Man muss halt auch sehen, dass das betroffene Gebiet sehr weitläufig ist, und die Betroffenheit darin auch sehr unterschiedlich. Das merkt man z.B. im Stadtgebiet Bad Neuenahr-Ahrweiler ganz besonders. Da fährt man morgens hin, bringt sein Auto in die Werkstatt zur Inspektion, holt es abends ab, fährt noch zwei Supermärkte ab, und ab heim. In der Zwischenzeit geht man 5min Fußmarsch Richtung Ahrlauf, und steht in Seitenstraßen die heute noch nach Kriegsgebiet aussehen. Dazwischen liegen Häuser, die sind so betroffen, wie es der durchschnittliche direkte Rheinanlieger 1-2x im Jahr ist, für die das als einzige Besonderheit halt nur das erste Erlebnis dieser Art ist. In Sinzig sind die Kriegsgebiete kleiner, in manchen Orten der Mittelahr ist die Normalität noch meilenweit weg, Richtung Antweiler z.B. sieht das aber dann auch wieder anders aus.
Die Kunst liegt jetzt darin, die noch/wieder existierende Normalität zuzulassen, die Kriegsgebiete dabei aber eben nicht zu vergessen, und dem, der nur den Keller voll hatte am besten auch mal zu erklären, dass die popeligen Aufräum- und Reinigungsarbeiten bei ihm nicht unbedingt Sache des staatlichen Katastrophenschutzes sind und auch die organisierten privaten Helfer bei anderen Hochwassern mit diesem individuellen Schadensgrad kaum so in Erscheinung treten. In dieser Unterscheidung versagen aber praktisch alle. Staat, Medien, KatS, private Helfer und Betroffene. Und darin liegt auch ein Grund für die konfuse Organisation aller (!) dieser Beteiligter. Jeder fokussiert sich auf einen Schadensgrad, und lässt alles andere außen vor. Deshalb macht dann z.B. ein Ort (größtenteils Kriegsgebiet) eine "Pressekonferenz" des "örtlichen Krisenstabes", um sich über die fehlende Organisation des Staates zu beschweren, während dieser ihn wieder zumindest tlw. mit Strom und Trinkwasser versorgt hat, aber Reinigungsarbeiten dahinter eben noch zurückstehen mussten. Andere Orte hatten nach paar Tagen schon wieder Strom und fließendes Wasser, und sind in vielen Häusern schon mit putzen fertig. War man überwiegend nur in einem Ort, nimmt man das ganze schonmal sehr verzerrt wahr.

Ein Botaniker ist sowas wie ein Cowboy, der auf einem Pony reitet