@Rumpsteak
Ich bin ein pöser Verbraucher. Also egal wie hoch die Schweinepreise steigen, ich werde ganz sicher keinen Stall bauen.
Und klar, wir stehen da auf verschiedenen Seiten. Du als Schlachter profitierst von hohen Preisen – und ich als Verbraucher von niedrigen Preisen.
Aber Lebensmittel sind nur ein keiner Bereich im Wirtschaftssystem. In anderen Bereichen bist Du genau so Verbraucher wie ich. Und vermutlich lässt Du Dir Schuhe auch nicht handwerklich vom Schuster basteln und Kleidung vom Schneider nähen usw.. Also alle Regeln, die gern bezüglich der „Wertschätzung“ von Lebensmitteln aufgestellt werden, die könnte man ebenso gut auf alle möglichen Bereiche übertragen.
Ich kann mich noch gut an die Zeit erinnern, wo der Tante Emma Laden – mit entsprechenden Preisen - noch Standard war, wo ein paar Schuhe oder eine neue Hose schon eine größere Ausgabe waren – und ich heule dieser Zeit sicher nicht nach.
Aldi, den gab’s da schon, der nächste wäre in Hamburg gewesen, gut 100km entfernt und natürlich in keiner Form mit den heutigen Aldis vergleichbar.
Nach meiner Einschätzung würden bei einem Zurück zur „guten alten Zeit“ alle verlieren. Du auch. Denn als handwerklicher Schlachter wirst Du preislich kaum bei der Fleischindustrie mithalten können. Da bleibt nur der Nischenmarkt des Besonderen. Den kann die Fleischindustrie nicht so gut, die kann große Massen aber eben nichts Besonderes.
Nur, gerade die Nische des höherpreisigen Besonderen ist zwingend drauf angewiesen, dass genügend Geld im Umlauf ist. Denn wenn das Geld knapp wird, dann wird hier zuerst gespart. Das, was schon mal für die Energieabzocke drauf gegangen ist, steht für Besonderes nicht mehr zur Verfügung usw..
Der Kampf gegen die Käfighaltung bei Legehennen wurde auch geschickt als „David gegen Goliat“ – gegen die „bösen“ Hühnerbarone inszeniert. Die Hühnerhaltung aufgegeben haben aber vor allem bäuerliche Betriebe mit ein paar tausend Hühnern – die Hühnerbarone sind größer als je zuvor. Allein die 3 größten der Branche halten mehr als die Hälfte der Legehennen in D – selbstverständlich auch in „Bio“.
Wenn die gleichen Geister eine „Wende“ auf dem Fleischmarkt durchsetzen können, dann werden es sicher nicht die handwerklichen Schlachter sein, die davon profitieren.

