Mal als "ähnlich-Betroffene"
Ich habe mich als Landwirtin mit 36 selbstständig gemacht, nachdem ich nach Ansicht der potentiellen Arbeitgeber wohl zu alt für meinen Beruf (Einkäuferin Computerzubehör) und für "minderwertigere Jobs überqualifiziert" geworden war.
Ich komme aus einer Landwirtsfamilie, der Hof wurde aber aufgegeben, bevor ich "Mitentscheidungsrecht" hatte - ich war 12, damals. Mitarbeit war damals selbstverständlich, den Begriff "Kinderarbeit" hob man sich für an Webstühle gekettete Inderkinder auf.
Auch ich habe etwas "anständiges lernen sollen" und auch ich hab das getan. Goßtierveterinärin wäre für mich eine echte Alternative gewesen, was meine Familie damals aber auch zum "Hände über dem Kopf zusammenschlagen" gebracht hat.
Ich habe - einfach weil es 2004 möglich war und ich einen Stall und genug Land bekommen konnte, begonnen, mir Kühe zugelegt und gelernt, gelernt, gelernt. Alle rundum haben nur gelacht.
Es wurden mehr Kühe, es wurde mehr Land, ich habe mehr gelernt - dann habe ich die Ausbildung als Betriebsleiter begonnen, später eine Ausbildung zum Klauenpfleger gemacht, meine Brötchen nebenbei auch als Betriebshelferin verdient und alles wieder in den Betriebsaufbau gesteckt...
Seit letztem Jahr bin ich fest im Sattel, den Betrieb läuft, beginnt wirklich Gewinn abzuwerfen, die Betriebsleiterausbildung werde ich in diesem Jahr abschließen und noch den Tierheilpraktiker anhängen - ich würde es jederzeit genau so wieder machen.
Eins war bei mir aber entschieden anders: Ich habe inzwischen erwachsene Kinder - da musste ich mich nicht mehr kümmern.
Das wäre für mich in deiner Frage der allereinzigste Schwachpunkt: hätte ich nicht teilweise 24 Std am Tag arbeiten können und das auch fest gewollt, hätte ich das alles nicht geschafft! Die eingesetzte Arbeitszeit der letzten Jahre habe ich für mich selbst notiert, einfach um zu wissen, wo ich stehe, aber hätte ich diese Zeit irgendwo gearbeitet, und Geld verdient, hätte ich vermutlich einen hohen finanziellen Gewinn, heute.
Dabei darf man aber eins nicht vergessen - ich habe meinen Betrieb begonnen, weil ich drei Jahre Arbeitslosigkeit mit über 700 Bewerbungen hinter mir hatte - ich war mir also sicher, ohnehin nirgendwo anders einen Job finden zu können. Von daher sehe ICH meine Arbeitsleistung als sehr rentabel an, da ich die nächsten 20-30 Jahre davon werde leben können, wenn ich nicht krank werde.

