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Wald, wohin des Weges?

Hier ist nun auch ein Platz für Diskussionen rund ums Holz.

Moderator: Falke

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Re: Wald, wohin des Weges?

Beitragvon Ernst Eiswürfel » Mo Aug 24, 2026 22:35

Ja das stimmt schon. Fichte macht Spaß.
Jede Woche nach Käferbefall suchen, wenn es gut geht, braucht man keine Seilwinde und fährt nur wegen einem reutigen Baum raus, macht ihn um, zieht ihn raus. Dann braucht man wegen einem lumpigen Baum einen Rückewagen und muss ihn dann min. 500m vom Wald entfernt lagern. Wenn es schlecht läuft fährt man halt wegen 50 oder 100 Bäumen raus. Dann macht man das auch nicht mehr bei 25°C abends, sondern mittlerweile bei stahlblauem Himmel und 28°C um 10 Uhr vormittags oder 35°C abends nach der Arbeit. Zur Not nimmt man auch mal Urlaub. Die Bremsen, Hirschlausfliegen, Mücken, Zecken usw. dürfen auch gerne stechen und beißen. Macht ja Spaß!
Die Zuwächse der Fichte nehmen auch ab. Ja, Fichte macht Spaß!
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Re: Wald, wohin des Weges?

Beitragvon barneyvienna » Di Aug 25, 2026 9:03

260er hat geschrieben:Wäre ja mal interessant was passiert wenn man bei deutlich zu viel Wild die Kahlflächen einfach sich selbst überlässt.


Hallo 260, ich habe so eine 2 ha-Fläche als Nachbar, und bin beeindruckt vom positiven Erfolg !

(habe das vor Jahren schonmal hier in einem anderen Faden beschrieben, es hat sich weiter bewährt, drum widerhole ich es):
Umgebungsbeschreibung:
Großflächiges Schwarzkieferngebiet, Alpenostrand, trockener Karbonatboden, 500 m üNN, starker Wildverbiß, dem ich seit 15 Jahren meinen Jung-Laubbaum-Unterwuchs mit Einzelschutz abtrotze.

Nachbarwald = Genossenschaftswald, ca. 2 ha Lärche Kahlschlag 2011. Damals hatte ich mich gewundert, warum die dermaßen viel herumliegen ließen: große Wipfelteile, Erdstammteile mit fast 1 m + 50 cm Durchmesser. Oberschenkeldicke Äste und Krummteile. Kraut und Rüben durcheinander - welch Verschwendung (dachte ich damals).

Ich hatte nicht bemerkt, dass die in Reihe und Glied ca. 1-metrige Lärchen-Heister (ca. 2 x 2) untergepflanzt hatten.
Alles wuchs durcheinander - ein wildes Dickicht an Gebüschen, Brombeeren, Anflug.
Kein Durchkommen für Mensch und Tier - bis schön langsam die Lärchenspitzen aus dem Dickicht rauswuchsen.
Erst jetzt sieht man deutlich die 2 x 2 -Anpflanzung. Schöne Lärchen - kaum Ausfälle in den Reihen zu sehen - grob geschätzt 7-8-Meter jetzt und 3-4 m über dem undurchdringbaren Urwald-Dickicht.
Das Beste am Ganzen:
kein Zaun - und ich habe in 15 Jahren dort noch NIE jemand Pflegearbeiten machen sehen ! (und ich bin oft dort)

Mich frisst der Neid, wenn ich die Nachbar- Reihen gerader, vitaler Lärchen mit meinem kümmerlichen Unterwuchs vergleiche, und müsste ich einen Kahlschlag machen, würde ich diese Methode kopieren.
Kein Zaun - keine Nacharbeiten - keine Pflege.
Selbst Nachbars wilder Anflug (Ba,Ei,Bu,Elsb,) ist doppelt so hoch und 3 x so dick als bei mir unter Schirm.
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Re: Wald, wohin des Weges?

Beitragvon Owendlbauer » Mi Aug 26, 2026 6:07

260er hat geschrieben:
T5060 hat geschrieben:Werdet realistisch und bleibt mit den Füssen auf der Erde: Ohne Fichte ist die Rentabilität des Forstes geringer und ein Wald der nicht viel abwirft, bringt wenig und macht auch weniger Spass.

Völlig richtig.

Die Rentabilität mag geringer sein. Es ist aber unwichtig, ob das richtig ist oder nicht, weil man an den allermeisten Standorten einen jetzt aufkommenden Fichtenbestand kaum noch ins erntereife Alter bekommen wird, und damit sowieso keine Rentabilität mehr erreichbar ist. Und Spaß machen tut mir ein Fichtenwald schon heute nicht mehr und meinen Nachkommen wird er noch viel weniger Spaß machen.
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Re: Wald, wohin des Weges?

Beitragvon 260er » Mi Aug 26, 2026 7:42

Owendlbauer hat geschrieben:
260er hat geschrieben:
T5060 hat geschrieben:Werdet realistisch und bleibt mit den Füssen auf der Erde: Ohne Fichte ist die Rentabilität des Forstes geringer und ein Wald der nicht viel abwirft, bringt wenig und macht auch weniger Spass.

Völlig richtig.

Die Rentabilität mag geringer sein. Es ist aber unwichtig, ob das richtig ist oder nicht, weil man an den allermeisten Standorten einen jetzt aufkommenden Fichtenbestand kaum noch ins erntereife Alter bekommen wird, und damit sowieso keine Rentabilität mehr erreichbar ist. Und Spaß machen tut mir ein Fichtenwald schon heute nicht mehr und meinen Nachkommen wird er noch viel weniger Spaß machen.


Naja bei welcher Baumart würdest du schon die Hand dafür ins Feuer legen, dass du den Bestand ins erntereife Alter bekommst?
Wie willst die ganzen Laubhölzer bei dem zu erwartenden Überangebot in ein paar Jahren vermarkten?
Als Beimischung hat die Fichte bei mir nach wie vor ihre Berechtigung.
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Re: Wald, wohin des Weges?

Beitragvon fischerwast » Mi Aug 26, 2026 10:41

Viel Fichte pflanzen würde ich auch nicht mehr. Auf guten Standorten evtl. noch ein wenig dazu.
Naturverjüngung nehm ich aber immer mit. Gepflanzt hab ich in letzter Zeit eher Tanne und Lärche.
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Re: Wald, wohin des Weges?

Beitragvon Holzwurm 68 » Mi Aug 26, 2026 13:12

Ich behaupte mal am Wichtigsten sind die Kenntnisse zu den Eigenheiten des Standortes.
Im selben Revier können die Fichten am Südhang chancenlos sein, am Nordhang mit einer wasserführenden Schicht aber gut gedeihen.
Und wenn nach 30cm Humus purer Fels kommt ist die Tanne auch kein Heilmittel, wenn die da nicht wurzeln kann.
Die Liste lässt sich fortsetzen ,,, ist natürlich einfach wenn man mit offenen Augen durch die Naturläuft und ein paar waldbauliche Grundregeln einhält.
Um es mal so zu sagen, der Wald kann weiter die Sparkasse des Hofes sein, aber man muss gut managen. Und wie Anlagen aller Art auch - Rendite birgt auch Risiken.
Ex-Hobby-Holzer mit viel zu viel Ausrüstung und noch mehr Spass an der 'Arbeit' im Wald und (nicht nur ...) mit dem Brennholz ...sondern inzwischen auch mit dem Grünfutter und "Wertholz".
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Re: Wald, wohin des Weges?

Beitragvon langholzbauer » Mi Aug 26, 2026 14:10

Das hast du aber wirklich schön zusammengefasst!
Das geschulte offene Auge kann durch kein Internetforum ersetzt werden.
Wer seinen Wald weiter bringen will, muss ihn und ähnliche Bestände und Standorte langfristig beobachten.
Ich wiederhole sehr gern, die Aussagen von vor ca. 20 Jahren, dass die Fi angeblich die sehr hochwertigen Ki von ihrem Standort, an der Grenze zu unserem frischeren Wuchsgebiet verdrängen würde.
Die Realität hat uns eines Besseren belehrt.
Beide liegen aktuell lt. Dürremonitor in einer 50 jährigen Dürrezone.
Das ist aber nur der halbe Generationsintervall bei gut gepflegter kurzer Umtriebszeit.
Und damit kommen wir zum wichtigsten Hebel in der Waldbewirtschaftung...
Lange vor neuemodischen BA kann die regelmäßige pünktliche Pflege der (potentiellen) natürliche Vegetation das Ausfallrisikos durch Dürre und Sturm verringern.
Das geht eben auch soweit, immer genug Licht auf den Boden zu lassen, damit im Schadensfall schon ein überlebensfähiger Unterstand da ist.
Wer immer nur dem konkurrenzstressbedingt ausscheidenden Brennholz hinterher rennt, braucht nicht von Bewirtschaftung oder Waldbau zu reden.
Hier in der Region hat der Käfer, abgesehen von verpasst pünktlich beerntetem Erstbefall , überwiegend zu alte und zu dicht bestockte Flächen gefressen.
In den gut und regelmäßig gepflegten Betrieben steht noch schönes Fichtenholz.
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Re: Wald, wohin des Weges?

Beitragvon 240236 » Mi Aug 26, 2026 15:34

Daß der Käfer nur in ungepflegten Beständen haust, kann ich nicht bestätigen. Hatte noch nie einen Käferbefall in einem sehr lichten Stangenwald. Hatte heuer den Käferbefall in einer ca. 25jährigen Mischkultur
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Re: Wald, wohin des Weges?

Beitragvon langholzbauer » Mi Aug 26, 2026 16:00

Für " haust" braucht der Käferbefall Zeit!
Sicher greifen Wolken von hungrigen Käfern auch bestens gepflegte Bestände an ,wenn das Wetter dazu passt.
Aber deren Wiederstandskraft in Verbindung mit schnellster Sanierung kann die Welle stoppen oder wenigstens bremsen.

Das nützt dem Kleinwaldbesitz mit Streulage wenig, weil sein Altbestand trotzdem dahin ist.
Aber im gut bewirtschafteten Wald hat der einen aktiven Unterstand oder/und Boden, wo sowohl NV als auch Anpflanzung viel schneller wieder in eine Forstkultur kommen, als nach einem "stockfinsteren Stangenacker".
@Addi- Falke hat es z.B. jetzt auch trotz gutem Waldbau erwischt.
Aber er reagiert schnell und wird hoffentlich seinen Waldbestand damit retten können.

Hinzu kommt, dass in einem regelmäßig gepflegten Wald auch das Wild viel mehr Äsung findet und nicht auf die notwendige Anpflanzung oder NV , als Nahrungsquelle angewiesen ist.
Wir müssen Wald immer im System denken!
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Re: Wald, wohin des Weges?

Beitragvon Owendlbauer » Do Aug 27, 2026 7:29

260er hat geschrieben:Naja bei welcher Baumart würdest du schon die Hand dafür ins Feuer legen, dass du den Bestand ins erntereife Alter bekommst?

Bei keiner - weil ich auch kein Hellseher bin und vorhersehen kann, welche Krankheiten usw. in Zukunft daherkommen. Aber deshalb auf Arten zu setzen, bei denen man schon weiß, dass sie es nicht schaffen werden, ist jedenfalls nicht die Lösung. :roll:

260er hat geschrieben:Wie willst die ganzen Laubhölzer bei dem zu erwartenden Überangebot in ein paar Jahren vermarkten?

Es sind nicht ein "paar" Jahre. Und ich pflanze auch bei weitem nicht nur Laubhölzer, sondern z. B. auch Weißtanne, europ. Lärche, Douglasie. Des weiteren werde ich die überhaupt nicht mehr vermarkten. Vielleicht die nächste, wahrscheinlich aber eher die übernächste Generation. Deren Kopf kann ich mir heute nicht zerbrechen. Jedenfalls versuche ich lieber, einen gesunden Wald zu hinterlassen. Wie gesagt, ich versuche es.

260er hat geschrieben:Als Beimischung hat die Fichte bei mir nach wie vor ihre Berechtigung.

Fichte lasse ich nur noch stellenweise stehen, wo ich Naturverjüngungsflächen habe und nichts anderes hochkommt, und da pflanze ich teilweise andere Wildlinge wie europ. Lärche und Bergahorn drunter. Anpflanzen tue ich seit ca. 20 Jahren keine Fichte mehr.
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Re: Wald, wohin des Weges?

Beitragvon T5060 » Do Aug 27, 2026 8:56

Macht euch Gedanken um Holzverwendung, Holzverarbeitung und Holzabsatz; das ist entscheidend was im Wald zu stehen hat.

Und genau in der CO2 Diskussion und in der Abfallbewirtschaftung liegt das Problem.

Bahnschwellen wurden durch Betonschwellen ersetzt, Faserholzverarbeitung ist Deutschland wegen zu hoher Energiekosten zu hoch, Druckpapier bricht weg.
Eine Stahlstütze bringt beim Abbruch Geld ein, ein lackierter Holzpfosten kostet in der Entsorgung viel Geld.

So sieht die Welt aus, liebe Freunde des deutschen Urwalds und Waldboden speichert nicht mal die Hälfte des Wassers wie ordentlich bewirtschaftetes Grünland.
Bei der CO2 Bindung ist der Mais sogar 8x besser.

In der bequemen Welt von KI, Rechenzentren und Plattenbauten bleibt dem Wald hier nur noch die Freizeit - und Biotopfunktion, die des Rohstofflieferanten schwindet.

Wären hier nicht Österreicher, die hier in leistungsfähige Werke investiert hätten, wäre Deutschland holztechnisch schon tod.
Die verpeilt staatstragenden Sägewerker-Onkel sind ja auch schon Geschichte.
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Re: Wald, wohin des Weges?

Beitragvon langholzbauer » Do Aug 27, 2026 9:07

Dann rechne uns bitte vor, wie du unter deutschen Bedingungen auf " ordentlich bewirtschaftetem Grünland " eine bessere Rendite erreichen willst, als mit gut bewirtschaftetem Wald!

Bei Milch und Fleisch stehen die Absatzprobleme durch steigende Energiekosten auf dem gleichen Prüfstand, wie bei Industrieholz.
Abgesehen davon ist die Nutzung nicht austauschbar.
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Re: Wald, wohin des Weges?

Beitragvon T5060 » Do Aug 27, 2026 9:58

langholzbauer hat geschrieben:Dann rechne uns bitte vor, wie du unter deutschen Bedingungen auf " ordentlich bewirtschaftetem Grünland " eine bessere Rendite erreichen willst, als mit gut bewirtschaftetem Wald!

Bei Milch und Fleisch stehen die Absatzprobleme durch steigende Energiekosten auf dem gleichen Prüfstand, wie bei Industrieholz.
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70 Cent pro Liter Milch und 6000 Liter pro Kuh und Jahr
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Re: Wald, wohin des Weges?

Beitragvon Owendlbauer » Do Aug 27, 2026 10:24

@T5060
Schwarzmalerei mit Wunschdenken zu verbinden ist glaub ich auch nicht die Lösung des Problems. :regen:
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Re: Wald, wohin des Weges?

Beitragvon langholzbauer » Do Aug 27, 2026 10:39

7 Erntefestmeter Jahreszuwachs für aktuell durchschnittlich 60€ bei Stockverkauf.
Dazu braucht es keine Technik und Gebäude und keine 365 Tage Stalldienst.
Lediglich Beförsterungskosten von weniger als 20€.
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