Hallo,
ich bin kein Landwirt, jedoch sehr interessiert und verfolge die Entwicklungen in D langsam aber sicher mit gemischten Gefühlen.
Mein Interesse/Begeisterung für Landwirtschaft entwickelte sich während meiner Jugend als ich auf Betrieben in Süddeutschland mit 20-30 Kühen, 30-50 Mutterschweinen,.... geholfen habe. Die meisten dieser Betriebe gibt es nicht mehr... Dafür gibt es dort nun Betriebe mit 600 Bullen oder 2.500 Mastschweinen+300 Muttersauen oder 20.000 Puten+PV..... Tragische Ereignisse. Suizid eines Vorzeigelandwirts mit 2 kleinen Kindern....
Auf der einen Seite fasziniert mich die technische Entwicklung in der Landwirtschaft wie offene Ställe, Melkroboter, Schlepper, die GPS gesteuert sind.....
Auf der anderen Seite befremdet es mich, wenn ich Tridem-Gülle-Gespanne sehe, die Tag und Nacht unterwegs sind und die Unmengen von Gülle/Gärresten ausbringen, die Mais-Monokulturen und Berichte lese wo von einem "Traditionshof" geschrieben wird, bei dem EIN Stall mit 8.000 Mastschweinen abgebrannt ist...
Urlaub in Österreich:
Dieses Jahr waren wir in den Bergen von Österreich. Mir kam es vor als wäre ich in meine Jugend zurückversetzt worden. Höfe mit 15-50 Kühen, die auf der Weide oder Alm stehen. Schlepper um die 100 PS, meist Ein-Achs-Anhänger, ganz selten mal Tandem,.... Der größte Schlepper war ein Fendt 820 mit neuem Pöttinger Tandem Ladewagen.... Die Güllefässer maximal 6.000l..... Und die Höfe sahen wie aus dem Ei gepellt aus - genau so wie meine Erinnerungen aus meiner Kindheit/Jugend.
Dann konnte ich noch mit einem 14-jährigen Praktikanten auf einem Betrieb mit 21 Milchkühen sprechen. Er zeigte mir einen Melkstand für 3 Kühe und erzählte mir stolz, dass die Kühe im Schnitt 5.000 l/Jahr geben.,,,, Er will den Hof seines Onkels übernehmen - 35 Mutterkühe.....
Warum gibt es das in Deutschland nicht mehr?
Ja ich weiß, in AT bekommen die sicherlich Gelder für die Berg- und Almwiesen....
Aber für was bekommen die "Landwirte" in D das Geld?
* Holländer, die in Ostdeutschland Mastanlagen aus dem Boden stampfen
* Industrielle, die Ihre Gelder in die Landwirtschaft investieren, um dann professionell Förderungen abzugreifen
* In meinem Heimatdorf, das im Speckgürtel einer Metropole liegt werden große neue Maschinenschuppen für Nicht-Haupterwerbsbetriebe..., die seit Jahrzehnten nichts mehr mit Landwirtschaft zu tun haben, aber Bauplätze verkauft haben, Immobilien gebaut und vermietet haben. Die Schuppen werden nun für Wohnmobile, Oldtimer ua genutzt
Als Steuerzahler habe ich den Eindruck, dass wir hier ein massives Problem beim Verteilen der Subventionen haben.
Ich bin bereit Steuern zu zahlen, um eine schöne Kulturlandschaft für meine Kinder zu erhalten, zu der eine gesunde familienorientierte Landwirtschaft gehört - siehe Österreich. Aber ich bin nicht bereit von meinem verdienten Geld Holländer, Industrielle, sonstige Nutznieser zu subventionieren, die die Kulturlandschaft verschandeln UND die Böden mit Gülle und Glyphosat töten.
So, das musste ich leider mal los werden, da mich die Entwicklung der deutschen Landwirtschaft einfach traurig macht und ich in Österreich den Eindruck hatte, dass es auch anders geht.

Ein Botaniker ist sowas wie ein Cowboy, der auf einem Pony reitet