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Hat Milchviehhaltung eine Zukunft?

Fragen und Antworten rund um die Rindviehhaltung.
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79 Beiträge • Seite 1 von 6 • 1, 2, 3, 4, 5, 6

Würdet Ihr nochmal in die Milchviehhaltung investieren?

Die Umfrage läuft bis Mi Sep 30, 2026 12:29.

Ja
7
44%
Nein
9
56%
 
Abstimmungen insgesamt : 16

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Hat Milchviehhaltung eine Zukunft?

Beitragvon Shao » Mo Aug 31, 2026 12:29

Hallo zusammen,

ich lese ja meistens nur mit, aber mich beschäftigt ein Thema sehr stark, und würde gerne eure Meinung hören. Das Thema ist nicht einfach, ich weiß, möchte es aber trotzdem versuchen.
Meine Frau und ich bewirtschaften einen kleinen Nebenerwerbsbetrieb, Milchvieh Bio Heumilch. Einfacher Laufstall, jedoch Technik nicht mehr aktuell, Gebäudehülle sanierungsbedürftig.
Extensives Grünland (1GVE/ha), kein Acker, nur wenig Pacht - und das nicht teuer. Die Milch deckt unsere Kosten + Lohn, Förderung erhalten wir relativ gute, da wir in vielen Umwelt und Bio Förderungen sind. Für "wenig" Arbeit nicht so schlecht in meinen Augen.
Wir überlegen schon seit einigen Jahren wie es weitergehen soll, einerseits finden wir finanziell gut das auslangen, andererseits bin ich schon einige Zeit am Betrieb involviert und sehe schon wohin die Tendenz geht. Unsere Region ist eher klein strukturiert (noch), dennoch sind aktuelle Stallneubauten im Bereich 100-200 Milchkühe.
Eine Umstellung auf Kalbinnenaufzucht (wäre sehr gefragt in der Umgebung) ist hald oft auch der Anfang vom Ende, gleiches wie Mutterkuh und sonstige Formate.
Grundsanierung mit kleiner Erweiterung (+30% mehr Besatz) würde uns aber wohl 15 Jahre finanziell binden.
Die Krisen der letzten Jahre haben mir zu denken gegeben (Corona, Blauzunge, Dieselschwankungen, Ukraine Importe, Mercosur, aktuelle Dürre).
Wie seht ihr die Zukunft der Milchviehhaltung?
Ich habe in letzter Zeit einige Ställe angeschaut zur Ideenfindung für unsere Sanierung, die meisten haben gesagt lass es. Das gab mir zu denken.
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Re: Hat Milchviehhaltung eine Zukunft?

Beitragvon 210ponys » Mo Aug 31, 2026 17:23

also ich sehe die Situation momentan so, solange sich die Milchviehhaltung lohnt würde ich das weiter betrieben. Aber Investitionen wo Du dich wieder für viele Jahre anbinden lassen musst, würde ich momentan nicht. Und nur das aller nötigste an Investitionen tätigen.
Letztendlich kann man alles schlecht oder schön reden, aber der wo Die Suppe auslöffeln muss sollte halt genau wissen was er tut!
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Re: Hat Milchviehhaltung eine Zukunft?

Beitragvon Manfred » Mo Aug 31, 2026 18:49

Wenn ich deine bisherigen Beiträge überfliege, habe ich den Eindruck, dass ein Glück eher an den Maschinen als an den Kühen hängt?
Ein Grünlandbetrieb dürfte aber mittel- bis langfristig am ehesten im Milchviehbereich eine Perspektive haben.
Die Prämienoptimierung wird an weginflationierenden Staatsmitteln kranken.
Wenn die Leidenschaft für die Kühe und das Melken fehlt, wird es aber schwierig.
Wie viele Kühe melkt ihr denn bisher und wie ist es um die Arrondierung der Flächen bestellt?
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Re: Hat Milchviehhaltung eine Zukunft?

Beitragvon 260er » Mo Aug 31, 2026 19:42

Kälberaufzucht würde ich nicht machen...Wenn die Milchviehbetriebe die Kälber selbst günstiger aufziehen könnten, würden sies selber machen, da kannst du dir sicher sein. Dürfte sich nur mit der "eh da" Rechnung lohnen, wenn für Futter, Maschinen, Arbeitskraft nicht die realen Kosten angesetzt werden.
Tierarztkosten sind da auch nicht zu unterschätzen.

Wenn Ihr Freude an den Tieren habt, würde ich beim Milchvieh bleiben und den Stall instandhalten, oder in Arbeitserleichterung (evtl. Melkroboter, aber dafür müsste man halt die Anzahl der Kühe wissen) / mehr Effektivität investieren.
Ausreichend bezahlbares Grünland ist ja scheinbar vorhanden.
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Re: Hat Milchviehhaltung eine Zukunft?

Beitragvon Shao » Di Sep 01, 2026 5:51

Danke für die bisherigen Antworten.
Glück eher an den Maschinen als Milchkühen - insofern ja, weil meine Frau die Stallarbeit erledigt, ich bin 40h arbeiten und erledige die Außenwirtschaft vor bzw. nach meinem Arbeitstag.
Deshalb habe ich mehr mit Maschinen am Hut, ganz klar. Wird sich in der Weise auch nicht ändern, ich habe einen guten Job, den gebe ich nicht auf.
Wir melken nur 20 Milchkühe, ca. 120.000kg Milch pro Jahr. Aktuell erhalten wir dafür 0,73€/kg.

Das die Förderungen sicher nicht mehr, sondern vermutlich weniger werden denke ich auch. Interessant wird nur in welchem Bereich gespart wird. Wird insgesamt gekürzt, oder bleibt für Steilflächen und Biodiversitätsflächen genug Geld übrig.

Die Kalbinnen werden in unserer Region eher deswegen ausgelagert weil die Betriebe sich dadurch Arbeitszeit freikaufen.
Sind ausschließlich Familienbetriebe, die Flächen bei uns sind eher klein und steil, wenn man da 5ha halbwegs ebenes Grünland hat ist man schon stark auf der Gewinnnerseite.
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Re: Hat Milchviehhaltung eine Zukunft?

Beitragvon 210ponys » Di Sep 01, 2026 7:46

wird in den Alpinen Räumen noch alles Bewirtschaftet? Ich denke wen es dafür keine Förderung mehr gibt wird das Interesse daran aufhören.
Und in Deutschland wird bereits jetzt nicht mehr alles Grünland bewirtschaftet. Sollte der Staat hier wirklich den Rotstift noch mehr ansetzen werden wir bald viel Busch und Heckenland haben.
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Re: Hat Milchviehhaltung eine Zukunft?

Beitragvon wastl90 » Di Sep 01, 2026 11:04

Wie alt bist du? Hast du eine interessierte Nachfolger:in?
Ganz schwarz würde ich nicht sehen. Wenn ihr die Arbeit gerne macht und sich das für euch im Endeffekt rechnet, warum nicht? Natürlich müsst ihr den Stall im Schuss halten, evtl. an ein paar Arbeitserleichterungen arbeiten und wenn es günstig geht, könnt ihr ja auch ein wenig erweitern. Vermutlich seid ihr immer noch ein gesünderer Betrieb mit 200+x Kühen.
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Re: Hat Milchviehhaltung eine Zukunft?

Beitragvon langholzbauer » Di Sep 01, 2026 11:28

Viele wichtige Punkte wurden schon erwähnt.
Eine bessere Verwertung des Grünlandes , als aktuell bei euch, ist nach der Beschreibung vermutlich kaum möglich.
Ohne eine geklärte Betriebsnachfolge und die Zahlen der neuen GAP, wäre ich da sehr vorsichtig, im großen Stiel in Stallgebäude zu investieren.
Erforderliche Instandsetzungen natürlich nicht aufschieben.
Vielleicht gibt es auch noch Möglichkeiten, die aktuelle Haltung weiter zu optimieren?
Es bleibt immer die Frage, wer die Arbeit bis zum Ende der Finanzierung und darüber hinaus erledigen soll, wenn du den Vollzeitberuf nicht aufgeben oder einschränken willst.
Wir werden alle nicht jünger.
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Re: Hat Milchviehhaltung eine Zukunft?

Beitragvon 304 » Di Sep 01, 2026 12:18

Shao hat geschrieben: Unsere Region ist eher klein strukturiert (noch), dennoch sind aktuelle Stallneubauten im Bereich 100-200 Milchkühe.

Die brauchst du nicht beneiden.
Das läuft als Familienbetrieb einige Jahre bis Geschwister und Altenteiler sich nach und nach zurückziehen. Wenn dann nicht schon der Nachwuchs voll dabei ist ...

Shao hat geschrieben:Grundsanierung mit kleiner Erweiterung (+30% mehr Besatz) würde uns aber wohl 15 Jahre finanziell binden.

Denke mal das komplette Vieh weg.

Was von den Investitionen, Reperaturen bzw. Maßnahmen wäre auch ohne Vieh eh die nächsten Jahre notwendig und was kann auch ohne Vieh (andersweitig) weitergenutzt werden. Dazu noch die Einkommenslage, Ausgaben und Steuern sowie Abgaben die auch ohne Vieh anfallen. Die Reperaturen an den Gebäuden und an den Traktoren, etc die weitergenutzt werden, werden irgendwann auch ohne Vieh und den damit verbundenen Einnahmen fällig. Vom Grünland brauchst du ohne Vieh keine Einkünfte mehr zu erwarten, das wird nur noch wegen Prämie, VNP und Kennarten "bewirtschaftet". Ohne Subventionen ist das quasi wertlos.Die letzten viehhaltenden Betriebe suchen sich dann nur das beste raus.

Bring deinen Hof auf Vordermann, solange du noch von den Prämien und dem hohen Milchpreis profitieren kannst und behalte dabei immer die mögliche Weiternutzung im Hinterkopf. Du bist ein Familienbetrieb ohne Fremdkapital, da muss sich eine Investition derzeit nicht unbedingt lohnen, wenn eine sinvolle Weiternutzung möglich ist.

Shao hat geschrieben:Wir melken nur 20 Milchkühe, ca. 120.000kg Milch pro Jahr. Aktuell erhalten wir dafür 0,73€/kg.

Weitermelken ohne groß in Sachen zu investieren die nach Aufgabe der Viehaltung wertlos sind. Deine 30% bzw. 6 Kühe mehr solltest du billigst erweitern können. Überdachte Liegeboxen im Außenbereich sowie zusätzlicher Futtertisch außen. Dazu noch ein paar Kälberiglus, ...

Du hast aktuell fast keine Kosten bei sehr hohem Umsatz und sehr wenig Arbeitsaufwand (sofern schon Hoflader, etc vorhanden). Konventionell fressen bei <40ct einem gerade die Kosten auf. Da bedeutet mehr Vieh erstmal nur noch mehr Arbeit.
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Re: Hat Milchviehhaltung eine Zukunft?

Beitragvon meyenburg1975 » Di Sep 01, 2026 12:40

Shao hat geschrieben:Danke für die bisherigen Antworten.
Glück eher an den Maschinen als Milchkühen - insofern ja, weil meine Frau die Stallarbeit erledigt,

Dann hat sie das letzte Wort.
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Re: Hat Milchviehhaltung eine Zukunft?

Beitragvon Manfred » Di Sep 01, 2026 13:53

Ohne den Betrieb und seine Zahlen genau zu kennen, lassen sich Perspektiven schwer beurteilen.
Falls die Einnahmen nicht fürs Maschinenhobby wieder verbraten werden, sollte da unter dem Strich ein ganz ordentliches Ergebnis stehen.
Wenn die räumliche Lage des Betriebs und die Motivation der Chefin es zulassen, würde ich da auch über eine maßvolle Erweiterung und Arbeitserleichterungen nachdenken.
Ein großes Augenmerk würde ich auf Flächenakquise und -tausch zwecks Arrondierung richten. Damit meine ich nicht, anderen aggressiv Flächen wegzupachten. Aber ihr solltet im Blick haben, wo evtl. was frei wird oder zu kaufen ist. Beim Tausch kann man dann auch mal etwas Fläche verlieren, wenn man dafür Arrondierung erzielt.
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Re: Hat Milchviehhaltung eine Zukunft?

Beitragvon Stoapfälzer » Di Sep 01, 2026 15:32

Wenn du Bio halten kannst (Weidepflicht) sind das top Voraussetzungen und der Biomilchpreis ist ja nicht gefallen und nach wie vor auf einem gutem Niveau.

Wenn die Frau Bock hat, Stall instand halten und ja nicht zu viel Geld darin versenken und ggf moderat erweitern (10 Platze mehr kann man in Eigenregie verwirklichen).
Alle reden übers Wetter,
aber keiner unternimmt was dagegen. ;-)

Zitat Karl Valentin
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Re: Hat Milchviehhaltung eine Zukunft?

Beitragvon T5060 » Di Sep 01, 2026 15:37

Mach dir eine Wärmepumpe in den Stall und spare dir die Arbeit fürs Brennholz machen.
[ :klee: Ein Botaniker ist sowas wie ein Cowboy, der auf einem Pony reitet :-) :klee: ]
[ :klee: Man muss nicht den Rechtsradikalismus bekämpfen, sondern die Blödheit von CDU, Grünen, SPD und FDP :klee: ]
[ :klee: Werte schätzen :klee: ]
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Re: Hat Milchviehhaltung eine Zukunft?

Beitragvon Stoapfälzer » Di Sep 01, 2026 15:39

Ne Holz wenn vorhanden macht man als Ausgleich zum Vieh. :lol:
Alle reden übers Wetter,
aber keiner unternimmt was dagegen. ;-)

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Re: Hat Milchviehhaltung eine Zukunft?

Beitragvon langholzbauer » Di Sep 01, 2026 15:55

Ein gepflegter( Bio) Hof in den Bergen kann auch statt mehreren Kuhplätzen eine Fremdenwohnung oder einige Zimmer einrichten. Da muss man sich im Alter nicht so abrackern, wie mit mehr Kühen.
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