Kormoran2 hat geschrieben: weil von 10 Nachbarn 8 Nachbarn nicht mitziehen.
Servus,
Das ist in dem konkreten Fall denk ich etwas zu einfach gedacht und zu sehr pauschaliert. Ich würde die Aussage in "nicht mitziehen können" ändern, einfach weil das eher der Wahrheit entspricht.
Es ist einfach so, dass die Situation viele gnadenlos überfordert.
Nehmen wir doch mal die angesprochenen 10 Nachbarn her und beleuchten die Situation bissl genauer. Von den 10 Nachbarn wären in unserer Gegend schonmal mindestens 2-3 deutlich über 70 Jahre alt, die bis zum Tod an ihrem Wald festhalten wollen, um eine Ablenkung vom Alltag zu haben und ein bisschen Beschäftigung. Und das klappt auch hervorragend in den meisten Fällen, solange sie nur pro Jahr paar Bäume zu entnehmen haben und keine größeren Kalamitäten anfallen, mal bissl ne kleine Ecke mit Schneebruch oder kleine Käfernester sind noch machbar. Die Situation momentan, nicht zu bewältigen.
Weitere 3 bis 4 von den Nachbarn (wieder auf unsere Region bezogen): Milchviehhalter. Der klassische Bauernwald. Selbes Spiel, der Wald ist vorhanden, wird nach besten Wissen und Gewissen gepflegt. Im Winter ist Zeit dafür und auch im Frühling/Sommer/Herbst bis zu einem gewissen Maß. Die Wälder sind i.d.R. in guten Zustand, werden gemäß der guten fachlichen Praxis bewirtschaftet. Aber selbes Spiel, die Situation momentan: Nicht zu bewältigen, dass erlaubt das AK-Budget eines Betriebes nicht.
Der Rest der Nachbarn teilt sich auf in die klassischen Privatwaldbesitzer, die vllt. nur 1-2 Hektar besitzen, den Ausgleich nach der Arbeit suchen und sich vllt. vorbildlich, vllt. auch weniger vorbildlich um den Wald kümmern - je nach dem wie es Zeit, Ausrüstung und vorallem Motivation erlaubt und dann noch größere private Forstverwaltungen oder eben Staatsforst. Von den 10 Nachbarn hat vllt. einer oder zwei tatsächlich die Zeit und die technischen Möglichkeiten mit einer Situation, wie wir ihr derzeitig begegnen fertig zu werden. Die Betonung liegt hier tatsächlich auf den Wörtchen UND. Denn viele haben zwar die Ausrüstung in der Maschinenhalle stehen, aber in den Sommermonaten schlicht nicht die Arbeitskraftreserven diese auch einzusetzen, wie es nötig wäre um die Situation in den Griff zu bekommen. Und machen wir uns nichts vor - das kommt mehr oder weniger fast nen Fulltime-Job gleich momentan je nach Region.
So: Jetzt kann man sagen, wenn der 80 Jährige Opa Dieter und Bauer Horst nicht mit der Situation klar kommen, dann soll sie sich halt nen Dienstleister holen. Das würden mit Sicherheit auch die Meisten tun, aber - und da schließt sich der Kreis: Auch die sind mit der Situation derzeitig enorm überfordert und wissen nicht wo ihnen der Kopf steht.
Und da kommt dann wieder die Aussage von weiter oben zu tragen, bzw. der Rat vorsichtshalber auch Bäume mit paar braunen Ästen weg zu machen. Mit der Strategie hätten wir quasi im Winter jede einzelne Fichte aus dem Bestand schneiden müssen - was tatsächlich die Ersten begonnen haben - aber vielen ist das Ausmaß dann schnell bewusst geworden und die Prioritäten haben sich verlagert auf das Fällen von eindeutig hoffnungslosen Fällen. Wie gesagt, die Situation ist momentan einfach von den Meisten nicht sinnvoll in den Griff zu bekommen.
