).

Irgendwo habe ich auch noch eine Studie, die beschreibt wieviel man vom Naringenin bzw. von Tomatenpürre oder Tomatenmark pro Gewichtseinheit oder Ackerfläche benötigt, um den gewünschten Effekt zu erzielen. Das liefere ich noch nach.

Hier ein Link zu einem (englischen) Artikel über die Kombination von Weizen und Azospirillum lipoferum in einer Ausgabe der Zeitschrift "Plant and Soil":

"Yield increases in spring wheat (Triticum aestivum L.) inoculated withAzospirillum lipoferum under greenhouse and field conditions of a temperate region "
(Ertragssteigerungen bei Frühjahrsweizen(?) (Triticum aestivum L.) unter Gewächshaus- und Freilandbedingungen aufgezogen wurde und mit Azospirillum lipoferum geimpft (gebeizt) wurde.)
http://www.springerlink.com/content/w75024561477/

Hier eine Liste der möglichen Kombinationen von Nutzpflanzen und Bakterienarten:

"Assoziationen stickstoffbindender Bakterien mit tropischen Gramineen"
http://www.biologie.uni-hamburg.de/b-online/d34/t1.htm

Und eine Tabelle mit dem möglichen N-Gewinn bei verschiedenen Nutzpflanzen in unterschiedlichen Klimazonen:

"Stickstoffgewinne nach Bilanzuntersuchungen beim Anbau von Gramineen"
http://www.biologie.uni-hamburg.de/b-online/d34/t2.htm



Klee und Reis in Ägypten

"For over seven centuries rice rotation with clover has significantly benefited rice production in Egypt. Clover is normally associated with Rhizobium leguminosarum bv. trifolii that forms N2-fixing nodules in the root of this plant. Surprisingly, strains of this bacterium also were encountered inside the rice plant with around 104-106 rhizobia per gram of fresh weight of root. "
("Über sieben Jahrhunderte lang hat der Fruchtwechsel von Reis mit Klee die Reisproduktion in Ägypten deutlich verbessert. Klee lebt normalerweise mit Rhizobium leguminosarum bv. trifolii zusammen, das N2-bildende Knötchen in den den Wurzeln dieser Pflanze bildet. Überraschenderweise wurden Unterarten dieses Bakteriums innerhalb der Reispflanze mit ungefähr 104-106 Rhizobien pro Gramm Wurzel-Frischgewicht gefunden.")

Aus "Dinitrogen-Fixing Bacteria" (Distickstoff-fixierende Bakterien):
http://141.150.157.117:8080/prokPUB/cha ... MPLETE.htm


Der Boden muß für eine optimale Arbeitsweise der Bakterien ein neutrales Milieu haben (aus http://www.bio-gaertner.de/ ):
"Nährstoffmangel /-überschuss
1) Hauptnährstoffe.

Kalzium - Wichtig für Enzyme und Zellteilung. Die Stickstoffbindung wird verstärkt, Vergiftungen im Zellgewebe aufgehoben. Fast für alle Pflanzen notwendig. Das Calcium steuert die Spaltöffnungen der Blätter, es festigt das Pflanzengewebe (Zellwände), regt das Bodenleben an, bindet Säuren, baut den Humus ab, sorgt für Krümelstruktur: Der positiv geladene Phosphorkalk wird von den negativ geladenen Humus-, Kieselsäure- und Tonteilchen absorbiert. Dadurch entstehen durch Ausflockung Krümel mit neutraler Reaktion, der Boden wird locker. Ausserdem entstehen bei neutraler Bodenreaktion besonders günstige Verhältnisse für die Bildung von Stickstoff in Form von leicht löslichem Salpeterstickstoff durch stickstoffersammelnde Bodenbakterien (Azotobacter). Deren Aktivität führt dazu, dass in den Boden bis zu 2,5 g Stickstoff je Quadratmeter aus der Luft eingebracht werden. Andererseits werden dem Boden durch Auswaschung und Aufnahme durch die Pflanzen bis zu 60 g/qm entzogen, bei Ausschluss von sauren Düngern (schwefelsaures Kali, Superphosphat, Volldünger) und bei naturnaher Düngung ist der Verlust an Kalk allenfalls halb so hoch."

Ich kenne außer Twinn noch zwei Produkte, die solche Bakterien enthalten. Eines davon enhält sogar Bakterien, die im Boden vorhandenen Phoshpor für die Pflanze verfügbar machen. Aber auch hier darf ich wahrscheinlich keine Namen nennen.
Deshalb muß jeder selber suchen.
Zuletzt geändert von StephanB am Di Aug 26, 2008 9:10, insgesamt 1-mal geändert.
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Beitragvon StephanB » Di Aug 26, 2008 9:08

Aktuell ist das Thema Stickstofffixierung bei Nutzpflanzen in der Bio-Forschung wohl ziemlich wichtig. Allerdings wird dort hauptsächlich an Möglichkeiten geforscht, wie man mit Hilfe von Gentechnik-Methoden die Pflanzen verändern kann.
Meine Meinung ist, dass der Mensch die Natur, die sich in Millionen von Jahren entwickelt hat, nicht mehr verbessern kann. Er kann nur die Möglichkeiten die die Natur bietet viel besser nutzen.
Und das hat unter anderem die Forscherin Johanna Döbereiner auch getan, in dem sie sich glaube ich bis zuletzt mit der Erforschung der vorhandenen Bakterien und deren Kombination mit Nutzpflanzen beschäftigt hat.

Dank ihr benötigt der Zuckerrohranbau in Brasilien keinen oder wohl praktisch keinen Dünger, nur Wasser (Gluconacetobacter diazotrophicus).
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Beitragvon SHierling » Di Aug 26, 2008 9:24

Meine Meinung ist, dass der Mensch die Natur, die sich in Millionen von Jahren entwickelt hat, nicht mehr verbessern kann. Er kann nur die Möglichkeiten die die Natur bietet viel besser nutzen

Mir DER Ansicht dürfte es aber gar keine Nutzpflanzen- oder Nutztiere geben, denn da hat man die Natur ja ERHEBLICH nach den Vorstellungen der Menschen verändert.

Die Gentechnik ist ja in weiten Bereichen auch nichts anderes als "die Natur besser nutzen", z.B. bei der Herstellung von Humaninsulin, Vitaminen, Impfstoffen etc.

Ist wie bei allen Sachen: man muß eben die Grenzen beachten und darf die Grundlagen der Systeme nicht verändern - zumindest nicht, solange man sie nicht kennt. Und sowas:

Dank ihr benötigt der Zuckerrohranbau in Brasilien keinen oder wohl praktisch keinen Dünger, nur Wasser (Gluconacetobacter diazotrophicus).

geht für mich zB ERHEBLICH über solche Grenzen hinaus, da ist mir Düngen wesentlich lieber, denn da weiß man, was man tut. Es ist ja eben NICHT so, daß mein "kein N braucht", sondern nur so, daß das N, das nach wie vor in den Pflanzen zur Eiweißbildung dient, woanders herkommt - nämlich da, wo man sein Fehlen bisher gar nicht untersucht hat und mit heutigen Mitteln auch gar nicht untersuchen kann.

Darüberhinaus ist das "Freisetzen von ortsfremden Mikroorganismen", egal wo und wie, IMMER ein Va-Banque-Spiel - das kapieren die EM-Jünger aber ja auch schon nicht. Das funktioniert aus Sicht der Ökologie nach ganz genau dem selben Risikomuster wie bei Neophyten und Neozoen - jahrelang passiert nix, und plötzlich bildet einer Dominanzbestände. Und dann ist guter Rat teuer, wenn nicht (wie meistens) unmöglich.
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Beitragvon Reinererlach » Mi Aug 27, 2008 7:46

Wieviel euro bekommt man wohl für so einen Beitrag von so nem Bakterien hersteller? ;)
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Beitragvon SHierling » Mi Aug 27, 2008 8:41

Was mich allein an solchen Ideen und Ansätzen schon stört, ist diese gnadenlose Kurzsichtigkeit und die Weigerung EIN MAL aus irgendwelchen Fehlern grundsätzlich was zu lernen.

Da haben wir uns beim FCKW schon in die Finger geschnitten und das Ozonloch vergrößert ohne rechtzeitig nachzusehen, dann fällt uns gerade hier und jetzt unser eigenes CO2 in den Rücken, und SELBST DANN kommt immer noch wieder einer angerannt und meint ,er könnte an der Atmosphäre herumspielen und ihr den Stickstoff klauen, wird schon nix ausmachen.

Ganz Neuseeland und Australien haben kein stabiles Ökosystem mehr, weil der Mensch gemeint hat, er könnte mit Lebewesen hin- und herschieben wie es ihm paßt, an Knöterich & Co gehen weltweit immer mehr Flächen zugrunde, aber nein, Bakterien sind ja klein genug, da merkt das keiner.

WIE hohl können Leute eigentlich denken, nur für Geld?
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Beitragvon rettel » Mi Aug 27, 2008 12:32

SHierling hat geschrieben:geht für mich zB ERHEBLICH über solche Grenzen hinaus, da ist mir Düngen wesentlich lieber, denn da weiß man, was man tut. Es ist ja eben NICHT so, daß mein "kein N braucht", sondern nur so, daß das N, das nach wie vor in den Pflanzen zur Eiweißbildung dient, woanders herkommt - nämlich da, wo man sein Fehlen bisher gar nicht untersucht hat und mit heutigen Mitteln auch gar nicht untersuchen kann. .


Du scheinst mir ziemlich kurzsichtig zu sein! Wo glaubst du denn kommt der mineralische Stickstoffdünger her? Schon einmal etwas vom Haber-Bosch-Verfahren gehört? Ob der Stickstoff jetzt direkt von den Baktereien aus der Luft geholt wird oder beim Haber-Bosch-Verfahren verbraucht wird....aus der Atmosphäre kommt er in jedem Fall!
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Beitragvon SHierling » Mi Aug 27, 2008 13:01

Ähm?? IMHO kann man das Haber-Bosch-Verfahren anwenden, oder eben nicht, da ist kein wie auch immer gearteter Zwang dabei (und außerdem gibts das ja nun grade erst 100 Jahre, und bis heute kann sich nicht mal die Hälfte aller Länder solchen Dünger leisten, der Rest nimmt nach wie vor organischen oder ähnliches)

Setzt Du aber Bakterien frei, bist Du ein für alle mal und für den Rest aller Zeiten darauf festgelegt, das auch so weiterzumachen, denn die sammelt Dir keiner wieder raus aus dem Boden. (Ganz davon abgesehen, was passiert, wenn die sich im wahrsten Sinne des Wortes mal "vom Acker machen..." ?)

Ich find schon, daß das von der "Fristigkeit" her ein _etwas_ längerer Einfluß ist ;-) - und vor allem eben ein irreversibler! :?
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Beitragvon StephanB » Mi Aug 27, 2008 20:09

Wieviel euro bekommt man wohl für so einen Beitrag von so nem Bakterien hersteller?


Du wirst lachen. Finanziell bin ich am rumkrebsen.
Deswegen habe ich vor kurzem mit Familienmitgliedern auch ziemliche Auseinandersetzungen gehabt.
Letztes Jahr hatte ich versucht zusammen mit einem Landwirt einen Feldversuch mit Bakterien im Rahmen des Programms "KMU innovativ" (Thema Biotechnologie) durchzuführen. Der Antrag wurde abgelehnt.

Ein Agraringenieur hat da gemeint, dass das ja ein Millionengeschäft für mich sein könnte. Hahaha.

Nein ich bin so ein Bekloppter, der die Welt retten will. Aber ich werde nur noch ein paar Tage umsonst was schreiben und dann werde ich nur noch gegen Vergütung die Menschheit retten.

Ein kleiner Hinweise wer bei diesem Thema wirklich verdienen wird:

Bei der Recherche für den Antrag zwecks Förderung durch das Programm "KMU innovativ" hatte ich auch eine (Online-)Patentrecherche (München) gemacht. Da bin ich dann auf folgendes gestossen:


Einmal das Dokument/Patent DE000003788689T2 ("Pflanzenwachstumsteigernde Rhizobakterien für landwirtschaftliche Nichtwurzelgetreide.") und zum anderen das Dokument/Patent DE000003752041T2 ("Nützliche, direkt wirkende Bodenbakterien ").


1. Dokument: ESSO CHEMICAL CANADA, CA (Anmeldedatum 19.08.1987)
2. Dokument: AGRIUM INC, CA (Profil: http://www.answers.com/topic/agrium-inc?cat=biz-fin ) (Anmeldedatum: 15.12.1987)

Die erste Firma dürfte bekannt sein und die zweite Firma ist anscheinend einer der größten Düngemittelherstellers Nordamerikas bzw. damit wohl auch der ganzen Welt, mit ca. 6.500 Mitarbeitern und einem Umsatz in 2006 von ca. 4,2 Mrd. Dollar. Früher hieß die Firma Cominco Fertilizers.
Irgendwie hängen diese beiden Firmen aber anscheinend zusammen bzw. haben zusammengearbeitet wie ich in einem anderen englischen Patent-Dokument gesehen habe, das sich auf das gleiche Thema bezieht.

Wir werden demnächst eine Energiekrise bekommen, die sich gewaschen hat (Stichwort: Peak Oil). Die USA sind nicht umsonst im Irak; in Kanada wird nicht umsonst dieser Dreck namens Ölsand aus dem Boden gepresst - mit katastrophalen Folgen für die Umwelt und mit enormen finanziellem Aufwand. Und die NATO ist inzwischen nicht umsonst mit einer Armada im Schwarzen Meer präsent. In den USA wird es wohl nicht mehr lange dauern bis die Versorgung dort zusammenbricht, weil immer mehr kleine selbständige Trucker bei den derzeitigen Dieselpreisen drauf legen.

Für gute und seriöse Inforamtionen empfehle ich die Seiten:
http://www.energiekrise.de (ursprünglich von der Firma Ludwig-Bölkow-Systemtechnik betrieben, jetzt von ASPO (Association for the Study of Peak Oil) Deutschland)
und
"Globales Ölfördermaximum"
http://de.wikipedia.org/wiki/Globales_% ... dermaximum

Diese Preissteigerungen für Diesel, Heizöl, Dünger, PSM, etc. sind erst der Anfang.

Es gibt bereits heute genug Möglichkeiten um von fossilen Brennstoffen und vom Uran (das übrigens auch demnächst zur Neige geht. Nicht gewußt? S. obige Seite energiekrise.de) unabhängig zu werden (vor allem Energie sparen, dann Wasserkraft (es gab ca. 60.000 Wasserrechte Anfang des letzten Jahrhunderts; heute sogar noch ökologischer möglich) und Holz).

Darüberhinaus ist das "Freisetzen von ortsfremden Mikroorganismen", egal wo und wie, IMMER ein Va-Banque-Spiel - das kapieren die EM-Jünger aber ja auch schon nicht. Das funktioniert aus Sicht der Ökologie nach ganz genau dem selben Risikomuster wie bei Neophyten und Neozoen - jahrelang passiert nix, und plötzlich bildet einer Dominanzbestände. Und dann ist guter Rat teuer, wenn nicht (wie meistens) unmöglich.


Hmm, an das Argument mit dem Freisetzen habe ich noch gar nicht gedacht. Aber es gibt doch glaube ich jetzt schon tausende von Arten im Boden. Es gibt jede Menge Pflanzen, die in Symbiose mit solchen Bakterien leben (Erlen, Erbsen, Sojabohnen, Linsen, Akazien, etc.).

Und es stimmt ja schon, dass der Stickstoff bisher mit Hilfe von viel Energie aus der Luft geholt wird und Unmengen davon landen wieder in den Gewässern statt im Bodenkreislauf zu bleiben.
Professor Reichholf ist Dir wahrscheinlich ein Begriff. Er prangert ja unter anderem die klinisch reinen Gewässer dank unserer vielen Kläranlagen an.
Das Ausrotten von Neophyten kommt für ihn einer Art Rassismus gleich.
Ein positives Beispiel ist z.B. die afrikanische Killerbiene, die den Honigertrag in den "befallenen" Ländern in Südamerika deutlich gesteigert hat.
Und von wegen CO2. Ich denke, dass dies eine Nebelkerze ist. CO2 hat im Verhältnis zum Wasserdampf (ca. 75%) in der Atmosphäre einen wesentlich geringeren Anteil am Treibhauseffekt. Das Hauptproblem ist wohl vor allem das Abholzen der tropischen Regenwälder. Das ist nämlich ein Teil unserer verschiedenen Klimaanlagen auf der Erde.
Die Wälder setzen die intensive tägliche Sonneneinstrahlung am Äquator in Wasserdampf um, d.h. die Wärme der Sonneinstrahlung wird in die Phasenumwandlung des Wassers gesteckt. Ohne diesen physikalischen Prozeß bzw. mit immer weniger davon heizt sich das Gebiet um den Äquator herum immer mehr auf und damit wird es auch auf der gesamten Erde wärmer.
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Beitragvon SHierling » Mi Aug 27, 2008 20:17

Nein ich bin so ein Bekloppter, der die Welt retten will. Aber ich werde nur noch ein paar Tage umsonst was schreiben und dann werde ich nur noch gegen Vergütung die Menschheit retten.


Haaaaach .... das nehme ich mir auch jeden Morgen vor :) :) :)
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Beitragvon SHierling » Do Aug 28, 2008 8:13

StephanB hat geschrieben:Hmm, an das Argument mit dem Freisetzen habe ich noch gar nicht gedacht. Aber es gibt doch glaube ich jetzt schon tausende von Arten im Boden. Es gibt jede Menge Pflanzen, die in Symbiose mit solchen Bakterien leben (Erlen, Erbsen, Sojabohnen, Linsen, Akazien, etc.).

Ja, und genau da machst Du dann die Fehler, die all solche "Weltretter" machen, erstens unterschätzt Du die Zusammenhänge im Ökosystem, und zweitens hast Du gar nicht genug Fachkunde, um solche Freisetzungen beurteilen zu können. Und dann gilt "was ich nicht weiß ...."
Immerhiin da bist Du in bester Gesellschaft, bei der Freisetzung von Organismen gilt nämlich bisher LEIDER!!! immer noch: wenn sich nach heutigem Wissen nichts Gegenteiliges nachweisen läßt, darf mans machen. Und das "heutige Wissen" über das Bodenleben besteht gerade mal darin, das manb weiß, das man NICHT alle Zusammenhänge und nicht mal alle Organismen kennt. Deswegen werden Versuche immer mit sogenanten "Stellvertreterorganismen" gemacht, in der Hoffnung, mehr und anderes gäbe es nicht, obwohl man das, wie gesagt, gar nicht weiß.
Mehr dazu und zu anderem da: http://www.landtreff.de/viewtopic.php?t=6383

Genau so hat man schon die Kaninchen nach AUstralien geschafft: mit der "Verwegenheit der Ahnungslosen" und nach dem Motto: wenn MIR nichts einfällt, was schädlich sein könnte, dann wird es schon nix geben.
GENAU SO sind wir zu ALLEN Fehlern in diesem Bereich gekommen, zum Beispiel auch den Killerbienen, die inzwischen das nahezu das gesamte Ökosystem der USA zerstören, nur weil ein paar geldgeile Imker nicht nachgedacht haben und so rücksichtslos wie (vor allem!) UNUMKEHRBAR in der Natur herumgepfuscht .(Das ist nämlich die andere Seite des "erfreulichen Mehrertrages")

Und es stimmt ja schon, dass der Stickstoff bisher mit Hilfe von viel Energie aus der Luft geholt wird und Unmengen davon landen wieder in den Gewässern statt im Bodenkreislauf zu bleiben.
das sehe ich auch anders. Erstens ist bisher überhaupt nicht danach gefragt worde, ob das vllt Auswirkungen hat, zweitens ist das nur ein kleiner Teil der N-Kreisläufe (weil aufgrund des Energieverbrauches bei der "Herstellung" von N auch wieder N entsteht) und drittens weiß man von 80gT N aus dem globalen N-Kreisläufen bis heute überhaupt noch nicht sicher, wo die bleiben - und ob sie da, wo sie sind, vielleicht schaden. Es ist also nicht dadurch, das man etwas TUT schon automatisch auch gegeben, daß das "nichts ausmacht"!

Das Ausrotten von Neophyten kommt für ihn einer Art Rassismus gleich.
Ausrotten????? Kein Mensch rottet Neophyten aus - die leben da, wo sie HINGEHÖREN UND NÜTZLICH SIND völlig ungestört weiter. Nur da, wo sie nachweislich durch Dominanzbestände ganze Biotope und sogar ganze Systeme zerstören, da gelten sie als "invasiv" und werden - natürlich(!) ausgerottet - wenn man es denn überhaupt KANN. Du rottest Schimmelpilze in Deinem Kühlschrank ja auch gnadenlos aus (denk ich mir so) ohne ihnen in ihrem natürlichen Habitat zu schaden!
Gutes Buch dazu: "Die Ameise als Tramp"
http://www.bernhardkegel.de/tramps.html

Und von wegen CO2. Ich denke, dass dies eine Nebelkerze ist. CO2 hat im Verhältnis zum Wasserdampf (ca. 75%) in der Atmosphäre einen wesentlich geringeren Anteil am Treibhauseffekt. Das Hauptproblem ist wohl vor allem das Abholzen der tropischen Regenwälder. Das ist nämlich ein Teil unserer verschi....
immer das selbe - jede Veränderung wird entweder ignoriert, oder "der Natur" zugeschoben, die man zwar nicht kennt, aber zu beurteilen können glaubt. Da ist sie wieder, die Verwegenheit der Ahnungslosen.

Das ist einfach das falsche PRINZIP, nachdem solche Sachen gemacht und sogar gefördert werden - "Wenn ich nicht genau weiß, was bei etwas herauskommt, dann wird es schon nicht schaden" Nach JEDER logischen, mathematischen oder sonstwelchen Rechnung ist das völlig unwahrscheinlich und schlicht leichtsinnig (immer bezogen auf Versuche, die irreversible Folgen haben könnenn, natürlich ist das ganze im Labor etwas anderes!)

mal ganz konkret, da Du Leguminosen ja selber erwähnt hast, eine Frage zum Nachdenken: Warum sind - Deiner Meinung nach - einige Pflanzen Leguminosen, und andere nicht?

Was die Bücher angeht: vielleicht solltest Du als erstes mal ein Buch über Systemtheorie, vernetzte Systeme und (dringend) eins über (deterministisches) Chaos lesen, damit kommst Du dem Boden (und überhaupt dem Ökosystem) wesentlich näher als mit dem nächsten kleinen Puzzleteilchen.

Ansonsten: Hirts Stichwörterbücher sind immer ein guter Einstieg.
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Beitragvon StephanB » Sa Sep 06, 2008 23:00

Hallo Brigitta,

Dieses Zitat konnte ich mir nicht verkneifen ( :wink: ) :
Mann und Maus
Naturschutz als Artenkiller: Der Publizist Josef Reichholf attackiert die Verbotskultur
...
Wie stellt man sich einen Artenkiller vor? Er baut Straßen und Flughäfen, brettert mit dem Mountainbike durch den Schwarzwald und mit dem Kanu über die Isar. Er sammelt Raupen oder Kaulquappen, um daheim die Metamorphose zu begaffen.
...

Schmarrn, sagt Reichholf mit bayerischem Charme.
...
Nein, sagt er, die schlimmsten Artenkiller schaffen zuerst maschinengerechte Wüsten und überschütten sie dann mit Gülle.

http://www.tagesspiegel.de/kultur/;art772,1920363

Ein paar Firmen auf dieser Erde scheinen alles daran zu setzen, von jeder Nutzpflanze nur noch ein paar Arten übrig zulassen (Kartoffel Linda?). Seltsamerweise haben aber die gleichen Firmen eine atombombensichere Gendatenbank im hohen Norden Europas (Spitzbergen) errichtet. Wollen die eventuell, wenn auf der Erde nicht mehr viele verschiedene Pflanzen wachsen uns diese Samen für ein gutes Geld verkaufen?
Die zuverlässigste Art Pflanzenarten über Jahrtausende zu erhalten nennt sich: Landwirt.
Es gibt bereits heute jede Menge Pflanzensamenbanken überall auf der Welt verteilt. Z.B. in Indien wird eine durch die Physikerin Vandana Shiva verwaltet. Auch in Deutschland gibt es mindestens eine.
Allein in Indien gibt es wohl mehrere hundert Arten an Hirse. Einige davon können sogar in sehr trockenen Gegenden noch jede Menge Ertrag liefern. Wir brauchen absolut keine Gentechnik. Wir müssen nur besser schauen was es in der Natur alles schon gibt. Die Natur hat Millionen von Jahre Zeit gehabt, um Strategien gegen alle möglichen Widrigkeiten zu entwickeln und der Mensch glaubt jetzt indem er mit den Genen von Pflanzen und Tieren herumspielt, er könnte alles noch viel besser machen?

Ich weiß, dass Du der Gentechnik eher ablehnend entgegenstehst, aber ich wollte das hier nur mal gesagt haben.

GENAU SO sind wir zu ALLEN Fehlern in diesem Bereich gekommen, zum Beispiel auch den Killerbienen, die inzwischen das nahezu das gesamte Ökosystem der USA zerstören, nur weil ein paar geldgeile Imker nicht nachgedacht haben und so rücksichtslos wie (vor allem!) UNUMKEHRBAR in der Natur herumgepfuscht .


Aha, hast Du dafür einen Link? Nach meinen Informationen sind die USA gerade dabei die Bienen mit Hilfe von Gentechnik und Giften selber auszurotten. Eventuell fehlt auch der Nachwuchs an Imkern.

Ja, und genau da machst Du dann die Fehler, die all solche "Weltretter" machen, erstens unterschätzt Du die Zusammenhänge im Ökosystem, und zweitens hast Du gar nicht genug Fachkunde, um solche Freisetzungen beurteilen zu können. Und dann gilt "was ich nicht weiß ...."
Immerhiin da bist Du in bester Gesellschaft, bei der Freisetzung von Organismen gilt nämlich bisher LEIDER!!! immer noch: wenn sich nach heutigem Wissen nichts Gegenteiliges nachweisen läßt, darf mans machen.


Ich kenne da zum Beispiel eine nette Pflanze namens Kudzu, im englischen auch z.B. Mile-a-minute-vine genannt. In einem englischen Forum habe ich sowohl pro als auch contra gelesen. Eingeführt wurde sie bei der hundertjährigen Ausstellung 1876 in Philadelphia, Pennsylvania, als Teil einer Anlage der japanischen Regierung.
Im Süden überwuchert sie viel Gelände, aber vor allem da wo sich niemand mehr um sie kümmert. Ansonsten hat diese Pflanze ziemlich günstige Eigenschaften: Liefert jedes Jahr Humus (in Winterkalten Gebieten), ihre Blätter sind ein ausgezeichnetes Futter, etc.

Diese Stickstoffbakterien, die benötigt werden, sind vielleicht ein Dutzend.
Was glaubst Du wieviele Bakterienarten in den letzten 30 Jahren hierher nach Deutschland mit Flugzeug, Schiff, Bahn und Auto eingeschleppt worden sind (auf Pflanzen, Menschen, Tieren, Waren)?
Und wir leben immer noch.
Wieviele Langzeituntersuchungen werden denn bei Genpflanzen oder Pestiziden gemacht?

Mais und Kartoffeln waren einmal Neophyten, aber Du sagtest ja, dass man solche die nützlich sind, behalten kann.

Zum Stickstoffkreislauf noch was: Die Nitrate im Grundwasser und in den Gewässern stammen von den Mineraldüngern und von der Gülle, weil sie wasserlöslich sind. Hätten alle Böden eine dicke Humusschicht wäre dieses Problem schon mal etwas kleiner. Warum weiß Du sicher selber.
Dazu kommt, dass in einem guten Humus nur relativ wenig an pflanzenverfügbarem Stickstoff vorhanden ist (Info aus "Die letzte Chance" von Annie Francé-Harrar, BLV GmbH München, 1950), weil die Bakterien im Humus diesen jeweils just in Time produzieren und an die Pflanze abgeben. D.h. insgesamt würde der Entzug von Stickstoff (bei der Herstellung) sogar deutlich zurückgehen, wenn man überall diese Bakterien einsetzen könnte.

Was die Bücher angeht: vielleicht solltest Du als erstes mal ein Buch über Systemtheorie, vernetzte Systeme und (dringend) eins über (deterministisches) Chaos lesen, damit kommst Du dem Boden (und überhaupt dem Ökosystem) wesentlich näher als mit dem nächsten kleinen Puzzleteilchen.


Also ich muß ehrlicher Weise sagen, dass ich von diesen Büchern sicher kein Einziges lesen werde, weil die sich alle viel zu trocken anhören. Freiwillig tue ich mir so was nach dem Lesen vieler Fachtexte im Studium nicht mehr an, nur noch gegen Bezahlung.

Stephan

P.S.: Gruss an Hans G, das war eine der wenigen Ausnahmen für die Zukunft :wink:
"You can fix all the world’s problems, in a garden." Geoff Lawton
StephanB
 
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