Neuland79 hat geschrieben:Es ging mir darum, unsere Gasreserven zu schonen. Wenn wir dann kein oder extrem teures Gas im Winter haben, kannst du gerne den Leuten erklären, wie froh sie sein sollen, dass wir bis dahin mit der Gasverbrennung so tolle Wirkungsgrade hatten und deswegen das Gas anstelle der Kohle verfeuern mussten.
Dann hast du meinen Post leider nicht verstanden.
Es bringt weniger als GARNICHTS, jetzt die Kohlevorräte komplett zu leeren und ab Herbst oder vielleicht Winteranfang dann noch viel mehr Gas verstromen zu müssen, weil keine Kohle herbekommt. In so einem Szenario bräuchten wir mehr Gas als wenn wir jetzt weniger Kohle verstromen als technisch kurzfristig möglich.
Du kannst den Leuten ja dann erklären, warum die Kohle so schnell mit geringen Wirkungsgraden verstromt wurde anstatt mit ihr möglichst viel Gas zu ersetzen, was wir ja dringend brauchen.
Es wird doch wohl hoffentlich niemand abstreiten, dass wir so viel Gas wie möglich sparen müssen, auch in der Stromerzeugung.
Um dieses Ziel zu erreichen, ist es sinnvoll, die gesamte verfügbare Kohle mit höchstmöglichem Wirkungsgrad zu verstromen (außer es ist mehr verfügbar als technisch bedingt an Gas ersetzt werden kann, aber in der Situation sind wir halt nicht).
Nochmal: wir müssen bis zum Ende der Heizperiode so VIEL Gas wie möglich sparen, nicht so SCHNELL wie möglich.
Stell dir vor die Kohlekraftwerke sind ein Auto. Man hat 10h Zeit (bis zum Ende der Heizsaison) und 50l Sprit (verfügbare Kohle). Mit diesem Auto will man nun so weit wie möglich fahren (möglichst viel Gas ersetzen).
Da würde man auch nicht anfangen, mit 200 Sachen über die Autobahn zu kacheln weil "wir müssen möglichst viel Strecke machen". Man würde ungefähr die Geschwindigkeit fahren, bei der man 5l/h braucht, damit kommt man mit der gegebenen Menge Sprit und der gegebenen Zeit am weitesten.
In der PKW-Analogie wäre das völlig offensichtlich, wieso fällt es so schwer, das bei Kraftwerken zu verstehen?
Oder ganz plump ausgedrückt:
Es lässt sich nicht genug Kohle herbeischaffen, um so viel Gas zu ersetzen, wie du es dir wünscht.
Die Kohle, die derzeit bei den Kraftwerken liegt, reicht wohl im Schnitt für rechnerisch rund eine Woche Volllast. Würde man also die durchschnittliche Auslastung der Steinkohlekraftwerke von rund 20% auf meinetwegen 30% erhöhen, wäre spätestens in gut zwei Monaten Schluss und wir müssten wieder Gas verstromen wie vorher. Damit ist niemandem geholfen.
Wie gesagt, es ist ein Marathon und kein Sprint. Am Anfang eines Marathons zu sprinten ist keine gute Idee. Wenn man das macht, könnte es sein, dass man garnicht ins Ziel kommt.
Neuland79 hat geschrieben:Der jährlich steigende Gasverbauch in der Energieversorgung hängt mit der Abschaltung der AKWs zusammen. Irgendwo muss der Ersatz ja her kommen.
Die Abschaltung der AKW trägt nur einen winzigen Teil zur Erhöhung des Erdgasverbrauchs bei, das ist kaum der Rede wert. Haupttreiber war in den letzten Jahren der Emissionshandel, dadurch wurde viel Öl und Kohle durch Gas ersetzt.
Und nebenbei bemerkt steigt der gesamte Erdgasverbrauch erst seit 2015 wieder an, davor war er ungefähr zehn Jahre lang rückläufig. 2021 wurde in Deutschland ziemlich exakt so viel Gas verbraucht wie im Jahr 2005. Auch die Stromerzeugung aus Erdgas ist fast identisch (gut 50TWh). Gleichzeitig hat sich die Stromerzeugung aus Kernkraft um knapp 90TWh reduziert.

Ein Botaniker ist sowas wie ein Cowboy, der auf einem Pony reitet 