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Soziale Landwirtschaft

Hier kann man über aktuelle Themen aus den Medien und Allgemeines der Landwirtschaft diskutieren.
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Re: Soziale Landwirtschaft

Beitragvon SHierling » Mo Jun 25, 2012 10:40

Ich sag ja nicht, daß es nicht Sozialbetriebe geben kann und sollte. Ich wehr mich nur dagegen, daß schon wieder "die Landwirtschaft" herhalten soll für eine Aufgabe, die normalerweise der Staat zu leisten hat, und das schon wieder so getan wird, als seien die Biobetriebe alles kleine Sozialengelchen, und die Normalbetriebe werden diffamiert, als bestünde da irgendeine Verpflichtung. Und auch wenn es bei dem ein oder anderen wirklich gut klappt, "Sozialleistungen" als Betriebszweig zu vermarkten, kann einfach nicht angehen, und die Einstellung: "Wenn es so nicht reicht, dann machen wir eben ein Heim / Pflegenest / Bereuung auf", ist meiner Ansicht nach genau die falsche, Sozialleistungen erbringt man, weil man es sich leisten kann, nicht umgekehrt. Selbstverständlich soll Betreuung (!) auch bezahlt werden. Aber Behinderte / sozial Schwache / Menschen mit Handycap als Einnahmequelle anzusehen, ist nicht mein Fall. Das ist dann das selbe wie die Betriebe, die ihre MA entlassen, weil die die Leistung über 1-Euro-Jobber billiger kriegen, und dann auch noch mit "Arbeitsplatzbeschaffung" Reklame machen.

Oder krass ausgedrückt: Ein normaler Betrieb, Bio oder nicht, tritt bei solchen Konzepten in Konkurrenz mit Betrieben, die ihre AK gefördert bekommen (da der Kunde die Sozialleistung ja nicht bezahlen muß, das tut ja der Staat).
Das führt nicht zu irgendeiner Art von Verbesserung, sondern nur zu Lohndumping und Preisverfall.
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Re: Soziale Landwirtschaft

Beitragvon Maulwurf_13 » Mo Jun 25, 2012 14:56

SHierling hat geschrieben:Ich sag ja nicht, daß es nicht Sozialbetriebe geben kann und sollte. Ich wehr mich nur dagegen, daß schon wieder "die Landwirtschaft" herhalten soll für eine Aufgabe, die normalerweise der Staat zu leisten hat, und das schon wieder so getan wird, als seien die Biobetriebe alles kleine Sozialengelchen, und die Normalbetriebe werden diffamiert, als bestünde da irgendeine Verpflichtung. Und auch wenn es bei dem ein oder anderen wirklich gut klappt, "Sozialleistungen" als Betriebszweig zu vermarkten, kann einfach nicht angehen, und die Einstellung: "Wenn es so nicht reicht, dann machen wir eben ein Heim / Pflegenest / Bereuung auf", ist meiner Ansicht nach genau die falsche, Sozialleistungen erbringt man, weil man es sich leisten kann, nicht umgekehrt. Selbstverständlich soll Betreuung (!) auch bezahlt werden. Aber Behinderte / sozial Schwache / Menschen mit Handycap als Einnahmequelle anzusehen, ist nicht mein Fall. Das ist dann das selbe wie die Betriebe, die ihre MA entlassen, weil die die Leistung über 1-Euro-Jobber billiger kriegen, und dann auch noch mit "Arbeitsplatzbeschaffung" Reklame machen.Oder krass ausgedrückt: Ein normaler Betrieb, Bio oder nicht, tritt bei solchen Konzepten in Konkurrenz mit Betrieben, die ihre AK gefördert bekommen (da der Kunde die Sozialleistung ja nicht bezahlen muß, das tut ja der Staat) Das führt nicht zu irgendeiner Art von Verbesserung, sondern nur zu Lohndumping und Preisverfall.

Da bin ich anderer Meinung. Erstens stellt sich die Frage was wir als Gesellschaft uns leisten wollen und es ist nicht die Aufgabe des Staates. Zweitens ist Urlaub auf dem Bauernhof oder das ausrichten von Kindergeburtstagen auch ein Betriebszweig vieler Landwirtschaftlicher Betriebe, weshalb soll es dann verwerflich sein Sozialleistungen als Betriebszweig zu etablieren.
Wie geschrieben ich kenne nur diesen einen Betrieb und für die ist das bisschen Landwirtschaft (10 Mastschweineplätze, 20 Mutterschafe, 3 Pferde (werden als Arbeitstiere voll genutzt) und ein paar Hühner sowie Kartoffelanbau und noch etwas Streuobst mit nichten eine Einkommensquelle die auch nur annähernd die Kosten decken könnte (sind immerhin zweieinhalb Pflegekräfte 24h 365 Tage das Jahr im Einsatz). Bei denen wird auch nicht in größter mittagshitze Kartoffelkäfer gesammelt und auch sonstige Arbeiten werden eher nach dem Bedürfnis der betreuten Menschen ausgerichtet. Zur Not wird der konv. Nachbar gefragt ob er ein zwei Fuhren Heu bei sich im Schuppen "zwischenlagern" kann und auch wenn die Betreuung der Menschen absolut im Vordergrund steht werden die Tiere sehr gut gehalten.
Bei der Betreuung von Behinderten Menschen das Wort Lohndumping anzuführen halte ich für daneben vorallem wenn man die Kosten kennt die zusätzlich noch entstehen. Auch sollBetriebe geben die so wie es dieser mir bekannte Betrieb es kommuniziert die Landwirtschaft als eines der vielseitigsten und schönsten Beschäftigungsfelder für behinderte Menschen darstellt. Jedoch wird in keiner Weise irgendwelche andere ordentliche Betriebe die von ihren Erzeugnissen leben müssen und deren Produkte diskreditiert.
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Re: Soziale Landwirtschaft

Beitragvon Nordhesse » Mo Jun 25, 2012 15:54

Das ganze mal historisch betrachtet: Früher waren viele behinderte Menschen auf den Betrieben untergebracht- manchmal gut, manchmal weniger gut. Dann hieß es: "Die werden dort ja alle ausgebeutet" also weg von den Betrieben und in speziellen Werkstätten untergebracht. Und jetzt, wo das ganze nicht mehr zu finanzieren ist wird gefragt, können wir nicht doch ein paar wieder bei den Bauern unterbringen.
Ist schon zwiespältig. Konkreter Fall, der mir nicht einleuchtet: Junger Mensch, ml. 17 Jahre. Sonderschule beendt. Körperlich voll leistungsfähig nur halt nicht so helle. Der wird jetzt jeden morgen mit einem Kleinbus abgeholt und 25 km in eine Einrichtung gefahren. Ein Landwirt ( hier hatte der Junge schon immer mal geholfen) hatte sich beim Betreuer des Jungen angeboten ihn für Verpflegung und Taschengeld einzustellen. Der Sozialverband hätte noch ca. 500 € im Monat drauflegen müssen, dann hätte der Junge sein Auskommen gehabt. Dies war aber alles nicht gewollt. Es wird auch und gerade im Sozialbereich häufig Geld ausgegeben, welches man auch sinnvoller verwenden hätte können.
Sicherlich kann man in modernen Betrieben schlecht mit geistig Behinderten arbeiten, aber es muss auch mal abgewogen werden, was geht und was nicht.
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Re: Soziale Landwirtschaft

Beitragvon Jochens Bruder » Mo Jun 25, 2012 16:15

Maulwurf_13 hat geschrieben:Bei der Betreuung von Behinderten Menschen das Wort Lohndumping anzuführen halte ich für daneben vorallem wenn man die Kosten kennt die zusätzlich noch entstehen. Auch sollBetriebe geben die so wie es dieser mir bekannte Betrieb es kommuniziert die Landwirtschaft als eines der vielseitigsten und schönsten Beschäftigungsfelder für behinderte Menschen darstellt. Jedoch wird in keiner Weise irgendwelche andere ordentliche Betriebe die von ihren Erzeugnissen leben müssen und deren Produkte diskreditiert.


Das sehe ich auch so. Einige Konvi-Freaks hier im Forum haben ein Problem damit, über den Tellerrand zu blicken. Eine funktionierende Gesellschaft definiert sich eben nicht ausschließlich durch in Geld bewertbare Leistungen.

Seit etwa einem Jahr beschäftigen wir auf unserer Farm einen leicht geistig zurückgebliebenen 17-jährigen jungen Mann. Der hat praktisch Null Schulbildung, solche Leute enden hier normalerweise als Rikschafahrer o.Ä. Vor einigen Monaten haben wir ihn unserem Baumschul-Facharbeiter als Helfer zur Seite gestellt. Inzwischen entwickelt er sich zum echten Spezialisten für Veredelung und Pflege von Zitronenbaum-Setzlingen. Das ist ein extrem kniffliger Job der handwerkliches Geschick und Mitdenken erfordert. Wenn das so weitergeht kann er sich bald gut bezahlte Jobs aussuchen.

Wir werden das noch einige Monate beobachten und wenn alles wie geplant läuft bevorzugt Behinderte einstellen. Nich aus Menschenfreundlichkeit sondern weil es gut für alle Beteiligten ist.
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Re: Soziale Landwirtschaft

Beitragvon SHierling » Mo Jun 25, 2012 16:19

Wie geschrieben ich kenne nur diesen einen Betrieb und für die ist das bisschen Landwirtschaft (10 Mastschweineplätze, 20 Mutterschafe, 3 Pferde (werden als Arbeitstiere voll genutzt) und ein paar Hühner sowie Kartoffelanbau und noch etwas Streuobst mit nichten eine Einkommensquelle die auch nur annähernd die Kosten decken könnte (sind immerhin zweieinhalb Pflegekräfte 24h 365 Tage das Jahr im Einsatz). Bei denen wird auch nicht in größter mittagshitze Kartoffelkäfer gesammelt und auch sonstige Arbeiten werden eher nach dem Bedürfnis der betreuten Menschen ausgerichtet. Zur Not wird der konv. Nachbar gefragt ob er ein zwei Fuhren Heu bei sich im Schuppen "zwischenlagern" kann und auch wenn die Betreuung der Menschen absolut im Vordergrund steht werden die Tiere sehr gut gehalten.


Wir reden aneinander vorbei. Was Du da beschreibst, ist ein Sozialbetrieb, der sich nebenbei ein schönes Hobby mit Tieren leistet. Sowas ist nett, und kann auch sehr sinnvoll sein. Mit "Landwirtschaft" haben 10 Schweine und 3 Pferde aber eher nichts zu tun (ok, es sei denn, der Kartoffelanbau sind ein ha mehr).

Bei der Betreuung von Behinderten Menschen das Wort Lohndumping anzuführen halte ich für daneben vorallem wenn man die Kosten kennt die zusätzlich noch entstehen.


Sieh das mal so: Du hast zwei Bioprodukte, gleicher Art, und gleiche Herstellung, gleicher Preis (sonst würde der Verkauf ja langfristig nicht klappen). Bei dem einen muß der Betriebleiter aber JEDE Arbeit selber leisten und ggf Hilfskräfte selber mit vollem Lohn bezahlen, beim anderen nicht. Ich hätte zB auch nichts gegen einen "Sozialbutton" auf den Produkten, denn dann landet die Sache wieder da, wo sie hingehört: der Kunde kann entscheiden, was ihm solche Betriebe Wert sind. Wenn das der Staat aber im Hintergrund tut, werden immer diejenigen benachteiligt, die - aus welchen Gründen auch immer - ohne staatlich finanzierte Mitarbeit (gilt genauso für Langzeit-Arbeitslose etc und gilt nicht nur in der Landwirtschaft) auskommen müssen. (Und wir wollen mal nicht hoffen, daß wie jeeee so viele Benachteiligte haben, daß "jeder sowas machen kann / muß".
Zuletzt geändert von SHierling am Mo Jun 25, 2012 16:35, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: Soziale Landwirtschaft

Beitragvon Ulikum » Mo Jun 25, 2012 16:28

NicoleS hat geschrieben:Hallo liebe Foren-Mitglieder,

neben der ökologischen ist auch die soziale Landwirtschaft weiter auf dem Vormarsch. Wer mehr darüber erfahren möchte:
http://www.maie-project.eu/index.php?id=2&L=10

Lg, Nicole


http://www.maie-project.eu/index.php?id=44&L=10
ich denke das sagt doch ganz klar um was es hier geht.
nicht die Landwirtschaft steht am Pranger sonder eindeutig die Politik.
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Re: Soziale Landwirtschaft

Beitragvon SHierling » Mo Jun 25, 2012 16:36

tyr hat geschrieben:Ab wann ist es, Deiner definition nach, eine Landwirtschft? Geht das neuerdings nach Hektar? Oder nach Anzahl der Tiere? Haltungs- oder Wirtschftsform?
Nach meiner Meinung ist es eben eine kleine Landwirtschft, aber eine Landwirtschaft.


Eine Landwirtschaft ist es dann, wenn der überwiegende Teil der Einnahmen aus dem Landwirtschaftlichen Betrieb stammt. Ein Sozialbetrieb ist es dann, wenn der überwiegende Teil der Einnahmen aus der Betreuung stammt.
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Re: Soziale Landwirtschaft

Beitragvon Ulikum » Mo Jun 25, 2012 17:19

SHierling hat geschrieben:Eine Landwirtschaft ist es dann, wenn der überwiegende Teil der Einnahmen aus dem Landwirtschaftlichen Betrieb stammt. Ein Sozialbetrieb ist es dann, wenn der überwiegende Teil der Einnahmen aus der Betreuung stammt.

Ich denke das trifft es schon sehr gut, wobei man aber nicht die Einnahmen sondern den Gewinn der einzelnen Betriebszweige zugrunde legen sollte.


schimmel hat geschrieben:Was machen wir, wenn 50% aus EU - Töpfen stammt?.....duck und wech :mrgreen:


Ist das nicht leider die traurige Normalität in der deutschen Landwirtschaft?
Immer unter der Aspekt Ausnahmen bestätigen die Regel.
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Re: Soziale Landwirtschaft

Beitragvon SHierling » Mo Jun 25, 2012 18:04

Ist das nicht leider die traurige Normalität in der deutschen Landwirtschaft?


Meinst Du , das wird besser, wenn man 100% Sozialleistungen dazutut?

Ich mein, ok, wenn ihr das alle soooo toll findet, bitte. Dann schaffen wir die profitable LW ganz ab, die Betriebe bekommen jeweils ein, zwei oder was gerade anfällt Bedürftige zugeteilt, dürfen nicht mehr als 10 Schweine auf die Wiese stellen (siehe Reinis anderen Thread), mit der Schubkarre umherfahren, weil der Hoflader zu geährlich ist, Kartoffelkäfer sammeln und dann finanzieren wir unsere Lebensmittel halt gleich komplett über die Krankenkassen und Steuergelder.

Dann können wir das aber auch gleich so regeln, wie Thomas Morus das schon vor 500 Jahren wollte: den Städtern, Bürohengsten, Nagelstudio-Ischen und "Wellness"-Fuzzis tut der Umgang mit der Natur und der Bezug zur Landwirtschaft ja nicht weniger gut, und die Bauern dürfen ja wohl auch iiiirgendwann mal ausspannen. Alle machen mit, immer schön im Wechsel, und wer nicht will, kriegt ne goldene Kugel ans Bein, damit er immer schön dran denkt, daß man Geld nicht essen kann....
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Re: Soziale Landwirtschaft

Beitragvon Maulwurf_13 » Mo Jun 25, 2012 18:08

SHierling hat geschrieben:Wir reden aneinander vorbei. Was Du da beschreibst, ist ein Sozialbetrieb, der sich nebenbei ein schönes Hobby mit Tieren leistet. Sowas ist nett, und kann auch sehr sinnvoll sein. Mit "Landwirtschaft" haben 10 Schweine und 3 Pferde aber eher nichts zu tun (ok, es sei denn, der Kartoffelanbau sind ein ha mehr).
Ja es sind 2 ha Kartoffeln und wie ich schon geschrieben hatte war dies die enzige vernünftige Lösung für den Betrieb weiterzubestehen. Denn Aufgrund der örtlichen Begebenheiten (mitten im Dorf) und das die vorherige Generation nur von der Substanz, sprich keine Betriebsentwicklung, lebten und somit ein vernünftiger Wachstumsschritt nahezu nicht finanzierbar war wurde diese Alternative entwickelt.

Sieh das mal so: Du hast zwei Bioprodukte, gleicher Art, und gleiche Herstellung, gleicher Preis (sonst würde der Verkauf ja langfristig nicht klappen). Bei dem einen muß der Betriebleiter aber JEDE Arbeit selber leisten und ggf Hilfskräfte selber mit vollem Lohn bezahlen, beim anderen nicht.
Da wenn ich Bioprodukte kaufe (bin sogar an der Supermarktkasse schon zurück gelaufen weil ich da erst ein Biosiegel auf der Ware entdeckte) diese eh nur von diesem Betrieb kaufe ist es mir egal. Auch nur in dem Fall wenn benachteiligte Menschen aktiv mit eingebunden werden ist die Bio Produktion sinnvoll. Alle anderen Formen der Biolandwirtschaft ist für mich Verschwendung.
Trotzdem machst Du mE einen Logikfehler. Wer schon mal mit behinderten Menschen gearbeitet hat (kann ich nicht beurteilen ob dies bei Dir der Fall ist/wahr) stellt schnell fest das in der Regel die Arbeit schneller vonstatten geht wenn man sie selbst macht. Damit meine ich nicht eine Tätigkeit die jeden Tag nahezu indentisch ist und keine Ablenkung vorliegt. Doch alleine das Bsp. Kartoffelkäfer absammeln war für mich, als ich mal aushalf sehr interessant. Dies war der erste Tag und man musste, obwohl die Menschen diese Arbeit letztes Jahr schon mal durchführten, alles wieder genau erklären. Doch nach der halben Reihe vergaß eine ihre Aufgabe weil ein paar nette Schmetterlinge um sie rumflogen. Soll heißen eine Arbeitserleichterung ist dies mit Sicherheit nicht.

ist auch in diesem Fall sind Ich hätte zB auch nichts gegen einen "Sozialbutton" auf den Produkten, denn dann landet die Sache wieder da, wo sie hingehört: der Kunde kann entscheiden, was ihm solche Betriebe Wert sind.
Ich will nicht noch so ein dämliches Siegel. Denn dann ist ja bald kein Platz mehr auf der Packung vor lauter Bio,Regional, Genfrei, Atomfrei, FSC, fairtrade, etc.
Der Betrieb soll einfach seine homepage auf die Packung schreiben so fern dieser so groß wäre das genügend Produkte vorhanden sind. Der mir bekannte hat keine, vermarktet alles direkt und dies eigentlich nur im Dorf und an die Verwandten der Mitarbeiter. Denn es sind nicht die Mengen und da kann ich jeden Tag sehen weshalb ich für meine Kartoffeln 10 cent mehr fürs Kilo bezahle.

Wenn das der Staat aber im Hintergrund tut, werden immer diejenigen benachteiligt, die - aus welchen Gründen auch immer - ohne staatlich finanzierte Mitarbeit (gilt genauso für Langzeit-Arbeitslose etc und gilt nicht nur in der Landwirtschaft) auskommen müssen. (Und wir wollen mal nicht hoffen, daß wie jeeee so viele Benachteiligte haben, daß "jeder sowas machen kann / muß".
Wenn Betriebe durch die Beschäftigung von behinderten Menschen tatsächlich einen Kostenvorteil hätten, dann würden dies viel mehr machen. Dem ist aber nicht so und in der ferneren Umgebung (20 km) gibt es zwei drei weitere Betriebe die ein oder zwei behinderte Menschen betreuen und auch hier kann ich keinen Kostenvorteil erkennen. In der Regel sind nämlich die Kontrollen zur Einhaltung bestimmter Standards bei der Beschäftigung von Behinderten schon gut und nur die schwarzen Schafe, die ihre Schützlinge ausbeuten, fallen auf.
Ich bleibe dabei, benachteiligten Menschen (damit meine ich nicht Arbeitslose) zu beschäftigen ist meiner Meinung nach ein interessanter Betriebszweig für Betriebe die aus irgendwelchen Gründen nicht wachsen können oder wollen (nicht jeder will z.B. 100+ Milchkühe betreuen). Dies kann aber nur dann gelingen wenn auf der anderen Seite eine freude vorhanden ist mit Menschen zusammenzuarbeiten und deshalb wird diese Form der sinnvollen eingliederung von behinderten Menschen auch nie nennenswerte Lohnvorteile erbringen wird
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Re: Soziale Landwirtschaft

Beitragvon SHierling » Mo Jun 25, 2012 18:18

Ich bleibe dabei, benachteiligten Menschen (damit meine ich nicht Arbeitslose) zu beschäftigen ist meiner Meinung nach ein interessanter Betriebszweig für Betriebe die aus irgendwelchen Gründen nicht wachsen können oder wollen


Jo. Und genau das klingt für mich einfach nur menschenverachtend, sorry.
"Wenns mit den Schweinen nicht mehr klappt, dann nehm ich halt Behinderte". Super.

Wie gesagt: ich hab nichts gegen vernünftige Sozialbetriebe. Wenn man sie sich leisten kann.
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Re: Soziale Landwirtschaft

Beitragvon Ulikum » Mo Jun 25, 2012 18:32

SHierling hat geschrieben:
Ist das nicht leider die traurige Normalität in der deutschen Landwirtschaft?


Meinst Du , das wird besser, wenn man 100% Sozialleistungen dazutut?

Ich mein, ok, wenn ihr das alle soooo toll findet, bitte. Dann schaffen wir die profitable LW ganz ab, die Betriebe bekommen jeweils ein, zwei oder was gerade anfällt Bedürftige zugeteilt, dürfen nicht mehr als 10 Schweine auf die Wiese stellen (siehe Reinis anderen Thread), mit der Schubkarre umherfahren, weil der Hoflader zu geährlich ist, Kartoffelkäfer sammeln und dann finanzieren wir unsere Lebensmittel halt gleich komplett über die Krankenkassen und Steuergelder.

Dann können wir das aber auch gleich so regeln, wie Thomas Morus das schon vor 500 Jahren wollte: den Städtern, Bürohengsten, Nagelstudio-Ischen und "Wellness"-Fuzzis tut der Umgang mit der Natur und der Bezug zur Landwirtschaft ja nicht weniger gut, und die Bauern dürfen ja wohl auch iiiirgendwann mal ausspannen. Alle machen mit, immer schön im Wechsel, und wer nicht will, kriegt ne goldene Kugel ans Bein, damit er immer schön dran denkt, daß man Geld nicht essen kann....


Aber Hallo

sind dir die Zündkabel durchgebrannt?
schalt mal die Lachgas Zufuhr ab
und komm mal wieder auf Normal runter.

der Thread heißt soziale Landwirtschaft,
und damit ist nach lesen des Links für mein Verständnis eine Einkommenstandbein für Landwirtschaftliche Betriebe gemeint.

Meine Frau arbeitet auch im Sozialen Bereich (Betreutes Wohnen) und das heißt noch lange nicht das wir Geld bezahlen damit sie arbeiten kann. Das Sie mit Ihrem Job Geld verdient ist klar, und keiner käme auf die Idee zu sagen Sie ist deshalb unsozial.
Also was soll das.
Zuletzt geändert von Ulikum am Mo Jun 25, 2012 18:39, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Soziale Landwirtschaft

Beitragvon SHierling » Mo Jun 25, 2012 18:37

Was hast Du gegen Utopia? Das läuft doch genau so, wie es hier angedacht ist?
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Re: Soziale Landwirtschaft

Beitragvon Qtreiber » Mo Jun 25, 2012 19:08

SHierling hat geschrieben:Aber Behinderte / sozial Schwache / Menschen mit Handycap als Einnahmequelle anzusehen, ist nicht mein Fall.


Ähmm, nur mal so am Rande gefragt:
Tun das Alten- und Pflegeheime und sonstige Betreuungseinrichtungen nicht auch ?
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