Hallo
blöd nur, wenn sich auf eine ausgeschriebene Stelle keine Bewerber melden. Dann stimmt irgend was an dem Job nicht. Entweder ist es die Kohle (für das Geld mach ich das nicht), oder der Job ist so mies, dass ihn freiwillig niemand macht. Das ist genau die Situation, mit der wir es jetzt zu tun haben. Und dass Ärzte ihren Job zu mies finden, kann und konnte ich noch nicht beobachten.
Die Antwort der Politik ist nun "Zwangsverpflichtung", genau wie ehemals in der Täterä. Junge Ärzte sollen erst mal einige Jahre zwangsweise Dienst in den "Notstandsgebieten" am flachen Land tun, bevor sie an die "Fleischtöpfe in der Stadt" dürfen. Leider gibt es aber auch die Fleischtöpfe in der Stadt so nicht mehr, da die es ja eine Gebührenordnung (EBM genannt) gibt, wonach jeder Patient gleich viel bringt, egal wo er wohnt.
Und da ja auch Ärzte, die in der Niederlassungsphase sind, oft gerade eine Familie gegründet haben, haben die besseren Wohngegenden natürlich einen Vorteil. Die Frau sagt natürlich, warum sie in die Pampa gehen soll, und die Kinder sollen ja auch eine gute Schule haben. So gibt es ganz natürlich eine Konkurrenz und die attraktiven Standorte und die unattraktiven Standorte bleiben links liegen.
Was würde nun ein Unternehmer machen, wenn er eine Stelle unbedingt besetzen müsste, und die möglichen Bewerbe winken dankend ab. Richtig: Er würde die Stelle attraktiver machen und das geht bei uns nun mal über das liebe Geld!
Das gibt es zwar, aber nicht da, wo es für die Gesundheitsversorgung gebraucht wird, sondern es wurde beispielsweise in die HRE oder eine Landesbank gesteckt. Das oberste Ziel der Gesundheitspolitik heisst: BEITRAGSSTABILITÄT. Das heisst immer mehr Alte und kranke Menschen sollen zum gleichen Preis versorgt werden. Von dem Ziel der guten Behandlung spricht kein Politiker, und die Bevölkerung wurde nie gefragt, was ihr eine gute ärztliche Behandlung wert ist!
Und da der Arzt in seiner freien Praxis Unternehmer ist, muss er auch wirtschaftlich handeln. Und das heisst: Wer mehr zahlt, kommt zuerst dran und bekommt alle Leistungen für die er gutes Geld zahlt. Das ist Marktwirtschaft und die so oft beschworene Wirtschaftlichkeit.
Nach SGB V dürfen die Kassen nur die Leistungen zahlen, die A) Wirtschaftlich (im Sinne der Kassen wirtschaftlich), B) ausreichend (= Schulnote 4) und C) notwendig sind. Das heisst der Patient bekommt auf Kassenkosten nur die unbedingt erforderliche ausreichende Behandlung. Und wenn man die Wirtschaftlichkeit der Behandlung noch in den Vordergrund stellt, dann wäre es eben wirtschaftlicher dem Opa einen Rollstuhl zu geben und keine künstliche Hüfte, die er vielleicht nur noch 2 Jahre hat!
Für mich ist es klar, dass man entweder den Ärzten in ungünstigen Lagen die Möglichkeit geben muss, dass sie mehr verdienen wie an "besseren Orten" oder sie bleiben weg, oder wir führen die Dienstverpflichtung und Zwangsarbeit wieder ein.
Und wenn man einem Arzt, der volles unternehmerisches Risiko trägt, verbieten will, dass er unternehmerisch Handelt, dann ist der Vorschlag genau so hirnrissig, wie wenn man einem Bauern die Abliefer- oder Produktionsmenge vorschreiben wollte (und ihm dann sagt, der Preis wird irgendwann mal festgelegt)
Gruß

