Hallo
Natürlich weiss ich, dass die Bahn und die Post privatisiert wurden. Mit meiner Situationsbeschreibung der Servicewüste Bahn, und den dort fehlenden einfachen Jobs ging es mir um die ´Verdeutlichung der Zustände. Bestimmte Tätigkeitsfelder wurden sowohl im Privatsektor, wie auch im öffentlichen Dienst "wegrationalisiert". Das heisst, die Gewinne werden privatisiert, die Kosten aber sozialisiert. In unserer Gesellschaftsform ein legales Mittel. Dass jedoch gerade die öffentliche Hand damit nur Kosten von einem Haushaltstitel (Personalkosten) auf einen anderen Haushaltstitel (Sozialkosten) verlagert, sollte jedem klar sein.
Nun geht es nicht darum, den öffentlichen Sektor mit noch mehr Planstellen aufzublähen, sondern eine Art Pufferbereich für die (oft verzweifelt) arbeitssuchenden Menschen zu schaffen. Jede Anstalt des öffentlichen Rechts (Behörde, Schule, kommunaler Eigenbetrieb etc.) sollte gezwungen sein, Arbeitsmöglichkeiten vorzuhalten, auf die sich nicht vermittelbare HARZ IV-Leute bewerben können. Diese Arbeitsplätze wären aus den Haushaltsmitteln für HARZ IV zu finanzieren. Voraussetzung wäre, dass diese Arbeitsplätze KEINE Konkurrenz zu privaten Firmen darstellen und sie auch keine regulären Stellen ersetzen oder gefährden. Diese Tätigkeiten sollten nicht wie zu besetzende Planstellen verwaltet werden, sondern nur bei entsprechender Nachfrage vergeben werden. Es sollten Tätigkeiten sein, die man wegrationalisiert hat, oder die man nicht zwingend notwendig braucht (wie der ZUSÄTZLICHE Bademeistergehilfe, die Parkplatzaufsicht, der zusätzliche Pförtner (Info-Point-Mitarbeiter), die zusätzliche Büchereiaufsicht, der zusätzliche Service-Point-Mitarbeiter im U-Bahnhof, der Wächter im Stadtpark, Patientenbetreuer im Krankenhaus- oder Altenheim, etc.; alles Stellen, die die Lebensqualität in unserem Land verbessern können.)
Jetzt wird mir sicher wieder jemand vorwerfen, dass ich damit die soziale Hängematte noch bequemer mache, und die Menschen in solchen Jobs stigmatisiert würden ("Jeder weiß doch, dass das ein HARZ IV-ler ist"). Aber eine sozial sinnvolle, für die Gesellschaft nützliche Tätigkeit kann zusätzlich denjenigen, die das machen, durchaus ihr Würde zurückgeben. Viele wollen nicht von Almosen leben (Harz IV ist im Gegensatz zu dem Arbeitslosengeld keine Versicherungsleistung) sondern sie wollen der Gesellschaft eine Gegenleistung geben!
Aber meine Vorstellung ist wohl nur eine schöne Utopie. Um so etwas umsetzen zu können, muss man eben Verkrustungen aufbrechen, Schubladendenken überwinden, bürokratische Mauern einreißen und einen allgemeinen Bewusstseinswandel initiieren.
Gruß
