angusy hat geschrieben:Tobi. hat geschrieben:Ich beobachte hier oft, dass bei Normalstrohsorten sehr früh gefahren wird, nur weil die Durchfahrschäden gering gehalten werden sollen. Da ist dann weder Infektionswetter geschweige denn Vollblüte...
Das ist doch genau das, was ich meine: Bei vielen Zeitgenossen (Anwesende ausgeschlossen) eine reine Pseudo-Maßnahme. Infektionsbedingungen und damit Wirtschaftlichkeit werden nicht beachtet. Um dann wenigstens die Durchfahrt-Verlust in Grenzen zu halten, wird das Ganze zu einem Zeitpunkt ausgebracht, zu dem die fungizide als auch die Wirkung hinsichtlich Schotenfestigkeit eher fragwürdig ist. Und zu alledem wird noch eine ordentliche Portion Insektizid ganzflächig ausgebracht, obwohl die Kohlschotenmücke etc. den meisten völlig unbekannt ist (ich habe auch noch keine beobachtet).
Da bin ich absolut bei dir. Gerade diese Standard-Insektizid-Maßnahmen zur Vollblüte- eigentliche reine PR-Erfolge und so unsinnig wie noch was- sind meistens ein absoluter Witz. Selbst Randbehandlungen sollte man hinterfragen. Das lasse ich mir aber noch gefallen bzw. mache es im Zweifelsfall selbst. Aber irgendwo nen 10 ha großen Schlag flächendeckend mit Insektizid zur Blüte zu behandeln? Das kann in normalen Jahren keine gute fachliche Praxis sein. Ich mach' den Scheiß nicht und hatte noch nie Probleme.
Gerade in Punkto Insektizid (aber auch Fungizid) wird fast immer viel zu viel gemacht. Wissenschaftler und Statistiker raten zum verhaltenen Einsatz, predigen dass in fast jedem Jahr die Einfachbehandlung die wirtschaftlichste ist. Demgegenüber stehen laienhafte Fachzeitschriften und vor allem die Industrie, die auf Grund intensiver Werbeaktionen dem Endverbraucher viel näher stehen und mit sonderbaren Theorien ala "in nooooormaaaalen Jahren reicht auch die Doppelbehandlung aus, man muss nicht immer drei Stück fahren" einfach ganz bewusst für ihre Sache stehen, aber eben doch Unwahrheiten verkaufen
Da werden keine Statistiken herangezogen, da wird nicht abgewägt und sich im Zweifel mal gegen eine Maßnahme entschieden. Nein, weil wir alle so fahrgeil sind und uns Bayer oder BASF einen Versuch zeigte, in dem mit jeder weiteren Fungizidbehandlung zusätzlich 10 dt/ha realisiert werden konnte (da wird in den Akten sicherlich lange gesucht bzw. ganz bewusst nur Weniges vorgestellt) und weil wir Schiss haben, dass nicht doch mit einer Wahrscheinlichkeit von 5 % wirtschaftlicher Schaden entstehen könnte, wird noch mal drauf gegeben.
Ich sehe es doch hier bei den Kollegen vor Ort. Sie meinen's gut. Aber die Hälfte der Maßnahmen (Wachstumsregler und Insektizid Raps, Fungizid Weizen etc.) ist mit Sicherheit einfach nicht wirtschaftlich. Die dreschen dadurch keine 1 dt/ha mehr. Und da hört der Spaß eigentlich auf.

