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Ist Bio wirklich Bio?

Hier kann man über aktuelle Themen aus den Medien und Allgemeines der Landwirtschaft diskutieren.
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Re: Ist Bio wirklich Bio?

Beitragvon Jochens Bruder » Sa Dez 17, 2011 14:11

Vieleicht hilft es etwas weiter wenn ich mal schildere wie das mit der grünen Revolution bei uns in der Gegend gelaufen ist. Vorher wurden überwiegend Palmen zur Essig- und Copraproduktion angebaut, die wenigen Reisfelder brachten ca. 1 t/ha. Um 1970 wurden die meisten Palmen gefällt und jede Menge Reisfelder angelegt. Zu dieser Zeit begann auch die Bevölkerungsexplosion.

Inzwischen liegen die Reiserträge um 3,5 t/ha pro Ernte (= bis zu 10 t/ha im Jahr), es gibt zudem Mais, Zuckerrohr, Manilahanf (Abaca), Zitronen usw. Seit gut 20 Jahren steigt der Lebensstandard der breiten Masse enorm an, es wurde massiv in Infrastruktur, Bildung, Gesundheit usw. investiert. Seitdem sinkt auch die Geburtenrate und es ist nur eine Frage der Zeit bis es einen Arbeitskräftemangel in der Landwirtschaft gibt.

Seit der Preisexplosion 2008 gibt es ein Umdenken bei der Regierung und auch bei einigen Nahrungsmittel- und Einzelhandelskonzernen. So wurde z.B. dieses Jahr der Agraretat um 60% erhöht und immer mehr Konzerne verbessern die Konditionen für ihre kleinbäuerlichen Lohnunternehmer.

In Indien scheint das etwas anders zu laufen, von Afrika mal ganz zu schweigen. Deren Misere ist die Summe vielfältiger Fehlentwicklungen wie mangelnde Infrastruktur, Korruption, Bildungsdefizite, Lernunwilligkeit der kleinen Leute, Raubbau usw. Diese Probleme gibt es in den Schwellenländern zwar auch, aber längst nicht so krass. Es macht schon einen Unterschied ob sich die Politiker 15 oder 95% vom Staatshaushalt in die eigene Tasche stopfen.
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Re: Ist Bio wirklich Bio?

Beitragvon Jochens Bruder » Sa Dez 17, 2011 14:21

forenkobold hat geschrieben:Wenn sich die Produktion innerhalb weniger Jahre auf kaum gestiegener Fläche verdreifacht, können die neuen Sorten nicht schlechter sein, als die althergebrachten. Und wenn die Bauern nichts verdienen würden, würden die Flächen brachliegen und nicht gesteigert werden.


Beim Reis handelt es sich bei diesen neuen Sorten überwiegend um normale Züchtungen die den örtlichen Bedingungen angepasst sind. Theoretisch kann dieses Saatgut nachgebaut werden, das macht allerdings kaum jemand. Der Preisunterschied zum professionell gezüchteten Saatgut ist nämlicvh nur minimal, dafür ist es weitgehend sortenrein, gegen Pilzbefall usw. gebeizt, korrekt getrocknet und erzielt damit weitaus höhere Keimungsraten und damit auch Erträge.

Hybridsaatgut ist nur etwas für die wettersichere Saison und dann auch nur wenn der Farmer über ausreichend Kapital für korrekte Düngung, Unkrautbekämpfung usw. verfügt und auch Erfahrung mit dieser Pflanztechnik hat. Deshalb werden z.B. auf den Philippinen nur ca. 5% der Flächen mit F1-Reis gepflanzt.
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Re: Ist Bio wirklich Bio?

Beitragvon stulli » Sa Dez 17, 2011 15:35

und für die Konzerne ist es vlt lukerativer Exportartikel anzubauen und nicht die Bevölkerung mit Nahrungsmittel zuversorgen, da die ja keine Zahlungsmittel haben. Mfg
Ist Morgen­grauen der Moment, in dem man realisiert, dass man wieder zur Arbeit muss?
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Re: Ist Bio wirklich Bio?

Beitragvon Cairon » Sa Dez 17, 2011 18:27

@tyr

Einfach mal abwarten so schnell ist der Kapitalismus noch nicht am Ende wie du es dir ausmalst und was danach kommt wird sich zeigen.
Halb acht, halb neun, es wird schon heller,
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Der Knabe lebt, das Pferd ist tot.
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Re: Ist Bio wirklich Bio?

Beitragvon H.B. » Sa Dez 17, 2011 20:36

stulli hat geschrieben:Fakt ist aber auch, das bei den Konvies ein Teil der Düngung aus der Tierhaltung von importierten Futtermittel zugeführt wird und so nicht auf den heimischen Böden erzeugt wurde und die Nährstoffe den Böden in den Exportländern entzogen wurde, bzw nicht zurück geführt werden. MfG


Kannst sehen wie du willst. Es besteht im Kreislauf ein Loch - und das ist der Mensch. Irgendwoher müssen einfach die Nährstoffe kommen, oder siehst du Bemühungen seitens der Bios, an Klärschlämme zu kommen? Ohne Nährstoffrückführung kann die Welt nicht ernährt werden. Die ziehen sich auf dem Rücken der anderen aus der Verantwortung und blasen die doppelte Menge an CO2 in die Luft.
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Re: Ist Bio wirklich Bio?

Beitragvon SHierling » Sa Dez 17, 2011 20:43

Theoretisch kann dieses Saatgut nachgebaut werden,

Die Theorie würde mich jetzt mal näher interessieren.
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Re: Ist Bio wirklich Bio?

Beitragvon Jochens Bruder » Sa Dez 17, 2011 20:56

SHierling hat geschrieben:
Theoretisch kann dieses Saatgut nachgebaut werden,

Die Theorie würde mich jetzt mal näher interessieren.


Habe ich doch erläutert. Aber nochmal extra für dich: Wenn man das zertifizierte Saatgut nachbaut muß man mit 20-50% niedrigeren Erträgen rechnen. Hinzu kommt dass man beim Reis nicht dieselbe Sorte hintereinander pflanzen sollte. Deshalb macht das auch kaum jemand.

Beim Hybrid-Reis ist das Saatgut zwar erheblich teurer, dafür benötigt man wegen der anderen Pflanztechnik (nur ein Setzling pro Pflanzstelle) aber auch nur ca. 20% der sonst üblichen Menge. Hybrid wird auch nicht nachgebaut weil die Pflanzen unterschiedlich schnell wachsen würden, das macht dann die Ernte fast unmöglich da beim Reis nur ein Zeitfenster von wenigen Tagen besteht.
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Re: Ist Bio wirklich Bio?

Beitragvon SHierling » Sa Dez 17, 2011 20:57

Ja. Das ist die Praxis, nicht die Theorie.
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Re: Ist Bio wirklich Bio?

Beitragvon Jochens Bruder » Sa Dez 17, 2011 21:55

SHierling hat geschrieben:Ja. Das ist die Praxis, nicht die Theorie.


Die Theorie stammt von den sog. Gutmenschen und besagt, dass Dritte Welt Kleinbauern mehr ernten und verdienen wenn sie ihr eigenes Saatgut nachbauen weil spezielle Saatgutfarmen, jahrelange Züchtungen, sachgemäße Trocknung und Beizung des Saatguts usw. überflüssiger Schnickschnack sind an dem sich Monsanto eine goldene Nase verdient.
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Re: Ist Bio wirklich Bio?

Beitragvon SHierling » Sa Dez 17, 2011 23:02

Und die haben die Genetik neu erfunden?

Jochen, jede (reine) Sorte, egal welche, und egal wie sie gezüchtet wurde, weicht vom genetischen Gleichgewicht der Art ab - eben genau das bedeutet "Zucht": man selektiert die Pflanzen, die man haben will, und vermehrt sie, und selektiert wieder, bis man eine ausreichend große Population hat, deren Eigenschaften mehr oder weniger reinerbig sind und dem entsprechen, was man haben will. 100% Reinzucht gibt es dabei nicht, und jede, wirklich jede Population, von Hundkatzemaus bis zu Reis und Gras tendiert dazu, wenn man sie ohne Selektion vermehrt, wieder zum ursprünglichen genetischen Gleichgewicht zu gelangen (Rückmutation). Deswegen rennt durch jede Vorstufe der Anerkenner gleich mehrfach, und durch jede Basis auch, und genau deswegen kannst Du EGALWAS nicht "einfach nachbauen", denn dann geht das, was die Tier- und Pflanzenzucht ausmacht: der Erhalt leistungsfähiger Nutzpflanzen oder -tiere mit Leistungen, die über den natürlichen liegen, wieder verloren. Das ist jetzt schon so, seitdem Menschen Pflanzen anbauen, und daran ändern auch noch so viele "Gutmenschen" nicht, die behaupten, "Saatgut tauschen" oder gar "selber vermehren" ohne die dazugehörige Selektion hätte auch nur im entferntesten irgendetwas mit Pflanzenzucht oder dem "Erhalt von Sorten" zu tun. (Und nein, das wir auch nicht anders, wenn man schöne Filme darüber dreht und im Fernsehn zeigt)
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Re: Ist Bio wirklich Bio?

Beitragvon Jochens Bruder » Sa Dez 17, 2011 23:15

Also Brigitta, wir sind da ganz einer Meinung. Ich kann das mit dem Erhalt der alten Sorten auch nicht mehr hören. Jedenfalls kenne ich keinen Farmer der scharf darauf wäre diese alten Sorten mit nur 30% Ertrag anzubauen. Diese alten Sorten werden wegen der Genetik trotzdem erhalten, aber nicht von den Kleinbauern sondern Forschungsinstituten wie IRRI die über professionelle Saatgutbanken (u.a. im ewigen Eis auf Spitzbergen) verfügen.
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Re: Ist Bio wirklich Bio?

Beitragvon Fassi » Sa Dez 17, 2011 23:51

Ich kann das mit dem Erhalt der alten Sorten auch nicht mehr hören.


Mit dem Punkt wäre ich aber vorsichtig. Meine alte Schafrasse braucht eine ganz Teil weniger Wurmmittel und medizinische Betreuung als die neuere Intensivrasse vorher. Man sollte die alten genetischen Ressourcen schon erhalten, man weiß nie, ob man sie nicht doch mal braucht. Aber es stimmt in soweit, dass man ziemlich einen an der Waffel haben muss (und die entsprechende Leidenschaft haben muss), um sowas durchzuziehen und durchzuhalten. Weil es keiner honoriert oder auch nur ansatzweise schätzt, bis der Ar.. brennt.

Gruß Christian
http://www.youtube.com/watch?v=AMpZ0TGjbWE

https://youtu.be/Tmq8KHPxdrE
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Re: Ist Bio wirklich Bio?

Beitragvon SHierling » Sa Dez 17, 2011 23:59

Fassi hat geschrieben:
Ich kann das mit dem Erhalt der alten Sorten auch nicht mehr hören.


Mit dem Punkt wäre ich aber vorsichtig.


Irgendwie rede ich bei Jochen immer gegen eine Wand. Natürlich sollte man alte Rassen und Sorten erhalten, gar keine Frage.
Nur AUCH DA nutzt es eben absolut nichts bzw ist kontraproduktiv, wenn die Gutmenschen-Fraktion sich überallher irgendwelche Tiere "alter Rassen" zusammenkauft, und dann wild drauflos VERMEHRT. Das ist genau das selbe wie beim Reis: ohne Selektion ist die Sorte nach 2, 3 Generationen hin. Es gibt schon ganze Heerscharen alter Hühnerrassen, die keine Eier mehr legen obwohl sie früher mal dazu gemacht worden sind.

Die Tatsache, daß "Nachbauen" nicht das selbe ist wie Zucht (und das Zucht eben auf Selektion beruht, was das Ganze eben: teuer macht) hat mit alten oder neuen Rassen und mit alten oder neuen Sorten absolut nichts zu tun. Man erhält weder eine neue noch eine alte Sorte dadurch, das man sie einfach nachbaut.
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