Erstmal rechtzeitig düngen ist völlig richtig. Das heißt nach Wetterbericht düngen, wenn es in den nächsten Tagen regnet und danach trocken bleibt, laut Wetterbericht...dann düngen, sonst abwarten. Halt immer am Wetter orientieren...
Eben nicht nach Wetterbericht sondern im Vorfeld. Wenns Trocken ist nützt weder die lapidare Blattdüngung noch der Dünger der auf dem Boden dahingammelt. Zudem hast dadurch schon einen Vorsprung der Wurzelmasse.
Aber gerade bei trockenen Bedingungen benötige ich lange Halme, da die Halme immer noch zuletzt stehen bleiben und noch assimlieren, wenn die Blätter anfangen zu vertrocknen.
Nein genau das Gegenteil. Bei Trockenheit brauch ich kurze Halme.
Für den letztendlichen Ertrag ist zu 50% das Fahnenblatt zuständig. Zu je 20 -25 jeweils die Ähre und das F1, das F2 noch zu 10%. Der Halm trägt sicher nichts zu bei. Ist nicht mehr als eine Wasser und Nährstoffleitung.
Zudem ist meines Erachtens die Verdunstung durch die Halme geringer (hab da aber keine Quelle für, ist jetzt nur eine Vermutung von mir). Als weiterer Punkt kommt hinzu, dass du mit solch hohen Mengen CCC die Alterung des Getreides stark herauszögerst. Sprich: der Bestand kommt später zum Ährenschieben, Blüte und in die Kornfüllung. Je später, desto trockener und heißer ist es jedoch im Normalfall!
Bei langen Halmen ist der nutzlose Wasserverbauch eindeutig und wesentlich höher. Schneide einen Halm ab und leg ihn an die Sonne. Somit kannst du erkennen wie hoch der Wasserverbrauch eines nutzlosen zu langen Halmes ist. Der einzige Vorteil eines langen Halmes ist der geringere Krankheitsdruck der dadurch höheren Ähre.
Das es zu einem späteren Zeitpunkt generell trockener wird würde ich nicht sagen. Die letzten Jahre war es im Frühjahr am trockensten. Ist dies der Fall hat der Getreidebestand durch die spätere Kornfüllung mehr Wasser. So war es zumindest bei uns die letzten Jahre. Aber das läßt sich im Vorfeld nicht vorhersagen. Und wenn schon. Wieviel später ist die verzögerte Alterung in diesem Stadium ? Das sind vielleicht 2 Tage, höchstens 3. Was sind schon 2 oder 3 Tage ? Verzögerte Alterung bedeuted eine längere Kornfüllungsphase, imho wieder ein Vorteil.
Zur Austrocknung: Was sind bei dir dünne Bestände? Also ich glaube kaum, dass ein Bestand von 350 Halmen oder von 700 Halmen da ein großen Unterschied ergibt, wie stark der Boden durch Wind austrocknet. Falls eh schon die obersten 5 bis 10 cm ausgetrocknet sind, kann da eh nich mehr viel passieren.
Das wichtigste bei Trockenheit und dichten Bestände ist im Vorfeld eine eine sehr hohe N Versorgung.
Durch dünne Bestände brennt die Sonne direkt auf den Boden. das ist schonmal ein gewaltiger Temperaturunterschied während des Tages auf dem Boden und noch schlimmer die Rissbildung auf dem Boden. Allein schon der Temperaturunterschied am Boden sind Welten bei der Verdunstung. Selbst der trockene Wind trocknet obwohl die obersten Zentimeter des Bodens trocken sind, dünnere Bestände durch die schnellere Kapillarwirkung stärker aus. Der zieht regelrecht das Wasser aus dem Boden. Mit diesem eingespartem Wasser kannst einiges mehr an den dadurch ( CCC ) kürzeren Halme + Beschattung + Windschutz des Bodens versorgen. Zudem nehmen dichte Bestände die Wasserverdunstung teilweise wieder über die Blätter auf. Der einzige Vorteil einer geringeren Bestandesdichte ist wenns bei der Kornfüllung immer noch trocken sein sollte das höhere TKG. Aber darauf würde ich im Vorfeld nicht spekulieren.
Falls es dann nachher doch noch rechtzeitig viel Regen gibt, hast du bei deiner Strategie das Problem, dass du die Lagergefahr auch durch erhöhten Wachtumsreglereinsatz nicht mehr in den Griff bekommen wirst.
Wenns dann rechtzeitig regnet hab ich mit meiner Strategie und dichten Beständen schonmal mindestens 30 % Mehrertrag. Bleibts wirklich durchgehend trocken dann ists in beiden Strategien Kacke.
Bei Gerste könnte es mit Lager Probleme geben wenn du, eventuell zusätzlich auch noch zur Spätdüngung kopflos N streust und das noch ohne oder mit reduziertem Wachstumsregler. Bei meiner Strategie ist beides nicht zutreffend. Zudem hab ich geschrieben das dann die Gabe zu BBCH 37 sich bei mir reduziert oder ausfällt. Dazu braucht man Feingefühl oder einen N-Tester was beides nicht jeder hat. Gibt zudem noch Wachstumsregler als Feuerwehrmaßnahme in späteren Stadien die ich bei hervorragender Entwicklung und Beständen gerne einsetze.
Aber kannst deine Strategie ja gerne mal durchziehen...
Da ich immer das Maximun rausholen will und werde, kannst dir da sicher sein. Das macht ein Bekannter schon seit Jahren so und ich kenn dessen Erträge. Und weil ich dessen Bestände jedes Jahr ( auch dieses Jahr ) live im Vergleich zu den anderen ( dünnen Bestände mit deiner Strategie ) sehe, werde ich dessen Strategie übernehmen. Hauptsächlich eben aufgrund der immer häufigeren Frühjahrstrockenheiten.
