Hallo
natürlich zahlen Bauern auch jetzt schon Lizenzgebüren, wenn sie sortengeschütztes Saatgut nachbauen.
Der Unterschied zu den patentierten Genen ist jedoch, dass da nicht die Sorte angemeldet ist, sondern eine bestimmte Gensequenz patentrechtlich geschützt ist. Nun befruchten eben Pflanzen (auch Nutzpflanzen) sich gegenseitig, ohne dass der Mensch da eingreifen muss, wie er es bei der Tierzucht tut. Und die Gene haben leider die Eigenschaft von einer Art zur nächsten zu springen (z.V. durch virale Vektoren). So kann man markierte Gene in Pflanzen(samen) finden, die sicher nicht genmanipuliert wurden, bzw. wo die Saat sicher nicht eine transgene Sorte war.
Es ist laut einigen Beiträgen im öffentlich-rechlichen Rundfunk so, dass in einigen Ländern die so durch natürlichen Gentranfer veränderten Sorten oder Ernteerträge auch noch lizenzpflichtig für das eingeschleppte patentierte Gen werden. So ist das angeblich in Kanada und USA. Auch in Europa soll es solche Bemühungen geben.
Noch könnten in Deutschland eventuell die Anbauer von genmanipulieten Sorten für die Verunreinigung der Ernte auf dem benachbarten Feld regresspflichtig gemacht werden. Aber der Beweis ist schwierig und mir ist bislang kein Prozess bekannt, der durchgezogen und gewonnen wurde.
Da ist wohl auch die Rechtsprechung noch in Entwicklung und die Gesetzgebung muss aufpassen, dass nicht einige Großkonzerne das entdeckte Erbgut von Pflanzen oder Tieren sich für den alleinigen Gebrauch reservieren lassen können.
Aus Sicht der Konzerne macht es natürlich Sinn, wenn man die Verwendung der patentierten Gensequenzen sich bezahlen lässt. Um den Anfängen zu wehren, müsste eine solche Firma natürlich Lizenzgebüren für natürlich (z.B. durch Wildbefruchtung) eingekreuzte Gensequenzen verlangen. Ansonsten bestünde die Gefahr, dass jemand gezielt eine genmanipulierte Sorte einkreuzt, um die eigenen Sorten damit aufzuwerten. (die haben eben jetzt z.B. auch eine bestimmte Resistenz) und die gezielte Verwendung von genmanipuliertem Ausgangsmaterial abstreitet (wehret den Anfängen)
So abwegig meine Behauptungen für vielleicht industriegesponserte Autoren wohl klingen mögen, so wichtig ist es doch, die biologischen Grundlagen der Vererbung auf molekularer Ebene zu akzeptieren und die daraus resultierenden Konsequenzen zu berücksichtigen.
Wie in x Jahren die höchstrichterliche Rechtsprechung in Europa zur ungewollten Verwendung von patentierten Gensequenzen in Pflanzen ausehen wird, steht in den Sternen. Die Gefahr, dass irgendwann eine konventionelle Züchtung nicht mehr möglich sein sollte, da das Ausgangsmaterial mit patentierten Gensequenzen verunreinigt ist, ist aber nicht von der Hand zu weisen.
Gruß
