langer711 hat geschrieben:Also ich halte es für deutlich einfacher, z.B. eine Seilwinde zu bauen, die eine Last von 200 kg heben kann, als Blumen zu züchten oder Weizen anzubauen.
Das Erste ist im Kern Maschinenbau, wenn auch sehr einfach.
Beim Anbau von Pflanzen kommen aber viel mehr Variablen mit ins Spiel, wie Temperaturen, Wasserhaushalt, Krankheiten, Sonneneinstrahlung etc.
Insbesondere in einem Forum, welches der Landwirtschaft entsprungen ist, sollte man meiner Meinung nach nicht so abwertend über bestimmte Tätigkeitsfelder urteilen.
Der Lange
Es ging nicht darum, was einfacher ist.
Da wird jeder eine andere Vorstellung von haben, das kann und will ich nicht beurteilen. Ich urteile auch nicht abwertend über irgendein Tätigkeitsfeld, schon garnicht bei Dingen, von denen ich nicht besonders viel Ahnung habe (Gärtnerei). Da will ich mich auf keinen Fall missverstanden wissen!
Der Punkt ist, dass Gärtnerei und Maschinenbau extrem unterschiedlich sind. Weissnich meint, die Produktion von Maschinen und Blumen wäre fast gleich.
Und während du es so formulierst als müsste ein Gärtner viel mehr Variablen berücksichtigen als ein Maschinenbauer, ist es tatsächlich wohl eher so, dass es vollkommen andere Variablen sind, die nicht ansatzweise vergleichbar sind.
adefrankl hat geschrieben:Ansonsten, dass mit dem Wasserstoff ist doch eine realitätsfremde Spinnerei. Günstigenfalls produziert man den Wasserstoff den man sowieso bracht eben nicht mehr aus Erdgas, sondern aus anderen Quellen. Aber die Umwandlung ist so ineffizient und Wasserstoff so schwer handhabbar, dass das Projekt Wasserstoff ähnlich erfolgreich sein dürfte wie der Zeppelinbau (Projekt Hindenburg).
Wasserstoff hat gegenüber Strom den Vorteil, dass man ihn viel besser speichern kann. Und über Pipelines ist der Transport auch effizienter als bei Strom. Noch besser wären natürlich flüssige Kohlenwasserstoffe, aber die sind ja böse. Die Emissionen der Wasserstoffherstellung sind dagegen genau wie die Emissionen der Stromerzeugung egal. Was nicht direkt vor der eigenen Nase ist, existiert nicht.
Das Handling von Wasserstoff hat sich in den letzten 15 Jahren massiv verbessert. Einige Unternehmen glauben, dass sich die Kosten für Wasserstoffspeicher (im Fahrzeugbau) in den nächsten 10 Jahren um 75% reduzieren lassen. Selbst wenn das nur ansatzweise erreicht wird oder vielleicht 5 Jahre länger dauert, würde das zum Beispiel bei LKW einen enormen Boom auslösen... denn dort wird die Politik als nächstes die Emissionen drastisch begrenzen und wenn das genau so unsinnig durchgezogen wird wie es bei den PKW und LNF jetzt geplant ist, ist Wasserstoff eine der sehr wenigen Alternativen zur Batterie. Und dass Batterien in schweren Nutzfahrzeugen weitgehend fehl am Platz sind, sehen sogar hardcore-Elektromobilisten ein.
Also was bleibt dann noch übrig? Wasserstoff wird die günstigste Variante sein.
An dem Punkt ist es auch tatsächlich egal, wie umweltfreundlich Wasserstoff ist. Solange der Betrieb mit Wasserstoff für die einzelnen Unternehmen billiger ist als mit Strom und auch billiger als der Betrieb konventioneller Diesel samt Strafzahlungen, wird man bei entsprechenden Fahrzeugen Wasserstoffantriebe sehen.
Derzeit gibt es glaube ich keinen einzigen Hersteller von Verbrennungsmotoren, der nicht an Wasserstoffverbrennern arbeitet. Manche tun das öffentlichkeitswirksam wie zum Beispiel Toyota oder bei Nutzfahrzeugen Deutz, andere treten es nicht so breit (Ford, GM, MAN, FPT...).
Angeblich plant Toyota für den Prius ab 2025 einen Wasserstoffverbrenner. Das würde die Technik sicher viel stärker in den öffentlichen Fokus rücken, der Prius ist weltweit sehr bekannt und ein volumenstarkes Modell.
Auch in Richtung Politik wäre das ein sehr starkes Signal.
Selbst mit einem Verbot kohlenstoffhaltiger Kraftstoffe (und selbst das plant ja bisher niemand) bekäme man den Verbrennungsmotor nicht tot.
An den Reaktionen der Medien auf die EU-Abstimmung zu den Flottenemissionsvorgaben sieht man sehr deutlich, dass das kaum jemand auf dem Schirm hat. Die gesamte deutsche Medienlandschaft ist mit Meldungen zu einem vermeintlichen Verbrennerverbot geflutet worden, obwohl das überhaupt nicht Gegenstand der Abstimmung war.
Barbicane hat geschrieben:Anscheinend hat man die Technologie doch nicht so gut im Griff.
Doch, hat man.
Man hat nur die ganzen Sicherheitsvorschriften in den letzten Jahren und Jahrzehnten enorm verschärft und es stehen heute auch ganz andere Möglichkeiten der Sicherheitsüberprüfung zur Verfügung.
Seit in Deutschland die Autobahnbrücken genauer überprüft werden, sind die auch ganz plötzlich alle marode.
Das kommt halt davon, wenn man die Sicherheitsvorgaben schneller verschärft als man die Sachen verbessern kann.
Grundsätzlich ist es natürlich wichtig und richtig, die Sicherheitsvorgaben laufend anzupassen und zu verschärfen.
Ich könnte mir allerdings vorstellen, dass manche Sachen plötzlich nicht mehr ganz so sicherheitskritisch sind, wenn die Alternative zum Beispiel ein gewaltiger Energieengpass ist.
Wieso wird eigentlich dauernd von Frankreich erzählt? Frankreich ist seit Ewigkeiten Nettoexporteur von Strom.
Italien ist seit Ewigkeiten auf Importe angewiesen und trotzdem kommt von den Frankreich-Alarmisten hier im Forum nie ein Sterbenswörtchen zu drohenden Blackouts in Italien. Immer heißt es "in Frankreich gibt's Probleme" Wieso?
Das Problem in Frankreich ist ja überhaupt nicht, dass zu wenig Strom erzeugt werden kann. Das ist nicht der Fall, Frankreich ist nach wie vor Nettoexporteur.
Das Problem ist, dass in Frankreich viel mit Strom geheizt wird, was im Winter an einzelnen Stunden eine enorme Spitzenlast verursacht. Darüber hinaus ist der Stromverbrauch in Frankreich ungefähr null flexibilisiert. An diesem Problem kann durch den Ausbau von WKA und PV aber nichts geändert werden, die Versorgungssicherheit steigt durch den Ausbau um ungefähr 0%.
Selbst wenn 95% der AKW-Leistung ausfallen würde, würde das viel mehr gesicherte Leistung bedeuten als wenn man in Frankreich so viel WKA und PV bauen würde wie in Deutschland.
Man kann zu Atomkraft stehen wie man will aber man kann sie nicht allein durch Wind- oder Solarkraft ersetzen.
Was die Personenschäden durch Atomkraft angeht:
Man wird keine sinnvollen Zahlen dazu finden.
Direkte Todesopfer durch Atomkraft gibt es fast keine, was das angeht hat Olli recht. Andererseits haben zum Beispiel unter Tschernobyl viel mehr Menschen schwer gelitten und auch viele Lebensjahre verloren als durch direkte Folgen gestorben sind. Das lässt sich nicht in "Todesopfer pro kWh" oder so umrechnen. Trotzdem ist Kernkraft (bisher) tatsächlich vergleichsweise menschenfreundlich.
Wenige große Katastrophen bekommen halt mehr Aufmerksamkeit als mehrere kleinere Unfälle.
Für die größte Gefahr halte ich aber eher den Atommüll. Der wird zwar (wenn nicht irgendwas extrem dramatisches im globalen Maßstab passiert) nicht in den nächsten paar Generationen zum Problem, aber ein Teil des Zeugs strahlt halt verdammt lange...
