fedorow hat geschrieben:Meine Meinung hab ich geschrieben. Aber wer weiss, wir driften in den Sozialismus ab oder fast schon Kommunismus. Also DDR Politik.
Wenn diese Politik die großen LEH mit Sondersteuern und allen möglichen Gesetzen schikaniert, kann es vielleicht sein das sich " klein und teuer " wieder durchsetzt.
Ich glaub nicht dran. Wir werden sehen.
Und das mit dem Zusammenschluß der Landwirte hat doch noch nie funktioniert. Siehe BDM damals. Da wurde sogar Milch fast im ganzen Land tagelang oder wochenlang in die Güllegrube gemolken um den LEH unter Druck zu setzen. Gute Idee und viele haben mitgemacht aber gebracht hats ausser Schaden für den Landwirt überhaupt nichts.
Ebenso hat der BV bei den Preisen keinerlei Einfluss.
Das regelt alles der Markt und ist eigentlich gut so. Ob Milch mal 25 oder sogar 60 Cent kostet wie die letzten Jahre beim Landwirt, hat schon seine Gründe.
Der LEH hat damals ja nicht zum Spaß 60 Cent/Liter bezahlt. Aber wie man sieht sind diese Preise möglich
Gegenargumentation zu deiner Position
1. Fehlannahme „Markt regelt alles effizient“
Der LEH ist kein funktionierender Wettbewerbsmarkt, sondern ein hochkonzentriertes Oligopol. Vier Gruppen kontrollieren über 80 Prozent des Absatzes. In solchen Strukturen entstehen keine markträumenden Preise, sondern Nachfragemacht. Dass Milch zeitweise 25 Cent kostete, ist kein neutrales Marktsignal, sondern Ausdruck dieser Machtasymmetrie. Ein Markt mit struktureller Verzerrung produziert systematisch falsche Preise.
2. 60 Cent als Gegenbeweis
Die 60 Cent pro Liter sprechen nicht für den Markt, sondern gegen ihn. Sie zeigen, dass höhere Preise möglich sind, wenn externer Druck entsteht – Knappheit, öffentliche Aufmerksamkeit oder politische Eingriffe. Der Markt selbst hat diese Preise nicht stabil hervorgebracht, sondern sie nur unter Zwang akzeptiert. Ein funktionierender Markt würde Kosten, Risiko und Kapitalverzinsung dauerhaft abbilden, nicht nur kurzfristig in Ausnahmesituationen.
3. Zusammenschlüsse scheitern nicht grundsätzlich
Das Scheitern des BDM ist kein Beweis gegen Kooperation an sich, sondern gegen unverbindliche, kapitallose und nicht liefergebundene Zusammenschlüsse. Erfolgreiche Modelle gibt es dort, wo Andienungspflichten, Kapitalbindung und Exklusivität bestehen, ergänzt durch eigene Verarbeitung oder Marken. Der BDM hatte Protestmacht, aber keine echte Preissetzungsmacht.
4. Der LEH zahlt nicht, was der Markt hergibt
Der LEH zahlt, was er zahlen muss. Historisch lässt sich zeigen, dass Preise erst dann steigen, wenn politischer, logistischer oder reputativer Druck entsteht. Dauerhaft werden landwirtschaftliche Vollkosten oft unterschritten. Preissenkungen werden an die Erzeuger weitergegeben, Preiserhöhungen beim Verbraucher bleiben dagegen häufig als Marge im Handel. Das ist kein Marktgleichgewicht, sondern Abschöpfung von Wertschöpfung.
5. Staatliche Eingriffe sind kein Sozialismus
Kartellrecht, Missbrauchsaufsicht und Lieferkettengesetze sind klassische marktwirtschaftliche Instrumente zur Sicherung von Wettbewerb. Sie dienen der Begrenzung von Marktmacht, nicht der Abschaffung des Marktes. Ein Markt ohne Machtkontrolle ist nicht liberal, sondern führt zu Konzentration und Abhängigkeit.
6. „Klein und teuer“ ist kein Naturgesetz
Isoliert funktioniert dieses Modell kaum, das stimmt. In Kombination mit Bündelung, klarer Markenlogik, regionaler Verankerung und verlässlicher Abnahme kann jedoch eine preissetzende Nische entstehen. Genau diese Mechanismen nutzt der LEH selbst über Eigenmarken – allerdings zu seinen Gunsten und nicht zu denen der Erzeuger.
7. Der zentrale Denkfehler
Die Argumentation setzt voraus, dass Preise neutrale Informationssignale sind, dass alle Marktteilnehmer gleich stark sind und dass Landwirtschaft kurzfristig reagieren kann. Keine dieser Annahmen trifft zu. Landwirtschaft ist kapitalintensiv, träge und existenziell gebunden. In solchen Systemen führt ein unregulierter Markt nicht zu Effizienz, sondern zu weiterer Konzentration.
Kurzfazit
Nicht der Markt schützt die Landwirte, sondern eine Balance der Marktmacht. Ohne strukturierte, kapitalisierte und verbindliche Gegenmacht wird der LEH weiterhin Preise diktieren, selbst wenn höhere Preise nachweislich möglich wären.

Ein Botaniker ist sowas wie ein Cowboy, der auf einem Pony reitet