Großflächige Waldschäden in Europa
Stickstoffemissionen aus dem Verkehrsbereich und der Intensivlandwirtschaft, hohe sommerliche Ozonkonzentrationen sowie Schwefeldioxid, das vor allem dem Energiebereich entstammt, verursachen gravierende Schäden in den Waldökosystemen. Dabei sind folgende negativen Einflüsse auf den Waldzustand zu unterscheiden:
# Direkte Schädigung der oberirdischen Pflanzenorgane (Blätter/Nadeln): Mit ihren Blättern bzw. Nadeln filtern Bäume die Stickstoff und Schwefelverbindungen aus der Luft. In Verbindung mit Niederschlägen entstehen aus ihnen Säuren, die unmittelbar die Pflanzenorgane schädigen und letztlich zur Verfärbung von Blättern und Nadeln führen können. Ähnliche Wirkungen rufen hohe bodennahe Ozonkonzentrationen hervor. Das aggressive Reizgas bildet sich, wenn Stickstoffoxide und Kohlenwasserstoffverbindungen unter intensiver Sonneneinstrahlung photochemisch umgewandelt werden.
# Verringerung der Bodenfruchtbarkeit durch Versauerung, Nährstoffauswaschung, Stickstoffüberdüngung und Freisetzen giftig wirkender Substanzen. Ebenfalls gravierende Schädigung der Waldökosysteme erfolgen über den sogenannten "unterirdischen Wirkungspfad" der Schadstoffeinträge. Im Mittelpunkt steht dabei die Versauerung der Waldböden, die im wesentlichen folgende Effekte hervorruft:
# Der Nährstoffgehalt der Böden wird reduziert, da wichtige Nährstoffe (vor allem Kalium, Kalzium und Magnesium) aus dem Wurzelraum ausgewaschen werden.
# Die Abbaubedingungen für die abgestorbene organische Substanz verschlechtern sich, so daß es zur Entstehung von Humusauflagen kommt, aus denen - je nach Zusammensetzung - zusätzliche Säuren freigesetzt werden können.
# Die Zahl der Bodenlebewesen (Mikroorganismen, Regenwürmer etc.) nimmt deutlich ab, das Feinwurzelwerk der Bäume wird geschädigt.
# Es werden giftig wirkende Stoffe im Boden freigesetzt, die von den Pflanzen aufgenommen werden bzw. ins Grundwasser gelangen können (v. a. Aluminium und Schwermetalle).
Ein Problem besonderer Natur stellt der hohe Eintrag von Stickstoff in die Waldökosysteme dar. Lange Zeit galt der Stickstoffeintrag aus der Luft als willkommene Düngung, da jahrhundertelange Übernutzung den Stickstoffgehalt der Waldböden reduziert hatte. Dieser Mangel wurde nach und nach über den Lufteintrag behoben, so daß in vielen Wäldern eine Zuwachssteigerung festgestellt werden konnte. Unter der "Stickstoffdusche" wachsen die Bäume schneller und üppiger. Die Wachstumssteigerung ist jedoch ein trügerischer Indikator für den Zustand der Wälder. Denn tatsächlich liegt der Stickstoffeintrag über die Luft um ein Vielfaches über den von Waldökosystemen dauerhaft verkraftbaren Mengen. Ein Hektar Wald kann etwa 10-20 kg Stickstoff pro Jahr verwerten. Der Eintrag beträgt dagegen 20 bis 80 kg, in Extremfällen bis zu 200 kg Stickstoff pro Jahr und Hektar. Diese Überdüngung ruft folgende negativen Auswirkungen hervor:
# Der überschüssige Stickstoff beschleunigt die Auswaschung anderer für die Pflanzen lebenswichtiger Nährstoffe und verstärkt damit das Nährstoffungleichgewicht im Waldboden und in den Pflanzen,
# er fördert die Bodenversauerung und behindert die für die Waldgesundheit wichtigen Mykorrhizapilze,
# vermindert die Widerstandskräfte der Bäume gegenüber äußeren Einflüssen und
# führt zur Auswaschung von gesundheitsgefährdendem Nitrat ins Grundwasser.
Bitte um Quellenangabe. *Ganz lieb frag* Danke
LG
jada
