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Aktuelle Zeit: Mi Jan 14, 2026 14:43

Nachfolge - wie kann's gehen ?

Hier kann man über aktuelle Themen aus den Medien und Allgemeines der Landwirtschaft diskutieren.
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183 Beiträge • Seite 12 von 13 • 1 ... 9, 10, 11, 12, 13
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Re: Nachfolge - wie kann's gehen ?

Beitragvon wastl90 » Di Jun 22, 2021 15:06

Denken wir bitte dadran das 1950 ALDIs ärmer waren, wie 70 % der deutschen Bauern, Müller-Milch war ne 4-Mann Dorfkäserei, TÖNNIES ein Metzgerladen, RETHMANN ein Pferdekutscher und Max Bögl oder Goldbeck gab es da noch nicht mal. Von Karstadt, Holzmann, Bilfinger, AEG und den Viehzentralen redet heute kein Mensch mehr.

Warum hört man von Karstadt und Co nichts mehr? Das waren früher alles mal große und innovative Unternehmen. Man hat sogar noch die kleine heranwachsende Konkurrenz belächelt und wurde später von denen selbst gefressen. Genau das Problem haben wir doch in der Landwirtschaft zur Zeit auch. "Weiter wie bisher" wird es einfach nicht mehr geben. Das kann in Einzelfällen noch für die jeweilige Generation reichen, irgendwann ist dann aber auch Schluss.

In der Landwirtschaft wird alles über die reine Betriebsgröße gemessen. Warum? Es spielt doch gar keine Rolle ob man eben 200 Kühe oder nur 10 Kühe und ein paar Ferienwohnungen oder Wohnmobilstellplätze benötigt. Der 10 Kuh Betrieb wird wahrscheinlich sogar noch deutlich flexibler sein wie ein Betrieb mit 200 Kühen und hat dazu wahrscheinlich deutlich weniger Fremdkapital das noch dazu hochriskant angelegt ist. Der 10 Kuh Betrieb wird unter Landwirten aber sicherlich nicht ernst genommen.

Die nächsten Jahre werden zeigen dass genau das ein riesiger Fehler ist!
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Re: Nachfolge - wie kann's gehen ?

Beitragvon T5060 » Di Jun 22, 2021 15:22

Hier mitlesender Steuerberater aus dem Marburger Land rief mich grad an und faltete mich zusammen, wie man den Bauern erzählen kann, die Sollzinsen auf dem Girokonto einzusparen und das eingesparte Geld für die Bildung einer Risikovorsorge zuverwenden. Sowas gäbe es bei deutschen Bauern und Kleinunternehmen gar nicht, das wäre ja schon so was wie Gotteslästerung im Islam :mrgreen: :mrgreen: :mrgreen:
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Re: Nachfolge - wie kann's gehen ?

Beitragvon DWEWT » Di Jun 22, 2021 16:44

wastl90 hat geschrieben:

Fürs Alter muss man vorsorgen, das muss jeden klar sein. Wer ist so naiv und gibt einen herunter gewirtschafteten Betrieb, verschuldet oder unverschuldet, ab und erwartet dafür dann auch noch eine riesige Altersversorgung vom Übernehmer? Solche Dinge müssen doch schon viel früher realisiert und bedacht werden.


Der evtl. heruntergewirtschaftete Betrieb ist das eine und die Vermögenswerte sind das andere! Die Abgabe des Betriebes kann zum Zweck der Verpachtung oder zum Zweck der Eigentumsübertragung erfolgen. I.d.R. geschieht beides in zeitlicher Abfolge. Die Verpachtung an den Hofnachfolger sollte zum ortsüblichen Pachtpreis erfolgen; das geschieht allerdings seltenst! Also wird eher eine symbolische Pacht vereinbart und die Mithilfe des Abgebers gleich mit eingehandelt. D.h., die Altersteilabsicherung der LAK, plus Pachteinnahme, macht das Gesamteinkommen des Seniors aus. Kommt die Pacht vom Junior nicht, hat der i.d.R. nichts zu befürchten. Ist ja schließlich Familie! Wird der Betrieb eingentumsrechtlich übertragen und dabei eine Unterhaltsleistung für den/die Altenteiler vereinbart, so sollte die schon in etwa in der Höhe der bisherigen Pachteinnahmen sich bewegen. Das ist seltenst der Fall! Ersparnisse gibt es oft nicht in ausreichendem Maße, weil immer fast alles in den Betrieb investiert wurde. So stehen also im Alter die Alten mit einer finanziellen Teilabsicherung, evtl. einer ausreichenden Wohnmöglichkeit, zugesicherter Naturalentnahmen und sonst "fast ohne" da. Dem Hofnachfolger sei mehr nicht zuzumuten, heisst es dann oft. Und so schnallen die Alten und die Jungen den Gürtel immer enger, weil sich in vielen Betrieben die Situationen nicht wirklich zum Positiven verändern.
Hier wird oft die zusätzliche Altersvorsorge angesprochen. Von woher sollten die dafür notwendigen Mittel denn gekommen sein? Viel Geld verschlang der Betrieb, weil man sich von ihm und seiner Weiterführung ja die Altersversorgung versprach. Viele Alte scheiden aus einem Betrieb aus der heute schon kaum noch eine Chance hat und für die Zukunft eigentlich keine Perspektive bietet. Da bleibt dann evtl. nur die Hofaufgabe mit Überführung der Flächen ins Privateigentum zum reduzierten Steuersatz oder die Betriebsaufgabe mit der dauerhaften Verpachtung der Flächen. In beiden Fällen ist der Betrieb am Ende! Dieser Schritt jedoch erfordert viel Mut. Die, denen es im Grunde kaum besser geht, zerreißen sich dann schnell die Mäuler. Es wird viel hinter vorgehaltener Hand getuschelt und gerade auf dem Dorf, ist das ein Spießrutenlauf. Die Sicherung der Vermögenswerte hat in diesem Fall jedoch absolute Priorität! Man geht freiwillig mit erhobenem Haupt und wird nicht von Banken oder Gläubigern gegangen.
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Re: Nachfolge - wie kann's gehen ?

Beitragvon DWEWT » Di Jun 22, 2021 16:51

wastl90 hat geschrieben: Es spielt doch gar keine Rolle ob man eben 200 Kühe oder nur 10 Kühe und ein paar Ferienwohnungen oder Wohnmobilstellplätze benötigt. Der 10 Kuh Betrieb wird wahrscheinlich sogar noch deutlich flexibler sein wie ein Betrieb mit 200 Kühen und hat dazu wahrscheinlich deutlich weniger Fremdkapital das noch dazu hochriskant angelegt ist. Der 10 Kuh Betrieb wird unter Landwirten aber sicherlich nicht ernst genommen.


Auch ich habe in meiner frühen Jugend die Erfahrung mit kombinierten Familieneinkommensmöglichkeiten gemacht. Für den Tourismus, die Hofvermarktung und ähnliche Betätigungsmöglichkeiten, muss man geboren sein und es muss der Standort stimmen. Dort wo Landwirtschaft sehr gut geht, gehen diese Alternativen i.d.R. nicht sehr gut. Für mich käme das heute nicht mehr infrage!
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Re: Nachfolge - wie kann's gehen ?

Beitragvon T5060 » Di Jun 22, 2021 18:57

Die Frage ist doch ganz einfach: Endlich mal den Bauern Preise bezahlen, die der Kaufkraft der Deutschen entsprechen ..... und nicht ständig einen Blödsinn erfinden, der die Kosten hochtreibt.

Aber lieber DWEWT, deine Großmacht-Kollektivierungs-Fantasien kannste dir sparen. Wenn dir mehr an Lösungen nicht einfällt, dann spare dir deine Kommentare.
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Re: Nachfolge - wie kann's gehen ?

Beitragvon DWEWT » Di Jun 22, 2021 19:15

T5060 hat geschrieben:Die Frage ist doch ganz einfach: Endlich mal den Bauern Preise bezahlen, die der Kaufkraft der Deutschen entsprechen ..... und nicht ständig einen Blödsinn erfinden, der die Kosten hochtreibt.

Aber lieber DWEWT, deine Großmacht-Kollektivierungs-Fantasien kannste dir sparen. Wenn dir mehr an Lösungen nicht einfällt, dann spare dir deine Kommentare.


Du meinst, ich solle dir und deinem inhaltslosen Geschwafel das Feld überlassen? :lol:
Mir geht es gar nicht um Kollektivierung. Fähige Landwirte bringen es, wenn es in ihrem Interesse liegt, ganz legal auf erklecklich ha-Zahlen. Auch eigentumsrechtlich! Der eine sammelt ha und der andere Kornkipper. :lol:
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Re: Nachfolge - wie kann's gehen ?

Beitragvon T5060 » Di Jun 22, 2021 19:59

DWEWT hat geschrieben:Du meinst, ich solle dir und deinem inhaltslosen Geschwafel das Feld überlassen? :lol:
Mir geht es gar nicht um Kollektivierung. Fähige Landwirte bringen es, wenn es in ihrem Interesse liegt, ganz legal auf erklecklich ha-Zahlen. Auch eigentumsrechtlich! Der eine sammelt ha und der andere Kornkipper. :lol:


Was will der Geringverdiener mit Kornkippern ? Der hat ja nichts zum abfahren, trotz seiner vielen Hektars.
Der Wickroggen war so jämmerlich und verunkrautet, den wollte noch niemand mal zum füttern,
dann musste der noch den Häcksler bezahlen um sein das JKK-Wickrogggen wieder auf dem Acker zu verteilen.
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Re: Nachfolge - wie kann's gehen ?

Beitragvon DWEWT » Di Jun 22, 2021 20:22

T5060 hat geschrieben:
Was will der Geringverdiener mit Kornkippern ? Der hat ja nichts zum abfahren, trotz seiner vielen Hektars.
Der Wickroggen war so jämmerlich und verunkrautet, den wollte noch niemand mal zum füttern,
dann musste der noch den Häcksler bezahlen um sein das JKK-Wickrogggen wieder auf dem Acker zu verteilen.



Herrlich, genau wie ich es erwartet hatte. :lol:
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Re: Nachfolge - wie kann's gehen ?

Beitragvon T5060 » Mi Jun 23, 2021 8:05

Die Frage ist nie ob man es kann, sondern die Frage ist ob man es will, denn es geht.
Verstecke ich mich dahinter, dass es nicht geht, weil ich z..B. nicht genug Hektar habe oder schlechte Böden
wird man nie zu was kommen.

Der Schlüssel ist nämlich das Wörtchen "Sparen", denn wer spart bezahlt zu erst mal sich selbst,

wer nicht "spart" bezahlt die ANDEREN.

Könnt ihr drehen wie ihr wollt, ihr könnt euch auch auf den Kopf stellen, es nicht anders wie ich oben geschrieben habe.
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Re: Nachfolge - wie kann's gehen ?

Beitragvon meyenburg1975 » Mi Jun 23, 2021 8:21

Die Altersvorsorge sollte man auch ohne Hof einplanen. Wer weiß schon, ob in 20,30 oder 40 Jahren noch ernsthaft jemand Pacht für die Flächen abdrückt. Egal ob Familie oder Fremd.
Wenn es noch was oben drauf gibt, umso besser.
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Re: Nachfolge - wie kann's gehen ?

Beitragvon DWEWT » Mi Jun 23, 2021 11:17

meyenburg1975 hat geschrieben:Die Altersvorsorge sollte man auch ohne Hof einplanen. Wer weiß schon, ob in 20,30 oder 40 Jahren noch ernsthaft jemand Pacht für die Flächen abdrückt. Egal ob Familie oder Fremd.
Wenn es noch was oben drauf gibt, umso besser.


Sind wir doch mal ganz realistisch. Wie hier schon an anderer Stelle geschrieben wurde, gibt es in Landwirtschaftsfamilien oft mehr Nachwuchs. Diesem Nachwuchs eine gute Bildung/Ausbildung zukommen zu lassen, reißt erhebliche Löcher in das Familienbudget. Dazu noch die notwendigen Investitionen in den Betrieb zu tätigen und eine private Altersvorsorge aufzubauen, dürfte für viele Familien einfach nicht machbar sein. Ich habe noch vier Geschwister und meine Eltern mussten sich ziemlich lang machen, um uns wirklich gute Ausbildungen zu ermöglichen. Danke dafür!
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Re: Nachfolge - wie kann's gehen ?

Beitragvon meyenburg1975 » Mi Jun 23, 2021 11:48

Ganz realistisch schaffen das nicht viele, aus welchen Gründen auch immer.
Ganz realistisch kann ich persönlich meine Schlagzahl bis maximal 60 machen, eher paar Jahre weniger. Dafür sollte man doch vorplanen, falls niemand aus der Familie weitermachen kann oder möchte.
Und wie ich schon angemerkt habe, ich weiß nicht, wer hier in 20 Jahren die ganzen Kühe melken soll.
Es gibt schon die ersten Betriebe mit guter vollarondierter Infrastruktur, die schwer an den Mann zu bringen sind. Die Holländer sind auch nicht mehr so zahlreich wie früher. Und nehmen eher mittelgroße Betriebe, die von Familie mit 2 Robbies plus maximal einem Mitarbeiter bewirtschaftet werden können.

Und wenn hier über intensive Tierhaltung fernab der zahlungswilligen Stadtkundschaft kein Geld verdient wird, ist es schwierig großartig was an Pacht zu generieren.
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Re: Nachfolge - wie kann's gehen ?

Beitragvon Südheidjer » Mi Jun 23, 2021 14:02

Ich hatte es hier schon in irgendeinem Thread vor einiger Zeit geschrieben, daß ich mich sehr gewundert hatte, als ich vor 2-3 Jahren in geselliger Runde mit Landwirten hörte, wieviele den Ausstieg in den nächsten Jahren in Betracht ziehen und das im Alter von vielleicht Mitte 50. Ich vermute, daß viele dabei die aktuellen Pachten als zukünftige ausreichende Einkommensquelle sehen, da ihre Betriebe üblicherweise von der Fläche her ganz gut ausgestattet sind.
Aber wenn nur noch ein paar aktive Landwirte übrig bleiben sollten, dann wird der Pachtpreis sinken.
Wer will dann noch z.B. die Grünlandflächen bewirtschaften ? Ein paar Hektar hier, ein paar Hektar da, das rechnet sich doch vorne und hinten nicht und ich kann mir schwer vorstellen, daß sich dafür noch hohe Pachten erzielen lassen. Der Wolf tut sein übriges.
Was ist, wenn die Biogasanlagen sich nicht mehr so gut rechnen? Besteht dann noch hohe Nachfrage nach Ackerflächen?

Ich denke, ein jetzt aktiver Landwirt muß seine Altersvorsorge mehrgleisig planen. Zum einen der Betrieb mit der üblichen Versorgung übers Altenteil einplanen, indem man den Betrieb top aufgestellt an die Nachfolger übergeben kann. Aber auch z.B. Mietwohnungen und Aktien bzw. Kapitalbildung sind sinnvoll.
Wenn man dann später sein Altenteil nicht in voller Höhe in Anspruch nehmen muß, dann entlastet man den Nachfolger, der wiederum dann Mittel frei hat, für sich selbst schon vorzusorgen.

Diejenigen, die einen auf dicke Hose machen, werden eventuell die ersten sein, bei denen der Betrieb den Bach runtergeht und häppchenweise vertickt wird. Am Ende ist nur noch die kostenintensive Hofstelle vorhanden.
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Re: Nachfolge - wie kann's gehen ?

Beitragvon wastl90 » Do Jun 24, 2021 7:47

DWEWT hat geschrieben:
wastl90 hat geschrieben: Es spielt doch gar keine Rolle ob man eben 200 Kühe oder nur 10 Kühe und ein paar Ferienwohnungen oder Wohnmobilstellplätze benötigt. Der 10 Kuh Betrieb wird wahrscheinlich sogar noch deutlich flexibler sein wie ein Betrieb mit 200 Kühen und hat dazu wahrscheinlich deutlich weniger Fremdkapital das noch dazu hochriskant angelegt ist. Der 10 Kuh Betrieb wird unter Landwirten aber sicherlich nicht ernst genommen.


Auch ich habe in meiner frühen Jugend die Erfahrung mit kombinierten Familieneinkommensmöglichkeiten gemacht. Für den Tourismus, die Hofvermarktung und ähnliche Betätigungsmöglichkeiten, muss man geboren sein und es muss der Standort stimmen. Dort wo Landwirtschaft sehr gut geht, gehen diese Alternativen i.d.R. nicht sehr gut. Für mich käme das heute nicht mehr infrage!

Natürlich ist das nicht für jeden etwas und es passt auch nicht überall hin. Trotzdem wird solch ein Betrieb wahrscheinlich auf sicheren Beinen stehen wie eben sein 200 Kuh Nachbar.
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Re: Nachfolge - wie kann's gehen ?

Beitragvon wastl90 » Do Jun 24, 2021 7:53

DWEWT hat geschrieben:
Der evtl. heruntergewirtschaftete Betrieb ist das eine und die Vermögenswerte sind das andere! Die Abgabe des Betriebes kann zum Zweck der Verpachtung oder zum Zweck der Eigentumsübertragung erfolgen. I.d.R. geschieht beides in zeitlicher Abfolge. Die Verpachtung an den Hofnachfolger sollte zum ortsüblichen Pachtpreis erfolgen; das geschieht allerdings seltenst! Also wird eher eine symbolische Pacht vereinbart und die Mithilfe des Abgebers gleich mit eingehandelt. D.h., die Altersteilabsicherung der LAK, plus Pachteinnahme, macht das Gesamteinkommen des Seniors aus. Kommt die Pacht vom Junior nicht, hat der i.d.R. nichts zu befürchten. Ist ja schließlich Familie! Wird der Betrieb eingentumsrechtlich übertragen und dabei eine Unterhaltsleistung für den/die Altenteiler vereinbart, so sollte die schon in etwa in der Höhe der bisherigen Pachteinnahmen sich bewegen. Das ist seltenst der Fall! Ersparnisse gibt es oft nicht in ausreichendem Maße, weil immer fast alles in den Betrieb investiert wurde. So stehen also im Alter die Alten mit einer finanziellen Teilabsicherung, evtl. einer ausreichenden Wohnmöglichkeit, zugesicherter Naturalentnahmen und sonst "fast ohne" da. Dem Hofnachfolger sei mehr nicht zuzumuten, heisst es dann oft. Und so schnallen die Alten und die Jungen den Gürtel immer enger, weil sich in vielen Betrieben die Situationen nicht wirklich zum Positiven verändern.
Hier wird oft die zusätzliche Altersvorsorge angesprochen. Von woher sollten die dafür notwendigen Mittel denn gekommen sein? Viel Geld verschlang der Betrieb, weil man sich von ihm und seiner Weiterführung ja die Altersversorgung versprach. Viele Alte scheiden aus einem Betrieb aus der heute schon kaum noch eine Chance hat und für die Zukunft eigentlich keine Perspektive bietet. Da bleibt dann evtl. nur die Hofaufgabe mit Überführung der Flächen ins Privateigentum zum reduzierten Steuersatz oder die Betriebsaufgabe mit der dauerhaften Verpachtung der Flächen. In beiden Fällen ist der Betrieb am Ende! Dieser Schritt jedoch erfordert viel Mut. Die, denen es im Grunde kaum besser geht, zerreißen sich dann schnell die Mäuler. Es wird viel hinter vorgehaltener Hand getuschelt und gerade auf dem Dorf, ist das ein Spießrutenlauf. Die Sicherung der Vermögenswerte hat in diesem Fall jedoch absolute Priorität! Man geht freiwillig mit erhobenem Haupt und wird nicht von Banken oder Gläubigern gegangen.

Die Hofnachfolge muss eben schon deutlich früher geplant werden und nicht erst am Tag des Notartermins! Warum auch? Gerade der Übergebende hat doch einen Blick auf die finanziellen Möglichkeiten des Betriebes und sollte die Lage, auch mittelfriste in die Zukunft, einschätzen können.
Hier wird oft der Betriebsnachfolger für 450€ eingestellt, arbeitet aber Vollzeit am Hof. Um Geld zu verdienen wird eben noch zusätzlich im Lohn gefahren oder verdient anderweitig Geld außerhalb des Betriebes. Das ist natürlich auf den ersten Blick toll. Für den Betrieb steigen jedoch die Ausgaben, die 450€ reichen für den Austrag eben nicht. Früher oder später kann eben auch der Altenteil nicht mehr die volle Arbeitsleistung in den Betrieb einbringen. Wird hierfür nochmals Personal angestellt so fallen eben auf einmal noch zusätzliche Lohnkosten an. Altersversorgung der "Alten"+Lohnkosten für den neuen Mitarbeiter - die 450€ was früher der Hofnachfolger bekommen hat sind dann eben ganz schnell mal 4.000€ im Monat an Mehrbelastung!
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