Hallo zusammen,
ich (Anfang 30) stehe aktuell vor einer für mich ziemlich verzwickten Situation und würde gerne eure Erfahrungen und Meinungen hören.
Zu den Eckdaten:
Meine Eltern sind beide Mitte/Ende 50, noch nicht in Rente und haben neben dem Betrieb noch etwas außerlandwirtschaftliches Einkommen. Ich habe Landwirtschaft gelernt, arbeite jedoch ebenfalls außerlandwirtschaftlich. Am elterlichen Betrieb arbeite ich regelmäßig mit und lebe aktuell am Hof. Am Betrieb fällt viel Arbeit an, erledigt wird aber "nur" das nötigste da aufgrund der außerlandwirtschaftlichen Tätigkeiten einfach die Zeit fehlt.
Grundsätzlich hätte ich Interesse, den Betrieb weiterzuführen und auch weiterzuentwickeln. Genau hier liegt aber das Problem:
Seit längerer Zeit wird immer wieder über Investitionen, Anpassungen, Gesellschaftsgründung und über eine mögliche Übergabe gesprochen, konkret passiert ist bisher wenig. Es steht immer wieder ein mittel-großes Bau-/Investitionsthema im Raum, während alles andere („Hofübergabe, Verantwortung, Eigentum, Geschwisterregelung“) offen bleibt - teilw. Begründung: Übergeber noch zu jung für eine Übergabe usw.
Für mich ist das schwierig:
– Ohne klare Perspektive und Absicherung möchte ich keine größeren Investitionen oder privaten Lebensentscheidungen (Job, Wohnen, Familie) treffen.
– Eine reine Mitarbeit oder Gesellschaftsform ohne klare Übergaberegelung gibt mir zu wenig Sicherheit.
– Gleichzeitig stehe ich privat an einem Punkt, an dem Entscheidungen anstehen (Wohnen mit Partnerin, eigener Lebensmittelpunkt, usw.).
Option A wäre: jetzt eine klare Regelung (Übergabe oder zumindest ein verbindlicher Übergabeplan) und dann den Betrieb konsequent weiterentwickeln.
Option B: keine Regelung → ich ziehe mich zurück, arbeite normal weiter und gestalte mein Leben unabhängig vom Betrieb.
Der Betrieb steht grundsätzlich solide da (gute Flächenausstattung, moderne Gebäude, überschaubares Fremdkapital), jedoch „Nebenbei mitarbeiten und hoffen, dass sich alles irgendwann ergibt“ möchte ich nicht mehr, auch weil die doppelte Arbeitsbelastung sehr hoch ist.
Meine Fragen an euch:
– Wart ihr in einer ähnlichen Situation?
– Hat jemand bewusst nicht übernommen oder erst deutlich später – und wie ist es ausgegangen?
– Ist es realistisch, erst in 10 Jahren zu übernehmen, wenn der Betrieb in der Zeit kaum entwickelt wurde?
– Wie seid ihr mit den Eltern bzw. ungeklärter Verantwortung/Eigentum umgegangen?
Mir geht es um ehrliche Einschätzungen aus der Praxis.
Vielen Dank

