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Brüssel und der Milchmarkt

Hier hat alles Platz was mit Agrarpolitik und drumherum zu tun hat.
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Brüssel und der Milchmarkt

Beitragvon Cairon » Do Jan 22, 2009 18:09

Heute morgen Stand in der Zeitung, das Brüssel den EU-Milchmarkt durch Exportbeihilfen stützen will. Kann mir mal einer erklären was das jetzt soll? Erst wird die Quote hoch geschraubt und Preisdruck erzeugt. Nun da der Preisdruck da ist sollen Steuergelder eingesetzt werden um den Weltmarkt noch weiter mit Milchpulver zu Niedrigstpreisen zu überschütten. Er vor kurzem lief auf N24 wieder ein Bericht, dass es sich für afrikanische Bauern nicht lohnt zu melken, weil man Milchpulver aus der EU durch Exportbeihilfen billiger kaufen kann wie Frischmilch und dieser Effekt soll jetzt erneut verstärkt werden. Wäre es da nicht schlauer gewesen die Quoten dort zu lassen wo sie waren?
Und hat der Staat nicht davon gesprochen die Milchbauern den Kräften des Marktes auszusetzen, warum springt Brüssel jetzt bei der Milch in die Bresche? Wenn es dann aber zum Beispiel um Kartoffeln oder andere Märkte geht, da kommt niemand und macht Portmonee auf. Kann mir mal jemand die Logik hinter diesem Handeln erklären?
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Beitragvon Meck-Pommer » Do Jan 22, 2009 19:27

Niemand kann das.

Aber einige Milchbauern wird es bestimmt freuen. In der Elite ist ein Artikel über das "grüne Dreieck" (Elbe-Weser Dreieck). Es ist ja erstaunlich, wie dort die einzelnen Betriebe aufstocken. Einer der dort Interviewten, er kommt übrigens aus deinem Landkreis, hat 2006 rund 110 Kühe gemolken. Laut Elite will der auf 400 Kühe expandieren!
Täusche ich mich, oder werden viele dort größenwahnsinnig?

Back to topic...
Die Milchmarktpolitik der EU ist komplett konfus.
Ich muss aber auch sagen, dass mir die Exportbeihilfe, falls sie denn kommt, lieber ist als gar nichts.
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Re: Brüssel und der Milchmarkt

Beitragvon schakschirak » Do Jan 22, 2009 21:08

Einer der dort Interviewten, er kommt übrigens aus deinem Landkreis, hat 2006 rund 110 Kühe gemolken. Laut Elite will der auf 400 Kühe expandieren!
Täusche ich mich, oder werden viele dort größenwahnsinnig?


Frag mal Cairon, der hat vor der Haustür einen mit 800 Kühen, da ist ja der mit 400 schon ein Auslaufbetrieb.




Cairon hat geschrieben:. Kann mir mal jemand die Logik hinter diesem Handeln erklären?


Das System ist von der EU ganz genau durchdacht worden und very simple.
Die EU hat 2 Grundvoraussetzungen was den Landwirt betrifft, erstes : günstige Lebensmittel und zwar DAUERHAFT, dies schaffen sie durch die Mengenerweiterung bei Milch, Aufhebung der Stillegungsfläche :arrow: Getreidepreis fällt usw., das bringt Preisdruck mit sich, wems zuwenig Einkommen ist, kann ja wachsen : Problem, der Preis fällt nochmals ( wird ja mit Stallbauförderungen auch noch gefördert )

Damit nicht genug, Punkt 2 ist der EU genausowichtig : Den Landwirt zu steuern, ich bezeichne es immer als Marionette ( ist der Landwirt ). Da der Landwirt aufgrung günstigster Nahrungsmittel nicht überlebensfähig ist und die nächsten Jahrzehnte auch nicht sein wird, gibts Prämien, Flächenbeihilfen, Exportbeihilfen ( das auch die ausländische LDW ruiniert wird durch unser Überangebot :roll: und auch Prämien benötigt ), Zuschüsse heute wieder einen Milchfond und morgen wieder was anderes. das macht die EU aber nicht, weil sie Mitleid mit den Bauern hat, sondern weil sie zeigt wo es langgeht. Der Landwirt wird hier behandelt wie ein Kingergartenkind, es wird rein alles vorgeschrieben und kontrolliert und wenn nötig Prämien gekürzt, bei Wiederholungen, droht ein Ermittlungsverfahren. Diesen Kontrollapparat können sie nur aufrechterhalten, indem die Preise schlecht sind und die Landwirte auf die EU angewiesen ist.
Da steckt System dahinter. Sie klauen dem Bauern das Schnitzel und werfen ihm ein paar Brotkrümel zu. Das ist von der EU wohl überlegt und gezielt so durchgeführt worden, auch in der Zukunft. So haben tausende Beamte Ihren sicheren Job.
Das nächste, wenn die Landwirte vom Markt ein ausreichendes Einkommen erzielen würden und auf Förderungen, Anträge, Kontollapparat der EU verzichten könnten, was sollen dann die tausenden Beamten machen und wer bezahlt die ? Wohin mit den zig Millionen die jetzt der Verwaltungsapparat verschlingt ? Wer könnte dann dem Landwirt vorschreiben wann er was zu machen hat, würde nicht funktionieren ?
Nun ist auch noch ein großer Teil der Landwirte, der EU dankbar da sie ja mit Prämien deren überleben sichern. Was soll man dazu sagen :lol:
Ich glaub nicht drann, dass ein großteil Landwirte dieses einfache System jemals verstehen wird und irgendwann in der Lage sein wird, sich zumindest EU-weit zusammenzuschließen und dagegen anzukämpfen, wie es in jeder Wirtschaftsbranche üblich wäre, wie z.b. die schon oft angesprochene OPEC ( Mengendrosselung Öl ). Aber stimmt ja, sowas darf der böse Landwirt nicht, er kann ja stattdessen wachsen :roll: was wiederum den Preis........
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Beitragvon Cairon » Do Jan 22, 2009 21:52

@Meck-Pommer

400 Kühe sind doch noch gar nichts, einen Landkreis weiter hat ein Bauer gerade die Aufstockung auf 800 Kühe abgeschlossen. Die haben hier alle aufgestockt auf Teufel komm raus. Als die Milch 40 ct gekostet hat haben alles was rein kam gleich wieder in die Ställe und die Quote gesteckt. Nicht wenige habe so investiert, dass sie zur Bank mussten um Geld für ihr Steuervorauszahlung zu organisieren. Das war hier die reinste Euphorie und viele haben wohl wirklich gedacht die 40 ct würden die nächsten Jahre halten. Das Landvolk tut auch seinen teil dazu, ich habe mit Milch zwar nichts zu tun aber das Thema kommt ja fast auf jeder Versammlung hier auf den Tisch und das Landvolk treibt die Bauern dazu weiter aufzustocken. "Nirgendwo in Deutschland kann man Milch so gut und günstig produzieren wie im Elbe-Weser-Dreieck," oder "Die Quoten wandern schon seit Jahren von Süden nach Norden und so wird es weiter gehen." Solche Parolen kommen fast immer auf den Tisch. Es ist ja auch so, dass die Ausgangslage hier recht gut ist, aber bei den Fremdkapitalquoten die einige hier fahren würde mir der Hintern auf Grundeis gehen.

@schakschirak

Da hast Du was wahres geschrieben, in die Richtung habe ich auch schon oft gedacht. Billiges Brot fürs Volk und den Bauern knebeln und kontrollieren.
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Re: Brüssel und der Milchmarkt

Beitragvon H.B. » Do Jan 22, 2009 22:04

Cairon hat geschrieben:Heute morgen Stand in der Zeitung, das Brüssel den EU-Milchmarkt durch Exportbeihilfen stützen will. Kann mir mal einer erklären was das jetzt soll?


Das kann man. In erster Linie gehts darum, die Quote abzuschaffen, weil sie unter anderem auch gegen internationales Recht verstößt, und die Bauern jahrzehntelang ein Vermögen gekostet hat. Um die Quotenpreise bis zum Auslaufen senken zu können, und sie damit langsam wertlos zu machen, musste sie erhöht werden, oder die Superabgabe gesenkt. Weil das erstere die Bauern weniger kostet, wurde das beschlossen.
Eigentlich wäre alles nach Plan gelaufen, hätte der BDM nicht durch Blockaden die weiterverarbeitende Industrie gezwungen, Milch aus ihren Rezepturen herauszunehmen. Diese Menge wird seit dem letzten Sommer vor uns hergeschoben und baut sich ständig auf, obwohl im Zeitraum weit weniger produziert und verkauft wurde, als im Vorjahr.

Dadurch ist der Preis weiter eingebrochen, als die Kommission es zulässt. Würde die Quote jetzt gekürzt, würden die Erzeugerpreise nicht stabilisiert, und die Quotenpreise ins unermessliche getrieben. Das gilt es mit diesem kurzfristigen Notprogramm zu verhindern.

Diese kurzfristigen Marktstützungen werden keinen Hunger in irgendeinem Land auslösen, dort ist es ehr das Problem, daß sich die Bevölkerung keine Lebensmittel leisten kann, weil die Rohstoffpreise die sie in harter Währung trifft mit Klopapierwährung mit tw. 73,2% Inflation in der Sekunde nicht bezahlt werden können.

Fendt liefert meiner Ansicht nicht für Simbabwe-Dollar, die Saudis leider auch nicht. Zudem stünde diesen Ländern nichts im Wege, Importzölle zu erheben, welche sie vermutlich in "Naturalien" von Heckler&Koch ausbezahlt bekommen.

Niemand der Nahrungsmittel produziert, ist für Hunger verantwortlich.

@schack, da ist keine Verschwörung im Spiel.
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Beitragvon schakschirak » Do Jan 22, 2009 22:08

Cairon hat geschrieben:@schakschirak

Da hast Du was wahres geschrieben, in die Richtung habe ich auch schon oft gedacht. Billiges Brot fürs Volk und den Bauern knebeln und kontrollieren.


Cairon, dass der Landwirt, nicht nur die Milchviehhalter diese Situation kommentarlos hinnimmt, liegt an der von mir schon oft beschriebenen Gehirnwäsche. Dem Menschen wird jahrzehntelang eingeredet das Nahrungsmittel selbstverständlich und somit ein Billigprodukt sind. Der Landwirt glaubt es irgendwann selber und ergibt sich der Situation und liefert, wenns sein muss auch mit einem roten minus.
Du bist zwar kein Milchviehhalter, aber lies mal meinen vorletzten Beitrag im Rindertreff unter : Lieferstreik unter Schaber, durch. Da hab ich verständlich beschrieben, was eine Gehirnwäsche anrichten kann und die betroffenen merken es nichtmal. :wink:
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Beitragvon H.B. » Do Jan 22, 2009 22:20

Schack, die Gehirnwäsche funktioniert nur bei jenen, die nichtmal das Konzept des BDM verstehen und folglich auf dessen Mitgliederliste stehen.
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Beitragvon Meck-Pommer » Do Jan 22, 2009 22:27

Ich denke nicht, dass es eine Gehirnwäsche ist.
Mal ehrlich, wenn ich den alten Bauern aus meinem Heimatdorf im tiefsten Niedersachsen zuhöre...
Die liefern ihr Getreide ab, die liefern die Milch ab, die liefern die Bullen ab. Keiner hat je ans Vermarkten gedacht. Da ist es für alle Anderen (ob nun Molkereien, Discounter, EU...) doch nur ein leichtes, die Bauern als Spielball zu benutzen.
Liefergemeinschaften, Direktvermarkter und auch der Milchlieferstop sind da die ersten Bewegungen der Bauern, die in der Beziehung etwas weiter denken. Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel.
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Re: Brüssel und der Milchmarkt

Beitragvon schakschirak » Do Jan 22, 2009 22:27

H.B. hat geschrieben:[Eigentlich wäre alles nach Plan gelaufen, hätte der BDM nicht durch Blockaden die weiterverarbeitende Industrie gezwungen, Milch aus ihren Rezepturen herauszunehmen. Diese Menge wird seit dem letzten Sommer vor uns hergeschoben und baut sich ständig auf, obwohl im Zeitraum weit weniger produziert und verkauft wurde, als im Vorjahr.

.


HB

du hast doch geschrieben der BDM ist verantwortlich das der Milchpreis um die 5 Cent tiefer ist ?
dann ist auch der BDM dafür Verantwortlich, dass die Industrie wieder vom Pflanzenfett auf Milchfett umsteigt und den Milchverbrauch ankurbelt, also NICHT Schuld ??

Die Industrie hatte schon VOR dem Milchstreik begonnen die Rezepturen umzustellen, da der Milchpreis in kürzester Zeit nach oben schoss. Die Presse, z.b. Bild machte auf der Titelseite auch noch die Verbraucher konfuss, mit unmöglichen Parolen, z.b. Preisschock, das Quasi schon bald alle verhungern müssten. Und das bei gerade mal gerechtfertigten Preisen, wie ich meine.

Als der BDM streikte, war der Milchpreis schon wieder auf dem Rückzug, die Pläne für die Umstellung wurden viel früher getroffen.

Das die EU 25 Jahre nicht fähig war, den Sofamelkern die Quote zu entziehen, ist ein weiteres Armutszeugniss. Die Quote hätte von der EU sofort bei Aufgabe eingezogen gehört. Demjenigen, der den Betrieb erweitert hätte man sie kostenlos übergeben können. Da war die EU einmal mehr unfähig.
Das System der flexiblen-Mengensteuerung, ist durchaus ohne Sofamelker und ohne Quotenkauf durzuführen, nur müssen die Verantwortlichen auch wollen UND es geht nicht nur in Deutschland, das hatten wir ja schon. :wink:
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Beitragvon Meck-Pommer » Do Jan 22, 2009 22:29

H.B. hat geschrieben:Schack, die Gehirnwäsche funktioniert nur bei jenen, die nichtmal das Konzept des BDM verstehen und folglich auf dessen Mitgliederliste stehen.


Lass doch mal diese ewig Hetze! Dass Du den BDM am liebsten Steinigen würdest, wissen jetzt wohl schon alle.
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Beitragvon schakschirak » Do Jan 22, 2009 22:33

Meck-Pommer hat geschrieben:Die liefern ihr Getreide ab, die liefern die Milch ab, die liefern die Bullen ab. Keiner hat je ans Vermarkten gedacht. Da ist es für alle Anderen (ob nun Molkereien, Discounter, EU...) doch nur ein leichtes, die Bauern als Spielball zu benutzen.
.


wie gesagt, entweder das Geld was die verdienen oder verdient haben reicht ihnen und sie brauchen oder wollen nicht mehr, sind also zufrieden. Warum sollten sie dann mehr verlangen ?
Möglichkeit 2. Es liegt eine Gehirnwäsche vor. Sie wollen zwar mehr. Aus irgendwelchen Gründen bekommen oder verlangen sie aber nicht mehr Geld.
Es wird ja auch kein Raucher zugeben, dass er wegen einer Gehirnwäsche raucht, er hat viele andere ausreden.
Bei den Bauern fehlt es auch Allgemein an der Vermarktung, dass gehört in der Ausbildung geändert. Aber noch wichtiger, sie müssen den Mut haben, an dem System ( Verkaufen um jeden Preis ) was zu ändern, sonst hilft auch eine gute Marktwirtschafts-Ausbildung nichts.
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Beitragvon Cairon » Do Jan 22, 2009 22:52

@schakschirak

Es ist ja schön wenn man vom Abliefern zum Vermarkten will, aber wie soll das denn klappen? Um vermarkten zu können braucht man mehrere Abnehmer oder ein alternatives Vermarktungsverfahren. Wenn ich jetzt mal von unseren Mastschweinen ausgehe, es gibt etwa noch 270 Schlachtunternehemen in Deutschland die Schweine schlachten, davon sind 10 noch wirklich preisrelevant, Tönjes und Best Meat machen über 33% der deutschen Schlachtschweinemarktes. Wir vermarkten unsere Schweine über eine Absatzgenossenschaft, allerdings haben die auch Probleme Vermarkutungsalternativen auf zu tun. Entweder Du lieferst oder die wachsen die Schweine aus der Schlachtmaske, eine wirklich Vermarktung ist da kaum möglich. Man könnte es höchstens mit Direktvermarktung probieren, ich habe das bei meinem Vetter gesehen, die Kosten für Personal und Hygiene fressen Dich ganz schnell auf. Bei Milch, Kartoffeln, Getreide usw. ist es doch auch nicht viel anders. Es gibt einfach keine Alternativen zu den üblichen Abnehmern. Einen Teil unserer Kartoffeln verkaufen wir direkt ab Hof, aber da sind was die Masse angeht auch grenzen gesetzt. Gerade da bei uns in der Gegend die Arbeitslosigkeit recht hoch ist, ist es schwer Leute dazu bewegen Premium-Marken zu kaufen und diese am Markt zu etablieren. Möglicherweise hast Du ja ein paar Ideen wie ein richtige Vermarktung aussehen könnte, für neue Denkanstöße bin ich immer sehr dankbar.
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Beitragvon Mr.T. » Do Jan 22, 2009 23:01

Unser MEG-Vorstand sagt immer, wir Farmer müssen uns zusammenschliessen, am besten alle. Das Ziel muss sein, daß der Unternehmer den Preis bestimmt, nicht der Abnehmer wie Molkerei, Landhändler oder Schlachthof. So ists ja in anderen Branchen auch üblich, der Mechaniker repariert deinen Schlepper für ca. 50 Euronen/Std, wenns zu teuer ist nimmst ihn wieder kaputt mit. :cry: oder Tierärzte haben auch Ihre Preistabellen, darunter macht er nichts.
Aber das ist alles nicht so einfach :cry:, die Milch muss jeden Tag verkauft werden.
Das nächste, die EU wird den Steuerknüppel nicht aus der Hand geben, was die Milch betrifft, die machen was die wollen.
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Beitragvon schakschirak » Fr Jan 23, 2009 0:29

Cairon hat geschrieben:@schakschirak Möglicherweise hast Du ja ein paar Ideen wie ein richtige Vermarktung aussehen könnte, für neue Denkanstöße bin ich immer sehr dankbar.

Ist jetzt viel zu lesen, kürzer gehts leider nicht. 8)
Nehmen wir mal die Milch als Beispiel. Weltweite Steuerung wäre das beste, wird aber kaum möglich sein, also dann Europaweit. Die noch gepachtete Milch, wird dem Sofamelker sofort entzogen und auf den melkenden Kostenlos übertragen ( wichtigste Voraussetzung ).Ist möglich da die EU die Quote eingeführt hat, somit kann sie auch wieder entzogen werden. Jetzt haben die melkenden Betriebe ihre Quote und melken. Wird mehr Milch benötigt wird die flexible Mengensteuerung erhöht ( % je Betrieb ), oder gekürtzt je nach Bedarf in der EU. Kann Übermilch in Drittländer problemlos abgesetzt werden da sie benötigt wird, wird die Milchmenge sofort weiter flexibel erhöht ( dies Erfolgt % der jeweiligen Quote ).
Hätten Drittländer zuviel Milch und wollen in die EU liefern wird dies nur zugelassen, solange die Milch in der EU nicht erzeugt werden kann, kann die EU wieder 100% des Verbrauchs erzeugen, erfolgt keine Einfuhr mehr aus Drittländer. Wird wiederum in Drittländer keine Milch benötigt, darf in der EU nicht mehr als 100% des EU Verbrauchs geliefert werden, da außerhalb der EU nichts benötigt wird. Umgekehrt, EU-Drittländer, ists also immer dasselbe, je nach Verbrauch.
Im Prinzip kann immer der EU-weite Verbrauch in der EU abgabefrei erzeugt werden, kann Milch in Drittländer abgesetzt werden, ist dies sofort möglich ( flexible Mengenerhöhung ). Umgekehrt ( Aus Drittländer in EU ) wieder genauso aber nur wenn sie benötigt wird, klar.
Sollten sich Drittländer oder EU nicht an die Aus-Einfuhr halten, wird eine Zollsteuer mind. in Höhe des Milchpreises zugunsten der Staatskasse fällig ( Ähnlich wie Zollsteuer auf Zigaretten bei Einfuhr ). Somit hält sich jeder daran, wenn nicht wird die Zollsteuer weiter erhöht. Genauso Überlieferungen innerhalb der EU.
Die Landwirte müssen laufend benachrichtigt werden, wie es am Markt läuft, sprich mehr oder weniger liefern, ebenso wie über den Ausblick der nächsten Monate. Wenn einzelne Betriebe Ihre Kapazitäten ausgelastet haben, können die anderen EU Betriebe mehr liefern, solange die Menge problemlos absetzbar ist. Hört ein Milchviehhalter auf, wird die Quote ersatzlos eingezogen und an Wachstumsbetriebe kostenlos verteilt. Diese Steuerung und genaue Marktbeobachtung kann eine neutrale, unabhängige oder evtl. staatliche Stelle, in Verbindung mit Bauernvertetern übernehmen, unter Berücksichtigung eines Milchmindestpreises. In Zusammenarbeit mit den Molkereien, MIV, Einzelhandel um den Markt zu beobachten. Hier muss die Marktentwicklung genau analysiert werden, sowie der Landwirt ständig informiert werden um ihm kurzfrisitge Planungssicherheit zu geben.
Es kann also unter Umständen an manchen Jahren nur 90% der Quote geliefert werden, in anderen Jahren 110 % oder unbegrenzt, je nachdem was der Markt verträgt, aber nicht unter dem Mindestpreis ( der ergibt sich aber in der Regel von selber, da kein Überangebot am Markt ist ). Dieses Steuerungssystem wird in allen Wirtschaftsbereichen so angewandt und kann nur so funktionieren.
Dies ist nur mal eine grobe Überlegung und überarbeitungsfähig, aber auf jeden Fall besser als die derzeitige und zukünftige sinnlose "Marktzuschüttung"
Notfalls muss so ein Plan ( s.o.) mit einem solidarischen Milchstreik an die Regierung und EU gerichtet durchgesetzt werden. Wenn der öffentliche Druck ( Nahrungsmittelvernichtung durch Streik) dann zu hoch wird, würde die Regierung gesprächsbereitschaft zeigen, da bin ich sicher. Ein Streik, an die Molkereien gerichtet ist der falsche Weg, die können auch nichts ändern. Wichtig wäre eine hohe Streikbeteiligung EU-weit, sonst ist sowas nicht durchsetzbar und genau darin liegt das Problem. Aber es geht nur mit Druck ( Milchstreik ) auf die EU, Staat zum Systemwechsel.

Sind jetzt nur ein paar Zeilen, aber mit Sicherheit wäre dieses System wirksamer, als daß, was die Wasserköpfe in der EU zustande bringen und dafür Millionen Gelder kassieren :!:
Was noch ein Problem darstellt, der BDM hat das "Streikpulver" beim ersten mal mit sinnlosen Forderungen ( D-weit ) verschossen, was einen neuerlichen EU-weiten Streik vorläufig erschwert. Dieser Verein ( BDM, EMB ) ist wiederum der einzige, der einen Systemwechsel in Angriff nehmen könnte, Vorausgesetzt mit richtigen Forderungen.
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Beitragvon xyxy » Fr Jan 23, 2009 5:35

Schak, mit deinem Insiderwissen könntest du die Welt beherrschen :lol:
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