@steeg
Das Wildschwein ist ein Kulturfolger. Das heißt, es wird sich die Eigenheit des menschlichen Tuns zu Nutzen machen. Das Wildschwein profitiert von der Art der Landbewirtschaftung.
Es heißt zwar "dumme Sau", aber das stimmt nicht. Wildschweine sind -wie alle Schweine übrigens- äußerst intelligent und wissen genau wie sie Gefahren aus dem Weg gehen können. Ich übertreibe hier nicht (es ist kein Jägerlatein) wenn ich sage, daß die Sauen genau wissen, wo die Hochsitze stehen und daß von denen eine gewisse Gefahr ausgeht. Auch können sie die Lichtverhältnisse einschätzen, um die Gefahren zu minimieren. So wird in den seltensten Fällen ein Wildschwein bei Neuschnee und Vollmond (was für die Bejagung hervorragende Lichtverhältnisse bedeutet) im Wald unterwegs sein, geschweige denn sich auf einen blanken Acker trauen. Lieber fressen die ein/zwei Tage nichts. Dann müssen sie halt, denn Hunger tut weh.
Bei uns gab es auch das eine oder andere Revier, in dem kein Schwarzwild vorkam. Vielleicht kam eine Sau mal während der Durchreise dort vorbei, blieb aber nicht. Mittlerweile sieht es ganz anders aus. Die Sauen ziehen sich immer mehr in die Reviere zurück, in denen der Jagddruck fehlt. So war es bis vor drei jahren so, daß der Wildschaden in dem Revier, in dem ich wohne, seit über 50 Jahren bei unter 500,-- DM/jetzt 250,--€ lag. Vor drei Jahren stieg der Wildschaden verursacht durch Schwarzwild auf schlagartige 5.000,--€ -mit steigender Tendenz- an. In diesem Revier wird der Jagdpächter (Unternehmer, 86 Jahre, des Gehens so gut wie nicht mehr mächtig) durch seinen Adlatus (78 Jahre, der abends -geschweige denn nachts- nicht mehr im Revier zu sehen ist und für den die Arbeit immer dann anfängt, wenn er einen Schuß abgegeben hat) mit einem Pajero tagsüber durch die Gegend kutschiert. Ab und zu -jedoch mehr ab- taucht noch der Bruder des Adlatus auf und fährt am hellichten Tag durchs Revier. Das war´s. Die Sauen haben das kapiert und machen es sich mittlerweile hier gemütlich. Warum die Jagdgenossenschaft an diesem Jagdpächter festhält und vor 2 Jahren den Pachtvertrag verlängert hat ist schnell erklärt: Er zahlt eine überdurchschnittliche Pacht und -ohne auch nur im entferntesten aufzumucken- den Wildschaden. Auch ist er bereit, der Jagdgenossenschaft das eine oder andere -wie z.B. einen neuen Stehendspalter von Posch- nebenbei zukommen zu lassen. Als Vertreter meines grundstückbesitzenden Vaters bei der Jagdgenossenschaft bin ich nicht damit einverstanden, daß der Pachtvertrag nochmals verlängert wurde. Auf Nachfrage durch ein Vorstandsmitglied, ob ich nicht in diesem Revier mitgehen wolle, habe ich mit dem Hinweis, daß ich das meinem alten Herrn nicht antun werde (es gibt Animositäten zwischen meinem Vater und dem Jagdpächter, die aus dem Verhalten des jetzigen Jagdpächters vor dessen Erstpachtung im Jahr 1965 herrühren) und daß die Jagdgenossenschaft ihn doch unbedingt haben wolle und jetzt dies auch ertragen müsse, abgelehnt. Es gibt aber noch viele Gründe, warum es zur "Explosion" der Wildschweinpopulation kam. Zu nennen sind, außer dem verbesserten Futterangebot durch Getreideanbau noch die milden Winter der letzten Jahre, Wiebke -der Sturm, der durch den vielen Windwurf ausgezeichnete Deckungsmöglichkeiten für das Schwarzwild hervorbrachte-, Förderung durch die Abschußregelung in Staatsrevieren/Staatsforst (z.B. doppelter Jagdbetriebskostenersatz beim Erlegen eines Stückes Schwarzwild über 30 Kg bei Drückjagdten, was für den Schützen einen Preis von ca. 1.000,--€ bei einem 100 Kg Schwein bedeuten würde) usw.
@ Badener
Leider ist es so, daß man Wildschweine nicht für eine Drück-/Treibjagd einladen kann. Es kommt sehr oft vor, daß bei Treiben kein Wild vor die Flinte kommt, weil sich just zu diesem Zeitpunkt in diesem Revierteil kein Wild aufhält. Oder weil es durch vorangegangene Treiben bereits frühzeitig die Gefahr erkennt und beim Angehen der Jäger diesen zu durchdrückenden Revierteil klammheimlich verläßt. Oder auch, weil die Wildschweine z.B. im Mais zwischen den Treibern hindurchrennen und sich auch nicht herausdrücken lassen. Beim letzten Maisdrücken in dem Revier, in dem ich mitgehe, waren in einem Maisschlag von ca. fünf Hektar acht große Wildschweine (um die 100 Kg) drin. Diese wurden von den Treibern gesehen. Die Wildschweine haben mit den Treibern und 9 Jagdterriern in dem Mais Katz und Maus gespielt und sind bis auf eine nicht rausgekommen.
Auch bleiben die Wildschweine bei günstigen Boden- und Deckungsverhältnissen wirklich so lange liegen, bis man fast auf sie drauf tritt. ist mir selbst schon als Treiber passiert, daß direkt unter meinem Fuß ein Wildschwein auf und ab ist, was ich bis dahin nicht gesehen habe. Ich wäre sonst auf das Schwein getreten.

