So geht Volksverblödung:
Kommentar von Hagen Strauss auf Seite 2 in der heutigen Tageszeitung:
Schmidts Geheimnis
Freiwillige Vereinbarungen sind ein beliebtes Mittel, wenn Politiker es nicht ganz ernst meinen oder in einer Gruppe hintertürchen offenlassen wollen. Stichwort Klimaschutz, Stichwort Frauenquote. Der Tierschutz kommt nun noch dazu. Warum ausgerechnet die Bauern freiwillig der Tierwohloffensive des Landwirtschaftsministers folgen sollen, bleibt das große Geheimnis von CSU - Mann Christian Schmidt. Der Agrarbereich ächzt ohnehin schon unter Brüssler Vorgaben, die nicht als Beglückung, sondern als Drangsalierung der Branche angesehen werden. Die Gewinnmargen sind klein, der Druck der Großhändler ist groß. Und vielen Verbrauchern isst das Billi- Schnitzel am Ende wichtiger als die Haltungsbedingungen für kleine Ferkel. Entsprechend sind die Produktionsmethoden, die immer stärker dem Prinzip der Massentierhaltung unterliegen. Der Tierschutz spielt da nur eine untergeordnete Rolle. Mit freiwilligen Appellen wird man hier jedenfalls nicht weiterkommen. Sicher, es gibt Kühe, die artgerecht gehalten werden, und Kücken, die eben nicht millionenfach zu Mus verarbeitet werden, nur weil sie männlich sind. Das ist aber nach wie vor die Ausnahme von der Regel. Umfassende Lösungen, mit denen das leid der Tiere auf das Mindestmaß des ökonomisch Notwendigen verringert werden kann, liegen auf dem Tisch. Das fängt bei deutlich kürzeren Transportzeiten an und hört bei einem klaren Schlachtverbot trächtiger Kühe auf. Man muss sie nur umsetzen wollen. Schmidts Vorschläge tragen dazu nur wenig bei.
